Ohne Skrupel
nach Hause und will seinen
kleinen Sohn begrüßen.
Bei der Gelegenheit sieht er die
stark geschwollene Wange mit den Fingerabdrücken und erkundigt sich, was
passiert sei. ‚Papa, ich bin ab sofort nicht mehr der Selim aus Ankara, sondern
nur noch der Seppi aus Rosenheim.‘ Patsch knallt ihm sein Vater wieder eine
Ohrfeige und beschimpft ihn ob dieses Frevels und der Aberkennung seiner
türkischen Identität.
Am nächsten Morgen geht Selim in die
Schule. Sein Gesicht ist stark geschwollen. Die Lehrerin bemerkt dies und fragt
mitleidend: ‚Seppi, was ist denn mit Dir passiert? Dein Gesicht ist ganz
geschwollen!‘ Darauf Selim: ‚Ach machen Sie sich keine Gedanken, Frau Lehrerin.
Ich bin nur zu Hause mit einer Bande schäbiger Ausländer aneinandergerasselt.‘“
Das Gebrüll des ganzen
Office wurde von den Wänden reflektiert.
„Oder der: Treffen
sich zwei Pfarrer. Sagt der eine: ‚Stell Dir vor, in meiner Gemeinde ist ein
Dieb! Der hat tatsächlich mir, dem Dorfpfarrer, das Fahrrad geklaut!‘ ‚Nein!‘,
sagt der andere. ‚Das ist ja unerhört! Aber pass auf, mein Freund. Ich weiß,
wie Du Dein Fahrrad wieder bekommen und den Dieb entlarven kannst!‘ ‚Mensch,
lass hören!‘, sagt der andere. ‚Pass auf! Wenn Du am nächsten Sonntag die
Predigt liest, dann predige die zehn Gebote Gottes von Deiner Kanzel! Und an
der Stelle, wo Du sagst ‚und Du sollst nicht stehlen‘, machst du eine lange
Pause und musterst die Gemeinde mit strengem Blick. Der, der rot anläuft und zu
Boden sieht, der hat dein Fahrrad geklaut!‘ ‚Danke mein Freund, das ist ein
guter Tipp. Ich werde es am Sonntag versuchen!‘
Die Woche drauf
treffen sich die beiden Pfarrer wieder. Sofort platzte der eine heraus: ‚Mein
Freund, ich bin Dir zu großem Dank verpflichtet! Du hast mir einen guten Tipp
gegeben und ich habe mein Fahrrad wieder!‘ ‚Sag bloß? Das freut mich sehr! Nun
erzähl im Detail, wie ist es dazu gekommen!‘
‚Also: Ich stehe auf
der Kanzel und predige die Zehn Gebote.
Und an der Stelle, wo
ich sage ... und Du sollst nicht begehren Deines Nächsten Weib ... ist mir
schlagartig eingefallen, bei wem ich mein Fahrrad vergessen habe.....‘“
Wieder lautes Gelächter –
obwohl Franz soeben zur Tür hereinkam. Er bemerkte aber nur gutmütig: „Basti,
du bist so gemein, immer erzählst du deine guten Witze, wenn ich nicht dabei bin,
ich will auch mitlachen.“ „Ja, ja Chef, aber jetzt müssen wir wieder
weiterarbeiten.“ Und vorbei war‘s mit dem Kirtag der Mäuse ...
Franz Korber war sehr
guter Stimmung! Er hatte es getan! Endlich! Er kam gerade von dem Termin mit
dem Headhunter. Er bekam den neuen Job in Leipzig und hatte sofort zugesagt.
Der Arbeitsvertrag würde ihm in den nächsten Tagen per Post zugestellt werden.
Er war heilfroh, die Sache Malinger schon in ein paar Wochen endgültig
abschließen zu können. Er war raus aus der Sache! Er würde wieder frei sein. Am
späteren Nachmittag, wenn alle anderen weg waren, wollte er den Termin bei
seinem Chef wahrnehmen und um vorzeitige Auflösung seines Arbeitsvertrages
bitten. Er könnte dann in aller Ruhe umziehen und sich in Leipzig ein neues Heim
für sich und seine Familie suchen und ein neues Leben aufbauen. Er würde ganz
sicher seinen Mund halten, was die Manipulationen der Bücher der vergangenen
Jahre anging, zumal er sich selbst damit ins Gefängnis gebracht hätte. Er
wollte einfach einen Schlussstrich ziehen und seiner eigenen Wege ziehen. Er
wollte nicht mehr erpresst und zu Dingen gezwungen werden, die er aus tiefstem
Herzen verabscheute und die ihn anwiderten. Er würde niemals wegen schnödem
Geld derartig illoyal sein, hinterhältig vorgehen und eine anständige Familie
Malinger und die anderen Gesellschafter so schamlos bestehlen.
Um 17:30 Uhr ging Franz
wegen seiner Kündigung zu „Doc“, und wartete auf seinen Termin. Um 18:00 Uhr
war er endlich dran.
„Herr Korber, Sie haben
um einen Termin gebeten? Was ist Ihr Anliegen?“ „Doc“ war eine eiskalte
Hundeschnauze, daran hatte sich nichts geändert. Keinerlei echtes Interesse am
Menschen, nur kalter, frostiger Intellekt ohne Herz. Korber überkam immer ein
inneres Frösteln, sobald er „Doc“ gegenüberstand. Diese Augen waren blitzblau
und eiskalt wie ein Gebirgssee. Aber dieses Mal würde er sich in keinster Weise
einschüchtern lassen. Er, Franz Korber, würde als Sieger und erhobenen Hauptes
diesen Raum verlassen! „Doc, ich möchte Ihnen hiermit mitteilen, dass
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