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Nette Nachbarn

Nette Nachbarn

Titel: Nette Nachbarn Kostenlos Bücher Online Lesen
Autoren: Marcia Muller
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lange hat das gedauert?« Ich
seufzte.
    »Nicht lange. Ist ein kluger Kerl. War.
Konnte alles schnell in Ordnung bringen.«
    »Hat es fünfzehn Minuten gedauert? Eine
halbe Stunde?«
    »Halbe Stunde maximal.«
    »Und was dann?«
    Arnie drückte den Joint aus und legte
ihn sorgfältig auf die Tischkante, dann stand er auf und ging zum Projektor. Er
berührte mit dem Zeigefinger das obere Rad und wirbelte es herum. Der Film
rollte ab.
    »Arnie, was war dann?«
    »Er ist gegangen.«
    »Weißt du, wohin er gehen wollte?«
    »Heim?« Er drehte das Rad schneller,
und der Film spulte auf den Tisch. »Vielleicht nicht heim. Ich weiß nicht. Ich
ging mit ihm nach draußen. Brauchte frische Luft.«
    Kein Wunder, dachte ich. »Und?«
    »Und was?« Er packte eine der
Filmspulen und zog daran.
    »Was geschah, als du mit ihm nach
draußen gegangen bist?«
    . »Ach so, ja. Er ging auf seinen Wagen
zu. Der stand da, wo er ihn immer parkt.«
    »Und dann?«
    »Harry hat ihn angehalten.« Arnie ging
vom Projektor zurück, zog die Spule mit.
    »Der Prediger?«
    »Ja, der.«
    »Was ist dann passiert?«
    »Sie haben geredet.«
    »Worüber?«
    »Ich weiß nicht. Bin wieder rein.« Der
Film riß, und Arnie fing an, ihn rückwärts wieder aufzurollen.
    »Ist das alles?« fragte ich.
    »Ja. Als ich Otis das letztemal gesehen
habe, hat er mit Bruder Harry geredet.«
    Als ich Arnie das letztemal sah,
während ich aus der Kammer hastete, verteilte er Filmrollen wie ein Kind
Kreppapier auf seiner Geburtstagsparty.
    Die Kassiererin war nicht in der Halle,
als ich zurückkam. Auch Bruder Harry und sein Publikum waren vom Bürgersteig
verschwunden — wahrscheinlich hatte der Streifenbeamte ihre Versammlung
aufgelöst. Ich ging zu Knox’ Büro hinüber und fand dort die Frau, die neben dem
Schreibtisch stand und das Telefon anstarrte.
    »Ich sollte den Anwalt anrufen«, sagte
sie.
    Ich nickte, betrachtete noch einmal
seine Sammlung von Erinnerungsstücken: die Bierdosen und
Schaufensterpuppenglieder, die gestohlenen Straßenschilder, das Fischernetz mit
seinen Muscheln, die Bojen und die Krücke. Als er sie erwarb, hatte Knox
wahrscheinlich niemals die Möglichkeit in Erwägung gezogen, daß sie ihn
überleben könnten. Die meisten von uns tun das nicht, wenn wir hier und dort etwas
kaufen. Für Knox hatten diese Dinge eine Bedeutung; jetzt waren sie nur noch
Krempel für den Müllmann.
    Die Kassiererin starrte noch immer auf
das Telefon. Ich spürte ihr Zögern, ihrem Zustand des Nichtstuns ein
offizielles Ende zu bereiten. Nach ein paar Sekunden fragte ich: »Wie gut
kannte Mr. Knox Bruder Harry?«
    Sie drehte sich zu mir um, scheinbar
froh, über einen Grund, den Anruf noch etwas hinausschieben zu können. »Harry?
Überhaupt nicht gut. Man konnte nicht gerade sagen, daß sie viel gemeinsam gehabt
hätten.«
    »Haben Sie sie jemals miteinander
sprechen sehen?«
    »Beleidigungen austauschen vielleicht,
aber nicht reden.«
    »Hat die Polizei ihn gerade
fortgejagt?«
    »Ja. Nicht einmal die Bullen können
dieses Gerede über einen Toten verdauen. Ehrlich gesagt, die Bullen hier in der
Gegend mochten Otis. Nicht sein Geschäft, aber ihn persönlich schon.«
    »Er konnte sehr charmant sein«, gestand
ich wahrheitsgemäß. »Sagen Sie«, fügte ich dann hinzu, »wäre es wohl möglich,
daß ich ein paar Ortsgespräche führe?«
    »Klar, betrachten Sie sich als mein
Gast. Führen Sie ruhig auch Ferngespräche, wenn Sie wollen. Jetzt ist ohnehin
niemand mehr da, der sich darum kümmert.« Sie ging an mir vorbei zur Tür.
    Ich setzte mich auf Knox’ Stuhl, zog
das Telefon zu mir heran und wählte die Nummer des Morddezernats. Als Greg sich
schließlich meldete, erzählte ich ihm von dem Anruf des Filmvorführers und was
er darüber gesagt hatte, daß er Knox zuletzt mit Bruder Harry gesehen hatte.
Außerdem berichtete ich von Roy LaFonds Besuch im Globe Hotel. Er erkundigte
sich nach den Einzelheiten, und dann fragte ich: »Hast du schon das Ergebnis
von Knox’ Autopsie vorliegen?«
    »Nein.«
    »Dann hast du dir also auch noch keine
Meinung gebildet, ob es sich um einen Unfall oder Mord handelt?«
    »Noch nicht.»
    »Hattest du Gelegenheit, dir zu
überlegen, ob ich weiter daran arbeiten kann oder nicht?«
    Eine Pause entstand.
    »Greg, ich glaube, ich kann euch
helfen. Ich kenne die Leute hier; sie haben Vertrauen zu mir. Außerdem gibt es
eine neue Entwicklung.«
    »Welche?«
    »Duc Vang — der junge Mann, von dem ich
dir erzählt habe, der so

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