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Morbus Dei: Im Zeichen des Aries: Roman (German Edition)

Morbus Dei: Im Zeichen des Aries: Roman (German Edition)

Titel: Morbus Dei: Im Zeichen des Aries: Roman (German Edition) Kostenlos Bücher Online Lesen
Autoren: Bastian Zach , Matthias Bauer
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Gesicht.
    Gamelins Miene verfinsterte sich. Er wischte sich mit einem weißen Taschentuch ab, dann packte er Elisabeth grob am Kinn. „Allmählich habe ich deinen Trotzkopf satt! Willst du, dass ich dir dein Kind aus dem Leib schneide, wenn ich dich nicht mehr brauche?“
    Er zog Elisabeth näher zu sich, der Ausdruck in seinen Augen war dämonisch. Sie wusste, dass dieser Mann keinen Augenblick zögern würde, seine Drohung in die Tat umzusetzen.
    „Willst du das?“, wiederholte er.
    Sie schüttelte den Kopf, und obwohl sie sich vorgenommen hatte, stark zu bleiben, kamen ihr die Tränen.
    Gamelin tätschelte ihr die Wange. „Braves Täubchen.“ Dann ließ er sie los und ging zum Eingang des Zeltes.
    „General!“ Elisabeth schluckte, versuchte, ihrer Stimme einen halbwegs festen Klang zu geben.
    „Ja, meine Liebe?“ Amüsiert drehte Gamelin sich um.
    „Würdet Ihr die Seile lösen und mir Eisen anlegen lassen? Die scheuern nicht so sehr.“
    Er schüttelte den Kopf. „Nein, das ewige Gerassel der Ketten empfinde ich als enervierend. Au revoir!“
    Als er das Zelt verließ, sank Elisabeth verzweifelt auf die Knie.
    LX
    Der Morgen begann, wie der Abend geendet hatte: mit unablässigem Kanonendonner, der über die Landschaft grollte und manchmal näher, manchmal entfernter zu sein schien.
    Johann streckte sich und blinzelte in die Morgensonne, die sein Lager aus Moos mit zarten Strahlen erwärmte.
    Neben ihm schnarchte Wolff. Als wollte er den gesamten Wienerwald umsägen, dachte Johann und musste schmunzeln. Dann rüttelte er ihn an der Schulter.
    Wolff schreckte hoch und griff zu seinem Säbel.
    „Spar dir das für später“, sagte Johann und stand auf.
    Er trat einige Schritte aus dem schützenden Laubwerk und ließ seinen Blick rasch über die Landschaft schweifen. Der Fluss, der vor ihnen ruhig dahinfloss, stellte ein erhebliches Hindernis dar. Denn auf der anderen Uferseite lag flussabwärts das Castello, vor dem der Mönch sie gewarnt hatte.
    Johann atmete tief die frische Morgenluft ein und bewunderte die Schönheit des Bauwerks trotz der Gefahr, die es für ihn und Wolff darstellte. Der hintere, hufeisenförmige Innenhof war mit Marmor gepflastert, die blauen Mansarddächer bildeten einen gelungenen Kontrast zur reich verzierten Fassade und wurden an ihren Ecken von jeweils einem Turmaufbau abgeschlossen. Der vordere, rechteckige Innenhof war zum Fluss hin von einer starken Mauer umgeben.
    Wenn sie uns dort erspähen, sind wir tot. Prüfend maß Johann die Schneise zwischen Kastell und Stadt. Sie war schmal, und zumal keine Bäume Deckung boten, würde man sie sofort erspähen.
    Wolff trat zu ihm und folgte seinem Blick. „Das nenn ich mal ein Lustschlösschen, meine Herren!“, sagte er anerkennend, als er das Kastell erblickte. „Dort würde ich mich auch kasernieren und verhören lassen.“
    Wolffs dreistes Grinsen wischte jeden Zweifel über die Deutung seiner Aussage vom Tisch.
    „Du kannst gern auskundschaften, ob der Hof voll von französischen Stubenmädchen ist“, entgegnete Johann. „Ich schneide dich dann vom Baum.“
    Wolffs Grinsen wich einem verneinendem Knurren. „Ich wart dann mal lieber, bis ich wieder in Wien bin, bei der –“
    „– verschmusten Maria und der zungenfertigen Anna, ich weiß“, ergänzte Johann lächelnd den oft gehörten Satz. Dann wurde er ernst. „Wir müssen unerkannt an dem Kastell vorbei und uns vom Süden her in Richtung der Truppenlager aufmachen“, fuhr er fort. „Ich fürchte nur, dass das Ufer weiter unten zu steil wird. Wir müssen also wieder in den Wald.“
    „Dort laufen wir aber Gefahr, einem Spähtrupp oder einer Sicherungswache in die Arme zu laufen. Und wenn sie uns jetzt schon entdecken, stehen unsere Chancen schlecht, uns unbemerkt irgendwo reinzuschleichen.“
    Johann zog sich die Kutte aus, warf sie ins Unterholz und straffte Mantel, Hemd und Hose, die er darunter angehabt hatte. „Was schlägst du also vor?“
    Wolff entledigte sich ebenfalls der Kutte, dann suchte er das Ufer ab, bis er fündig wurde. „Komm. Manchmal sollte man die Arbeit anderen überlassen“, sagte er kryptisch und stieg gebückt zum Ufer hinab.
    „Hier.“ Wolff hielt Johann ein Schilfrohr hin, welches er gerade abgebrochen hatte. Ein anderes steckte er sich in den Mund und sog daran, um seine Luftdurchlässigkeit zu testen. Zweifelnd tat Johann es ihm gleich.
    „Jetzt brauchen wir nur noch – ah!“ Wolff watete entlang des seichten Ufers und packte

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