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Nachtflug Zur Hölle

Nachtflug Zur Hölle

Titel: Nachtflug Zur Hölle Kostenlos Bücher Online Lesen
Autoren: Dale Brown
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MSB-Fahrzeugen in Richtung Institut, dann sind plötzlich alle Funkfrequenzen vom Militär blockiert. Was zum Teufel geht hier vor? Und warum bin ich darüber nicht informiert worden?
    Bei nächster Gelegenheit überholte er die Spitzenfahrzeuge und setzte sich vor die Kolonne. Angeführt wurde sie von einem Befehlswagen mit Tarnanstrich, in dem mehrere MSB-Offiziere saßen.
    Teresow überlegte sekundenlang, ob er den Wagen anhalten und den Kolonnenführer nach seinem Marschbefehl fragen sollte. Dann sah er endlich ein bekanntes Gesicht: Oberst Igor Mursuriew, der in Kaliningrad stationierte MSB-Logistikchef. Was zum Teufel hatte dieser Bürohengst hier zu suchen? Mursuriew war dafür bekannt, daß er jegliche Art von Arbeit geflissentlich mied.
    Teresow überlegte nochmals, ob er das Spitzenfahrzeug anhalten und Mursuriew fragen sollte, was er hier machte. Wenigstens hätte er dann gewußt, wer oder was diesen Lahmarsch dazu gebracht hatte, sich eine Nacht um die Ohren zu schlagen und quer durch ganz Litauen zu fahren, um diese Kolonne anzuführen.
    Aber er mußte schnellstens ins Institut, und die Zurechtweisung durch den Funker wegen dieser Sicherheitsbestimmung, die er im Schlaf hätte beherrschen müssen, hatte ihm den letzten Nerv geraubt. Teresow gab Gas und ließ den Konvoi hinter sich zurück.
    Die Antworten auf seine Fragen würde er früh genug erhalten.
Über der Ostsee vor der litauischen Küste
13. April, 03.09 Uhr
    Das Tankflugzeug KC-10 Extender entließ seine vier Abnehmer 60 Seemeilen vor der litauischen Küste, nachdem es die Flugzeuge – zwei Starrflügler und zwei Kipprotor-Flugzeuge – ein letztes Mal betankt hatte. Diese Treibstoffübergabe fand in Höhen von weniger als 1000 Fuß über dem Meeresspiegel statt, weil sie versuchten, unterhalb des Erfassungsbereichs der zahlreichen Radargeräte an der Küste und auf Patrouillenbooten zu bleiben. Außerdem mußten die fünf Maschinen den möglichen zivilen und militärischen Flugverkehr nach Riga, Memel oder Kaliningrad deutlich unterfliegen.
    Die Extender drehte in einer weiten Kurve nach Norden ab, nahm Kurs auf Stockholm und begann steil zu steigen. Während die vier Maschinen die litauische Küste überflogen, überwachte ein AWACS-Flugzeug E-3C der U.S. Air Force, das in 30000 Fuß über der Ostsee kreiste, den Luftraum in weitem Umkreis, um den Tanker vor Maschinen auf Kollisionskurs und die Flugzeuge des Marine Corps vor etwaigen Angreifern warnen zu können. Das weitreichende Radar APY-2 des AWACS-Flugzeugs würde die einfliegenden Maschinen während ihres gesamten Einsatzes in Litauen überwachen.
    Patrick McLanahan, der in einem der beiden Kipprotor-Flugzeuge mitflog, konnte beobachten, wie der Tanker nach rechts abdrehte.
    Mit diesem Abdrehen, nach dem die Einsatzflugzeuge auf sich allein gestellt waren, schien jedesmal die Trennlinie zwischen Ordnung und Chaos, Frieden und Krieg überschritten zu werden. Drehte das Flugzeug, in dem man saß, nicht wie bei den Übungsflügen mit dem Tanker ab, wußte man, daß man in den Kampf flog…
    Natürlich war McLanahan schon im Kampf gewesen. So hatten sie Dave Luger verloren. Aber es war etwas ganz anderes, sein Leben in einem High-Tech-Bomber EB-52 zu riskieren, der mit fast 15 Kilometern in der Minute im Tiefflug dahinraste, als seinem Gegner mit dem Gewehr in der Hand gegenüberzutreten. McLanahan, der sich exponiert und verwundbar vorkam, erkannte schließlich, daß Infanteristen vor allem Mut brauchten, der sie stärkte, schützte und Kraft fürs Vorwärtsgehen verlieh. Sobald man den Erdboden betrat, war man auf sich allein gestellt.
    Aber McLanahan würde nicht allein gelassen werden – amerikanische Marines arbeiteten immer im Team. Zu ihrem fliegenden Verband gehörten einige der modernsten Kampfflugzeuge der Welt, die jetzt gemeinsam die litauische Hauptstadt anflogen.
    Geführt wurde dieser Verband von einer MC-130H COMBAT TALON II der Air Force – eigentlich ein Transporter, ein typischer »Müllwagen«, der jedoch in diesem Fall alles andere als typisch war.
    Die MC-130H war mit modernsten Navigations-, Wetterradar- und Geländewarnsystemen ausgerüstet, hatte spezielle Zielsensoren an Bord, konnte weltweit Nachrichten übermitteln und empfangen, verfügte über ein großes ECM-Potential und konnte dank spezieller Abwehrbewaffnung in stark verteidigte Gebiete einfliegen, um Nachschub oder Soldaten abzusetzen (oder aufzunehmen). Diesmal transportierte sie zehn Tonnen Material,

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