Bücher online kostenlos Kostenlos Online Lesen
Nachtflug Zur Hölle

Nachtflug Zur Hölle

Titel: Nachtflug Zur Hölle Kostenlos Bücher Online Lesen
Autoren: Dale Brown
Vom Netzwerk:
bockte das Flugzeug so heftig, daß er zum ersten Mal in seinem Leben beinahe luftkrank geworden wäre.
    Hal Briggs fiel das selbst im schwachen roten Lichtschein der Kabinenbeleuchtung sofort auf. »Du bist ziemlich blaß um die Kiemen, Mac«, sagte er. »Stell dir vor, du ißt ‘ne Zitrone – das hilft mir immer.«
    »Ich bin Nachttiefflüge bei Scheißwetter gewöhnt«, antwortete McLanahan, »aber dann fliege ich selbst oder kann wenigstens nach draußen sehen. Dieses Herumgekarrtwerden ist nicht lustig. Ich brauche ein Fenster.«
    »Denk an Dave«, forderte Briggs ihn lächelnd auf. »Bald sehen wir ihn wieder!«
    Das war in den letzten Wochen der Schlachtruf ihrer kleinen Gruppe gewesen. Hatten sie das Gefühl gehabt, den ganzen Krempel hinschmeißen zu müssen, waren aus Mangel an Kenntnissen frustriert gewesen oder hatten irgendeinen Auftrag nicht ausführen können, hatten sie sich selbst oder einander gesagt: Denk an Dave!
    Im nächsten Augenblick stand Oberleutnant Marx auf, drehte sich nach den Männern im rückwärtigen Teil der Kabine um, hielt sich am Deckenhandlauf fest, um in der ständig bockenden MV-22 nicht das Gleichgewicht zu verlieren, und brüllte: »Dritter Zug!«
    Die Marines antworteten mit einem raubtierhaften Knurren, in das selbst die Luftwaffenoffiziere einstimmten. Nach zwei Wochen bei den Marines hatte einiges von dieser Elitetruppe auf sie abgefärbt.
    »In ungefähr zehn Minuten sind wir da. ›Gunny‹ Wohl informiert euch über die letzten Einzelheiten. Unser Auftrag ist einfach: Das Gebäude stürmen, den Kerl aufspüren und in Sicherheit bringen – und die Lage kontrollieren, während diese drei Luftwaffenoffiziere ein paar Schreibtische durchwühlen. Fünfzehn Minuten am Boden, dann hauen wir ab.«
    McLanahan gefiel es nicht, daß der Kompaniechef von Dave als »Kerl« sprach, obwohl er von anderen Marines längst wußte, daß Luger eine Zielperson wie jede andere war: irgendein Kerl, der aufgespürt und in Sicherheit gebracht werden mußte. An erster Stelle stand jedoch die eigene Sicherheit und die der Kameraden. Marines waren bereit, ihr Leben einzusetzen, um einen Auftrag auszuführen – aber sie würden es nicht dafür opfern.
    »Die Russen in diesem Forschungsinstitut halten einen amerikanischen Luftwaffenoffizier gefangen, den sie viele Jahre lang eingesperrt und gefoltert haben. Sie leugnen seine Existenz, aber wir wissen, daß er dort ist. Wir haben den Auftrag, ihn aufzuspüren und zu befreien. Wir dringen dort ein, vernichten alle Gegner, nehmen mit, was uns gehört, und verschwinden wieder. Gebraucht vor allem euren Kopf, Denkt mit! Nehmt die Lage um euch herum wahr.
    Verständigt euch untereinander. Handelt! Ist das klar?«
    Die Antwort seiner Marines bestand wiederum aus dem raubtierhaften Knurren.
    »Noch Fragen?«
    Niemand stellte eine.
    »Gut, dann hat Gunny Wohl noch ein paar Informationen für euch.«
    Der Viererverband war nicht der einzige, der in dieser Nacht nach Litauen einflog; er war nicht einmal der stärkste oder wichtigste Verband. Das Hauptunternehmen zur Versorgung und Verstärkung der US-Botschaft in Wilna war längst angelaufen, als die vier Maschinen von Air Force und Marine Corps in den litauischen Luftraum eindrangen. Tatsächlich lief dieses Unternehmen schon seit einigen Stunden, als die vier Flugzeuge zum letzten Mal betankt wurden.
    Von dem in der Ostsee stationierten Flugzeugträger Wasp, der von sechs Zerstörern der Navy begleitet wurde, startete der Kern des wichtigsten Verbandes: acht Hubschrauber des Marine Corps. Nur wenige Minuten, bevor diese Hubschrauber ihr Ziel erreichten, würden zwei Flugzeuge des Marine Corps und zwei der Air Force die litauische Hauptstadt überfliegen, über dem Botschaftsgelände wichtigen Nachschub abwerfen und nötigenfalls die gegnerische Luftabwehr ausschalten. Erst wenn die Marines in der US-Botschaft versorgt und abwehrbereit waren, würden die Hubschrauber den Botschaftskomplex ansteuern.
    Den Begleitschutz für die Transporthubschrauber des Verbands übernahmen vier Kampfhubschrauber Bell Helicopter-Textron AH-1W Sea Cobra. Bewaffnet war die im Marine Corps als Standardmuster eingeführte Sea Cobra mit einer richtbaren 20-mm-Maschinenkanone in einem Bugturm, vier lasergesteuerten Lenkwaffen Hellfire zur Panzerbekämpfung und zwei Jagdraketen AIM-9L Sidewinder mit Infrarotsuchkopf. Außerdem hatten diese AIM-9L mit dem Rufzeichen »Rattler« je zwei Zusatztanks für den langen Flug quer durch

Weitere Kostenlose Bücher