Nexus - Band 1
durchaus gerne gesehen - und eigentlich war es nicht verwunderlich warum das so war. Tom hatte in seiner Vergangenheit mit so manchem Trupp preisgünstig angeheuerter Freibeuterpiloten zu tun gehabt - und neben ihrer Tendenz zu einem ganz besonders ausgefallenem Arsenal farbenfroher Beleidigungen und Flüche, hatten sie vor allem eine Eigenschaft durchgehend geteilt: Ihre, an professionellen Standards gemessen, zu den Sternen schreiende Unfähigkeit. Oder wie ein Geschwaderkamerad es einst recht treffend formulierte: "Viele dieser Kerle könnten nicht mal geradeaus fliegen wenn man ihre Steuerknüppel in Mittelstellung festschweißen würde." Von jeglicher Kompetenz an der Waffe gar nicht erst zu sprechen.
Insofern machte er sich keine allzu großen Illusionen darüber, was die "Beta Eins" - Klassifizierung anging, die auf der formschönen Lizenzkarte in seiner Brusttasche so prahlerisch silbern umrahmt zu finden war. Aber zumindest garantierte sie einen gewerkschaftlich festgesetzten Mindestsold für einen Kombattanten seines Fähigkeitsranges. Mehr hatte Tom auch nicht vor zu verlangen. Viel wichtiger, ermöglichte ihm sein neuer Status den Zugriff auf das strategische Netzwerk der I.S.A. - der interstellaren Söldneragentur, und somit auf das größtmögliche Spektrum detaillierter militärischer Aufklärung das abseits militärischer Quellen verfügbar war. Selbst die kleinste dort versteckte Anomalie konnte entscheidend sein. Alles was er unternehmen konnte um die Integrität dieses Systems zu stärken war von oberster Priorität.
Tom schob den Uniformärmel seines rechten Handgelenks zur Seite, und warf einen Blick auf den dort sitzenden Armband-Chronometer. Mehr als zwei Stunden waren seit seiner erfolgreichen Registratur vergangen. Sein persönlicher Code für den Netzzugriff mittlerweile aktiviert worden sein.
Noch während Tom in die Seitentasche seiner Uniformjacke griff, fiel ihm auf wie ungewohnt still es aus Richtung der Übertragungsmonitore geworden war, welche bei näherem Hinsehen tatsächlich mittlerweile rein von durchgehend körniger Statik durchzogen war, wo noch kurz zuvor die lebendige Übertragung des Asteroidenrennens stattgefunden hatte. Aber außer einer kleinen Ansammlung von bisher einsilbig und kaum vernehmbar in der Nähe des Eingangs geduckt über einer Art Kartenspiel brütender Männer in einfachen, sehr an die Uniformen technischen Personals erinnernder Overalls, die sich in ihrem Unmut über diesen Ausfall zusehends gegenseitig anheizten, schien jedoch keiner der wenigen, übrigen Gäste mehr als nebenbei von seiner veränderten Umgebung Notiz zu nehmen.
Tom brauchte nicht lange, um das markante Profil des Anführers der fünfköpfigen Gruppe auszumachen - eines grauhaarigen, sogar auf diese Entfernung beinahe hünenhaft wirkenden Veteranen, fortgeschrittenen Alters. Zweifelsohne ein Typus Eisen der alten Schmiede, wie es heutzutage nur noch selten anzutreffen war. Wahrscheinlich hatte er sogar im großen Krieg an irgend einer der zahllosen Rückzugsfronten der TKB gekämpft - Seite an Seite in den Reihen ihrer hunderttausenden Gefallenen. Wenn dem so war, zählte allein die Errungenschaft seines Überlebens schon als Heldentat, und der Respekt seiner Kameraden war wohl verdient.
Glücklicherweise schien er jedoch ebenso wenig vom geprobten Aufstand seiner Kumpane zu halten, wie der kahlköpfige Barmann, dessen entsprechende Gesten unmissverständlich in Richtung der Unruhestifter gerichtet waren - und schon ein einzelner, ungehalten geknurrter Befehl reichte aus, um jeglichen Aufruhr von einer auf die nächste Sekunde übergangslos zum Schweigen zu bringen.
Wahrscheinlich gehörten sie zu den Söldnertrupps, die angeheuert worden waren um die lokalen Sicherheitskräfte der Station zu verstärken. Toms Zeige- und Mittelfinger spielten nachdenklich mit den flachwinkligen Kanten seines Glases, tippten zum Takt der neu eingesetzten, instrumentell-harmonischen Rhythmen einer leisen Loungemelodie, die mittlerweile damit begonnen hatte, aus den Lautsprechergruppen der schwarz gewordenen Monitorriesen zu klingen. Zumindest erinnerte er sich, während seines Weges durch die Registraturhalle mehrere
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