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Nexus - Band 1

Nexus - Band 1

Titel: Nexus - Band 1 Kostenlos Bücher Online Lesen
Autoren: Hans Enzberger
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selbst im gefilterten Licht der Außenwelt, das durch transparentes Panzerglas an seine entwöhnten Rezeptoren drang. Eine Wand aus nur blendender Helligkeit - und ein huschender Schatten der sich aufgeschreckt in ihrem Schutz bewegte - nein, näher stürzte! Tom reagierte ohne zu denken, riss die wuchtigen Arme seines Anzuges in die Höhe und trieb sämtliche Aktivatoren gleichzeitig ruckartig nach vorne. Massive Beinsäulen magnetisierten ihr kantiges Profil auf dem glatten Untergrund und katapultierten die gewichtslose, bullige Masse der Servorüstung mit der Wucht eines zentnerschweren Geschosses über einen Meter hinweg auf ihren unbekannten Gegner zu. Tom fühlte den Aufprall von etwas Weichem als kaum spürbar sensorische Resonanz der neuralen Verbindung, wartete nicht auf die wiedergewonnene Bildkohärenz verwirrter biologischer Optik sondern stabilisierte seinen Stand und packte mit beiden Pranken zu.

Noch während er den erstaunlich kraftvollen, mechanischen Widerstand des in seinem Griff Gefangenen gewaltsam stabilisierte, verblassten die letzten Schlieren seiner überreizten Sehnerven - gaben das Bild frei auf die schnell Kontrast gewinnende Torsosilhouette eines uniformierten Kameraden. Nein … Tom bremste den schmerzlichen Schock schuldbeladener Überraschung… nein, nur der dunklen Kreatur, zu der er geworden war. Eine geschwungene Halbmaske bedeckte die Atemorgane des Syndikatsagenten, dessen abgrundschwarze Augenkapseln mit der Energie rasender Wut zu glimmen schienen. Der Virus hatte das was von seiner ledrig spannenden Haut sichtbar war, aschfahl verfärbt - wie zum Zeichen des Triumphes über den toten Rest der Seele, die noch in diesem verkommenen Körper steckte. Tom realisierte, dass er in das Antlitz eines Verräters blickte - so wie schon einmal an diesem Tag. Katarina… Toms Gedanken kreisten um die gespeicherten Echos vieler erlebter Momente mit einer einstigen Freundin und Weggefährtin. Wie viele waren noch demselben Wahnsinn verfallen, vor dem ich dich nicht befreien konnte.

Anders als jetzt… hatte er ihn nicht einmal gesehen. Und nun… die verpesteten Blüten hatten ihre zerstörerischen Früchte lange ausgetragen. Das Geschehene existierte irreversibel. Aber zumindest konnte Tom sicherstellen, dass es kein zweites Mal geschah… und dass der durstige Geist der Rache seinen Blutzoll erhielt. Gerechter, glühender Zorn verstärkte Toms Griff ohne sein Zutun, ließ Arm- und Schulterknochen seines Opfers wie Streichhölzer zerbrechen. Die Verräter waren noch an Bord. Gut…

Bald würden sie sich alle winden wie dieser hier. Ein schneller Tod… Tom drückte stärker zu, presste das zierlich wirkende, menschliche Gerüst in seinen mächtigen Stahlklauen unerbittlich weiter zusammen - bis auch die letzten, widerspenstigen Zuckungen des infizierten Dunklen gemeinsam mit ihm selbst erstarben. Sie konnten sich dieser Gnade glücklich schätzen.

Tom verließ die Waffenkammer ohne weiteren Gedanken. Die Reste ihrer teilweise ausgefallenen Beleuchtung flackerten stark und strahlten nur noch zu einem Bruchteil ihrer früheren Intensität, beleuchteten kaum den zerschmetterten Leib des Verräters, der achtlos entlassen hinter ihm in der Schwerelosigkeit hing.
Zweifelsohne versagten bald auch die letzten Notstromzellen dieser Sektion… und womöglich des gesamten Schiffes. Es gab keine Möglichkeit mehr, die Aries zu retten. Sollte er also gemeinsam mit den Folgen seines teuflischen Werkes untergehen. Ein passendes Schicksal.

Tom kümmerte sich nicht weiter darum. Noch wirkte die Struktur größtenteils intakt - und das war alles was zählte. Die Genialität terranischer Ingenieurskunst hatte ihm geholfen, den Tod von der Schwelle zu stoßen. Er hatte nicht vor diese Gnadenfrist ungenutzt verstreichen zu lassen. Die Energie des Anzuges, der keine Müdigkeit kannte, ließ ihn schnell vorwärts kommen. Scheinwerfer und Restlichtverstärker erleuchteten seinen Pfad, den er sich mit nahezu lautlosen, fest magnetisiert stapfenden Schritten durch den schwerelosen Rest ehemals lebensfreundlicher Atmosphäre bahnte. Der Kommandohangar musste nah sein - der einzige plausible Rückzugsort, an dem sich die restlichen Verräter jetzt noch verstecken konnten. Tom genoss in stillen Zügen die bittersüße Ironie der Vorstellung, dass es nichts anderes als die direkten Konsequenzen ihrer eigenen Verwüstungen waren, die den Saboteuren letztendlich einen Platz in der Totenriege ihrer Opfer gewiss werden

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