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Oliver Hell - Gottes Acker (German Edition)

Oliver Hell - Gottes Acker (German Edition)

Titel: Oliver Hell - Gottes Acker (German Edition) Kostenlos Bücher Online Lesen
Autoren: Michael Wagner
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der Gesellschaft, in der sie verkehrte, achteten sehr auf die Etikette. Schnell zog er ihr den Stuhl zurecht. Sie setzte sich mit Anmut. Das gut sitzende, graue Etui-Kleid stand ihr ganz hervorragend. Klauk hatte wenig Erfahrung mit Frauen aus den besseren Kreisen, zu denen sich Frau Laws sicher zählte.
    „ Danke sehr, Herr Klauk. Oh, was trinken Sie da? Ist das eine Schorle?“
    „ Ja, Apfelschorle. Darf ich Ihnen auch eine bestellen?“, fragte er und hob schon die Hand, um der Bedienung hinter der Theke ein Zeichen zu geben.
    „ Sie sind aber forsch. Ich hatte doch noch gar nicht zugestimmt“, sagte sie lächelnd. Klauk sah den Schalk in ihren Augen aufblitzen.
    „ Oh, ich hatte ihre Frage als Zustimmung gewertet. Möchten Sie etwas anderes trinken?“
    „ Nein, eine Apfelschorle wäre sehr erfrischend.“
    „ Frau Laws, ich möchte Sie nicht lange aufhalten. Daher komme ich direkt zum Thema. Ist ihnen an dem Abend im Maritim eine Person aufgefallen, die sich Ihnen vielleicht genähert hat oder die sie beobachtet hat?“
    Die Kellnerin kam mit der Schorle. Lydia Laws nahm einen Schluck aus dem Glas.
    „ Wir waren in unser Gespräch vertieft. Nein, mir ist niemand aufgefallen, der uns beobachtet haben könnte.“
    Klauk konnte das gut nachvollziehen. Diese Frau konnte sicher einen Mann voll und ganz in ihren Bann ziehen.
    „ Vielleicht, als die das Hotel verließen?“
    „ Nein. Oder doch. Aber der Kerl in dem Auto war einfach nur unverschämt. Der hat uns nicht beobachtet.“
    „ Welcher Kerl? Wo?“, fragte Klauk, der eine positive Entwicklung witterte.
    „ Auf dem Parkplatz. Jan fuhr vorwärts aus der Lücke heraus und übersah wohl dabei einen PKW, der sich von hinten näherte. Der Kerl hielt an und zeigte Jan den Vogel, dann brauste er davon.“
    „ Haben Sie den Fahrer erkennen können oder haben Sie die Auto-Marke erkannt?“
    Er fischte sein Smart-Phone vom Tisch, um sich Notizen zu machen.
    „ Den Fahrer konnte ich nicht erkennen. Der fuchtelte mit seiner Hand vor dem Gesicht herum. Und das Auto? So eine alte Karre. Grau war sie, denke ich. Ein alter Ford oder Opel, kann auch ein Toyota gewesen sein. Es war ja schon spät. Nein, genau weiß ich das nicht.“ Für eine Frau war die Benennung der Auto-Marken schon eine Sensation. Normalerweise konnten sie hauptsächlich die Farbe eines Autos wiedergeben. Das war bei den meisten Frauen auch das Wichtigste.
    Klauk schrieb. „Ist Ihnen dieser PKW vielleicht danach noch einmal aufgefallen?“
    „ Nein.“
    „ Aber Sie haben auch nicht darauf geachtet, weil Sie in keiner guten Stimmung waren, durch den Verlauf des Abends.“
    Sie überhörte seine dezente Anspielung auf ihre Avancen bei Jan Schnackenberg.
    „ Nein, meine Stimmung war nicht schlecht, aber auch nicht besonders gut. Jan war den ganzen Abend über schon sehr einsilbig. Ich weiß nicht, ob er etwas auf dem Herzen hatte, es aber nicht aussprechen wollte.“
    Klauk sah seine Chance gekommen. Er musste es nur gut verpacken. „Wie meinen Sie das, Frau Laws? Hatten Sie und Jan Schnackenberg ein Vertrauensverhältnis?“
    „ Wir haben uns gemocht. Ich ihn wohl mehr, als umgekehrt. Aber so geht es im Leben. Mal gewinnst du, mal verlierst du“, sagte sie seufzend.
    Klauk fand diesen Vergleich sehr anmaßend. Wäre Herr Laws Zeuge dieses Gespräches gewesen, dann hätte sie sich als wirkliche Verliererin bezeichnen können. Aber so? Sich als verheiratete Frau zu bedauern, weil man bei einem anderen Mann nicht landen konnte? War das so in den Kreisen, wo die Besserverdienenden verkehrten? Regierte dort das Hauen und Betrügen? Die Ehrlichkeit schien die Tugend der kleinen Leute zu sein. Klauk konzentrierte sich wieder auf die Unterhaltung. Schließlich musste er seine Falle gut vorbereiten.
    „ Wie lange kannten Sie sich denn?“
    Sie überlegte zwei Sekunden, bevor sie antwortete. „Ich kann es Ihnen gar nicht mehr genau sagen. Vielleicht zwei Monate? Es kann etwas länger sein. Wieso fragen Sie?“
    Sie lehnte sich mit beiden Ellenbogen auf den Tisch und schaute ihn an. Klauk hielt ihrem Blick stand.
    „ Ich versuche mir ein Bild von ihnen beiden zu machen, sofern ich das überhaupt kann. Immerhin kannte ich Herrn Schnackenberg ja gar nicht. Nur alle seine Freunde und Bekannte beschreiben ihn, als einen sehr umgänglichen und freundlichen Menschen.“
    „ Jan war ein lieber Mensch, fürsorglich und herzensgut.“
    „ Das können Sie schon nach so kurzer Zeit beurteilen?“
    „ Ja,

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