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Morbus Dei: Im Zeichen des Aries: Roman (German Edition)

Morbus Dei: Im Zeichen des Aries: Roman (German Edition)

Titel: Morbus Dei: Im Zeichen des Aries: Roman (German Edition) Kostenlos Bücher Online Lesen
Autoren: Bastian Zach , Matthias Bauer
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Kindern.
    Und Elisabeth und Alain schliefen erschöpft weiter, während über ihnen die blasse Sichel des Mondes stand.
    Sie schliefen und ahnten nichts von Johann, und auch nicht, dass noch jemand hinter ihnen her war. Jemand, der mit kalten Augen die Spuren verfolgte, die sie in den Wäldern und am Weg hinterlassen hatten, und der sich ihnen näherte, gnadenlos und unaufhaltsam.
    Sie blickte auf die Ebene hinab, sah die sterbende Stadt und hörte die Stimmen der Todgeweihten.
    Es war der Untergang, Gottes Zorn, so wie ihn Pfarrer Bichter immer prophezeit hatte.
    Die schwarzen Wolken, die den Himmel bedeckt hatten, teilten sich. Durch den Riss in der Wolkendecke fiel ein grellweißes Licht auf die Stadt und die geborstenen Türme von St. Stephan. Unter ohrenbetäubendem Donner tat sich der Boden auf, Flammen schlugen aus dem Abgrund und verschlangen die schreienden Menschen.
    Und über der Stadt sah Elisabeth eine riesige Gestalt, die in den Himmel ragte und ihr den Rücken zuwandte. Es war jene Gestalt, die sie ihr Leben lang begleitet hatte, zu der sie gebetet und der sie immer vertraut hatte – sie sah das Tuch um die Leibesmitte, die blutenden Wunden, die Dornenkrone im Haar.
    Er.
    Sie streckte die Arme zu ihm aus und flehte um Erbarmen. Als er sich umdrehte, schrie Elisabeth aus voller Kehle, aber ihr Schrei blieb stumm. Sie sah, dass das Gesicht, sein Gesicht, mit schwarzen, pulsierenden Adern übersät war, seine Zähne waren wie schartige Klingen und –
    Ein Schrei gellte durch die Nacht. Elisabeth fuhr hoch, erkannte, dass sie es war, die geschrien hatte. Trotz der Kälte war sie schweißüberströmt, so erschreckend war der Traum gewesen.
    Aber nicht nur erschreckend, dachte sie, während sie versuchte, wieder zu Atem zu kommen. Irgendwie hatte sie das Gefühl, dass der Traum eine Warnung gewesen war. Sie konnte nicht sagen warum, aber sie wusste, dass sie so schnell wie möglich verschwinden mussten.
    „Was hast du?“ Alain blickte sie schlaftrunken an.
    Sie stand auf. „Wir müssen los.“
    „Aber –“
    „Sofort, Alain. Bitte glaub mir.“
    Der Franzose sah ihre weit aufgerissenen Augen, die den Weg hinter ihnen unruhig musterten, ihren zitternden Mund.
    Er stemmte sich in die Höhe, die beiden stiegen auf die Pferde, die hinter ihnen grasten, und ritten davon, ohne ein weiteres Wort zu verlieren.
    Der weiße Stein blieb am Wegesrand zurück, dort, wo er schon seit Jahrhunderten lag. Der Mond wanderte über den Himmel, die Nacht war still. Dann war ein Wiehern zu hören, gefolgt von Hufgeklapper. Ein Schatten fiel auf den Stein.
    Die Gestalt am Pferd stieg ab, untersuchte die Spuren in der Wiese. Dann stieg sie auf und jagte mit einem finsteren Grinsen weiter den Weg entlang.
    XXXIV
    Der Bauernhof lag versteckt zwischen zwei Hügeln, nicht weit vom Jakobsweg entfernt. Wohnhaus und Stall bildeten eine Einheit, daneben lag ein Gemüsegarten. Hinter ihm bildete eine Reihe von alten Kirschbäumen eine natürliche Grenze zu den Feldern und Äckern.
    Johann ritt nahe an den Hof heran, dann zügelte er sein Pferd, die anderen taten es ihm gleich. Eines der Fenster neben der Eingangstür war erhellt.
    Alles war etwas heruntergekommen, obwohl die Bewohner sichtlich bemüht waren, Ordnung zu halten. Über der hölzernen Eingangstür mit den schmiedeeisernen Scharnieren hing ein Kruzifix mit schön geschnitztem Korpus, links neben der Tür waren Blumen angepflanzt, rechts stand eine Bank, auf der man in der Mittagssonne rasten und sich ein wenig von der schweren Arbeit erholen konnte.
    Der Gemüsegarten jedoch war verwildert, der hölzerne Zaun darum war brüchig. Und die Kirschbäume sahen sogar aus der Weite verfault aus.
    „Heimelig“, brummte Hans.
    Der Preuße zuckte mit den Achseln. „Sei froh, dass wir überhaupt was gefunden haben.“
    Margarethe, die Mutter der beiden Kinder, sah erschöpft aus, sie wurde nur noch durch Karls Arme im Sattel gehalten. Jacob, ihr Sohn, schlief bereits, er lag an den Wamst von Markus gelehnt, der ihn mit seiner Weste zugedeckt hatte.
    Karl blickte den Preußen an und schüttelte den Kopf. „Da geht nichts mehr. Wir müssen hierbleiben.“
    „Wässrige Suppe und steinhartes Brot. Ihr werdet sehen.“ Hans verzog verdrießlich das Gesicht.
    „Ich geb auf!“ Der Preuße klopfte sich auf den Bauch und schob den Teller von sich, auf dem noch eine halbe Speckschwarte und ein Viertel Käse lagen.
    „So ein Mannsbild und keinen Hunger?“ Die Bauersfrau, sehnig und

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