Nexus - Band 1
anhand des kribbelnden Gefühls dumpf pulsierender, sensorischer Irritationen aus der Region seines unteren Torsos, dass es nicht lange gewesen sein musste... aber das binnen dieser kurzen Periode umso mehr mit ihm geschehen sein musste. Erst nach und nach war es Toms mit fliegender Geschwindigkeit feuernden Synapsen möglich, die schiere Menge ihrer durcheinander stürzenden Überlegungen in das gewohnte Gleichgewicht zu bringen. Die Prozedur… sie war erfolgreich gewesen. Das breite, geschlossene und von einer optisch undurchdringlichen, ballistischen Schutzschicht bedeckte Visier eines Vollhelmes bedeckte sein Gesicht - und obwohl kein zaghafter Versuch mehr als nur die Augen in irgend einer Form zu bewegen einen Erfolg bewirkte, herrschte das angenehm geborgene Gefühl über Tom, dass ihn die versiegelte Panzerung einer Servorüstung mittlerweile vollständig umschloss. Er atmete wohltemperierte, zirkulierende Luft, die mit jedem Zug zusätzlich frische Lebensenergie in jede pulsierende Zelle seines Körpers pumpte. Ein weiteres Mal versuchte er, Arme und Beine anzuheben, doch scheiterten Toms Muskeln noch im Ansatz an einer unnachgiebig harten Sperre.
Tom schüttelte den Anflug verwirrter Nervosität von sich ab und begann, einige der holographischen Statusmeldungen auf der gewölbten, von beruhigend meeresblauem Licht beschienenen Innenscheibe seines Visiers genauer zu betrachten, angestrengt forschend nach einem Weg suchend, um wenigstens die Außenkameras des Anzuges aktivieren zu können. Die Anzeigen identifizierten das Modell als K31 - eine Ausführung der neuesten Generation, weit entfernt von den Kinderkrankheiten und Eigenarten früherer Prototypen. Aber irgend etwas stimmte nicht. Normalerweise hätte die neuronale Verbindung zwischen den Hauptnervensträngen in seinem Genick und den Kontrollsystemen der Rüstung längst synchronisiert sein müssen. Jeder Bewegungsimpuls der Toms Nervenbahnen passierte, würde somit im Idealfall vollkommen verzögerungsfrei an die Aktivatoren des Exoskeletts weitergeleitet werden.
Alle Parameter zeigten Status Grün. Tom hatte Mühe, sich zwischen den dicht gestaffelt projizierten Segmenten des völlig ungewohnten Interfaces zurechtzufinden, doch konnte er außer einer leichten Disharmonie in den neuralen Übertragungsmustern keine Anomalien… nein, Moment. Da war etwas. Wie alle Modelle die ihm bekannt waren, besaß auch dieses eine externe Kontrolloption an den Armmanschetten, um falls nötig manuelle Einstellungen außerhalb der üblichen, virtuellen Schnittstelle vorzunehmen. Toms rotgeäderte Pupillen fixierten die in reger Reihenfolge aufblinkenden Tasten des virtuell projizierten Panel-Abbildes, verbissen unberührt von der aufgeregt piependen Warnmeldung herunterfahrender Lebenserhaltung, die das Rauschen kräftig durch enge Kapillaren gepumpten Blutes in seinem Gehör schrill übertönte.
Jemand griff von außen auf die Systeme der Rüstung zu. Tom unterdrückte die Fragen nach dem Wer oder Warum, so sehr sie auch in ihm brannten und zwang sich eisern zur Ruhe. Der Tod hatte ihm eine weitere Prüfung gestellt. Nichts anderes. Und er war nicht so weit gekommen um sich jetzt geschlagen zu geben.
Aber das bedeutete dass er handeln musste. Blitzende Bilderfetzen aus längst vergessen geglaubten Erinnerungen schossen durch Toms Geist, der sie fiebernd immer wieder auf selbst den geringsten Hinweis hin durchforschte. Die externen Manipulationen seines baldigen Mörders hatten den stählernen Sarkophag um ihn herum verriegelt, fesselten ihn hilflos an Ort und Stelle. Hilflos… nein, nicht ganz. Es gab keine andere Möglichkeit als dass die nanofeinen Datenfühler der Neuroschnittstelle bereits fest mit Toms Nervensträngen verschmolzen waren. Sein Wille… wenn er es nur schaffte ihn in die richtige Bahn zu lenken, war Eins mit der zweiten Haut die ihn umgab, egal wie ungewohnt diese Symbiose auch für ihn sein mochte. Ja… die erste Lektion. Tom tauchte stetig weiter in die wachsende Bilderflut seines Gedächtnisses. Bewege sie beide als das eine Ganze, zu dem sie geworden sind. Fühle die Masse des Panzers, deren Gewicht auf den dicken Strängen deiner Myomere ruht… koste von ihrer Leichtigkeit und Kraft - und öffne deine neuen Augen.
Die Fesseln zersprangen. Ein sachtes Beben durchfuhr Toms zweite Haut, und die äußere Schutzplatte seines Visiers klappte auseinander, zog sich binnen eines Sekundenbruchteils in ihre Versenkungen zurück. Tom blinzelte,
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