Nexus - Band 1
sein würde… welche Gelegenheiten dieser Ort ihm schließlich bot - alles war besser als die unsichtbaren Ketten des Militärs weiter zu tragen… wie eine gehorsame, programmierte Drohne zu tun als wäre nichts davon jemals passiert.
Tom schüttelte den Kopf, als sich eine Reihe weiterer ungeliebter Empfindungen mit der wachsenden Trübsinnigkeit, die mit seinen Erinnerungen einherging, zu vermischen drohte, und zwang seine Gedanken endgültig zurück in die unmittelbare Gegenwart.
Er hatte sich in der Zwischenzeit schon weit genug vom Kontrollposten entfernt um kaum mehr als ein Echo der hinter ihm liegenden Vorgänge zu vernehmen, jedoch konnte er noch immer nichts weiter sehen als den sich schier endlos in wechselnd sanft und scharf gebogenen Winkeln schlängelnden Schlauch des Verbindungstunnels, durch den er schritt. Selbst im Vergleich zu Aries musste die Station über die Jahre hinweg auf eine enorme Größe gewachsen sein...
Toms Blick fiel auf ein unscheinbares Flachdisplay-Terminal, welches ein wenig zu sehr in der schmucklosen, aber gleichzeitig edelmetallisch blitzblank glänzenden Wandverkleidung zu versinken schien, an der es angebracht war. Der letzte Benutzer des Systems hatte offenbar nicht unähnliche Gedanken gehegt, denn das Display zeigte bereits einen exakt auf seine Position zentrierten Ausschnitt des Stationsplanes, versehen mit einer ganzen Reihe hilfreicher Querverweise und Ortsmarkierungen. Und tatsächlich wurde die Marschdauer bis zu einem zentralen Knotenpunkt, der eine ganze Reihe, grob nebeneinander verlaufender, sich asymmetrisch ein ganzes Stück in die Eingeweide der Station schlängelnder Schleusentunnel mit der Haupt- und Empfangshalle verband, mit weiteren geschätzten fünf Minuten angegeben. Dazwischen, darüber und mittendrin befand sich ein ganzes Sammelsurium aus Lagerhallen, Materialtransportröhren, Wartungstunnels und eine ganze Masse anderer, nicht gekennzeichneter Bereiche, deren chaotisch-unstrukturierte, asymmetrische Anordnung und Konzeption oftmals wie der Stahl gewordene Fiebertraum eines Wahnsinnigen anmutete.
Zog man jedoch die Historie der Station in die Betrachtung mit ein, ergab sich durchaus eine Spur wenn auch unkonventioneller Methodik - denn schließlich war Freihafen IV eine der kleinen handvoll ziviler Einrichtungen, die sich glücklich schätzen konnte, den großen Krieg nicht nur heil überstanden, sondern während dieser dunklen Periode sogar noch an Substanz gewonnen zu haben. Aber wie so oft hatte auch diese glückliche Fügung des Schicksals einen Preis, dessen Nachwirkungen die weitere Expansion der Station zweifelsohne noch heute beeinträchtigten. Denn bekannterweise existierten viele der in eher pragmatisch orientierter Grenzweltlermanier an den Stationskern angeschweißten Module sowohl in Konzeption wie auch in der Qualität ihrer Konstruktion weit von jeglichen modernen imperialen Standards entfernt - mussten allerdings im gleichen Zuge mittlerweile unabänderlich in den herrschenden Kreislauf integriert worden sein. Das Resultat war eine schöne Fassade aus nagelneuer imperialer Technologie - durch moderne Nanokonstruktoren an Ort und Stelle aus einem einzigen Guss geschmiedet, selbsterhaltend, ergonomisch, effizient. Darunter jedoch ächzte und stöhnte das Chaos einer uralten, schwitzenden Maschinerie aus hunderten in sich verschlungenen Einzelmodulen - ein Alptraum für jeden Konstrukteur und Techniker, dessen Aufgabe es war, diesen unverzichtbaren, in sich verschlungenen Moloch am Leben zu erhalten.
Es musste Freihafen IV ein Vermögen kosten, um diese ungeliebte Altlast aus einer unrühmlichen Periode terranischer Geschichte Stück für Stück aus seinen Eingeweiden herauszuschneiden - Ressourcen, die in den Speichern der Administration momentan zweifelsohne fehlten. Allein ihr Versuch, noch im letzten Moment so viele Söldner anzuheuern wie es möglich war, sprach Bände über die momentanen defensiven Kapazitäten dieses Stützpunktes im Falle eines bewaffneten Konflikts. Und genau dieser konnte dem gesamten Sektor schon sehr schnell bevorstehen - wenn er nicht schon längst begonnen hatte. Tom murmelte einen kopfschüttelnden Fluch, als er seinen Weg mit beschleunigtem Tempo fortsetzte. Was glaubte er eigentlich, würde ihm hier als einzelner Mann gelingen?
Bevor Tom versuchen konnte, sich diese Frage selbst zu beantworten, hallte die mit einem Mal nunmehr zunehmend überdeutliche Geräuschkulisse des geschäftigen
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