Nachtflug Zur Hölle
Oberleutnant William Marx. »Unverschlüsselter militärischer Funkverkehr.
Mehrere Fahrzeugkolonnen in der Umgebung des Zielgebiets. Unser Zielgebiet könnte heiß sein. Zu den gemeldeten Fahrzeugen gehört mindestens ein Fla-Panzer ZSU-23-4.«
Patrick McLanahan merkte auf, als er das hörte – jeder Militärflieger der Welt kannte den mörderischen Ruf des Zeus.
Oberleutnant Marx schüttelte ungläubig den Kopf. »Wo zum Teufel kommen diese zusätzlichen Fahrzeuge her?« überlegte er laut.
»Auf den Satellitenbildern waren nur die regulären GUS-Truppen in der Stadt zu sehen. Hat Cobra sie schon gezählt?«
»Die Meldung kommt gerade. Mindestens ein Bataillon, vermutlich zwei, Sir. Über hundert Fahrzeuge, von denen einige schon auf dem Gelände sind.«
»Zwei Bataillone? Unmöglich! Noch vor zwölf Stunden haben im ganzen Land nur zwei Bataillone GUS-Truppen gestanden. Anschei-312
nend ist die weißrussische Armee gegen uns in Marsch gesetzt worden. Das ist die einzige Truppe, die hier so schnell aufmarschiert sein kann.«
»Aber wie?« fragte Gunnery Sergeant Wohl. »Die Verlegung starker Kräfte von der Grenze hierher dauert einige Zeit. Unsere Botschaft hätte uns gewarnt – und die Marschkolonnen waren auf Satellitenbildern zu sehen gewesen.«
»Sind sie aber nicht!« stellte Marx irritiert fest. »Erfahrene Offiziere warnen einen immer wieder davor, sich auf Satellitenaufklärung zu verlassen, und ich glaub’ ihnen allmählich.« Er überlegte kurz, bevor er sich an Wohl und Trimble wandte. »Snyder meldet sich bestimmt gleich. Was schlagen wir vor?«
»Uns bleibt keine andere Wahl«, sagte Trimble, dessen Baß den Triebwerkslärm mühelos übertönte. »Unser Plan ist aufgeflogen. Ich schlage vor, auf dem Botschaftsgelände zu landen, Meldungen der Special Forces in der Stadt einzuholen und einen neuen Plan auszuarbeiten.«
»Aber dann wird Luger umgebracht!« wandte McLanahan ein.
Der junge Offizier musterte ihn gereizt. »Unsere Entscheidung geht Sie nichts an, McLanahan.«
»Doch, Oberleutnant«, widersprach McLanahan. An sich lag es ihm nicht, seinen Dienstgrad auszunützen, aber hier mußte es einmal sein. »Sie haben den Auftrag, David Luger aus diesem Gefängnis rauszuholen.«
»Der Oberleutnant hat Maul halten gesagt«, knurrte Trimble. »Er hat…«
»Ihr Dienstgrad bedeutet hier so wenig wie Ihre Meinung, McLanahan«, unterbrach Marx seinen Sergeanten. »Wir entscheiden, was …«
»Ein amerikanischer Offizier, der jahrelang gefoltert worden ist, wird liquidiert, wenn wir ihn nicht befreien, Oberleutnant«, sagte McLanahan laut. »Wir können jetzt unmöglich umkehren und Luger sterben lassen!«
»Der ist längst tot, McLanahan«, behauptete Trimble. »Wenn die weißrussische Armee ins Fisikus eingerückt ist, sind dort als erstes alle ausländischen Gefangenen umgelegt worden.«
»Das ist bloß eine Vermutung«, warf John Ormack ein.
»Quatsch, das machen die immer so«, widersprach der Sergeant.
»Wir müssen es trotzdem versuchen«, stellte McLanahan nachdrücklich fest. »Wir dürfen Luger nicht im Stich lassen.«
»So funktioniert die Sache nicht, McLanahan«, sagte Marx. »Solche Unternehmen klappen nur, wenn sie bis ins letzte Detail geplant sind. Ungenügende Planung führt zu Verlusten.«
»Dieser Mann stirbt, wenn wir nicht weitermachen«, protestierte McLanahan. »Lassen Sie das Feindfeuer in der Umgebung der Sicherheitszentrale von der AC-130 unterdrücken. Fordern Sie unseren Jagdschutz an. Die AV-8 können in einer Viertelstunde über der Stadt sein!«
»Die Jagdbomber darf ich nicht anfordern«, erklärte Marx ihm. Die Senkrechtstarter AV-88 Harrier II waren auf der USS Wasp in der Ostsee stationiert. »Die Harrier stehen startbereit – aber nur zur Unterstützung des Einsatzes in der Botschaft. Dies ist ein fast inoffizielles Unternehmen, McLanahan, für das wir nicht einfach Jagdbomber anfordern können.«
»Dann verzichten wir eben darauf, Unterlagen über den Bomber Fi-170 zu klauen. Für die Erstürmung des Gebäudes und die Identifizierung Lugers sind sieben Minuten angesetzt. Sieben Minuten, um das Leben eines Amerikaners zu retten. Wir können Luger rausholen und mit ihm verschwinden, bevor die anderen überhaupt wissen, was passiert ist.«
»Schnauze, McLanahan!« befahl Trimble ihm. »Davon verstehen Sie nichts.«
»Lassen Sie Oberst McLanahan ausreden, Trimble«, verlangte Hal Briggs, der aufgestanden war und nun vor dem Sergeanten
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