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Olympos

Titel: Olympos Kostenlos Bücher Online Lesen
Autoren: Dan Simmons
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Fleche t te-Gewehr über die Schulter geschlungen, aber sein Blick blieb auf Hannah gerichtet.
    Sie setzten sich wieder in Bewegung und stapften weiter über die Wiese. Das hohe, scharfe Gras kratzte an ihren Beinen, der r e parierte Karren quietschte noch lauter als sonst. Harman warf e i nen flüchtigen Blick auf Noman-Odysseus ’ bloße Beine über den hoch geschnürten Sandalen und fragte sich, weshalb seine Waden und Schienbeine kein Labyrinth von Kratzern waren.
    »Sieht so aus, als hätten wir heute nicht viel Erfolg gehabt«, meinte Petyr.
    Noman zuckte die Achseln. »Wir wissen jetzt, dass etwas Gr o ßes das Rotwild in der Nähe von Ardis holt«, sagte er. »Vor einem Monat hätte ich an einem solch langen Jagdtag noch zwei oder drei Rehe erlegt.«
    »Ein neues Raubtier?«, sagte Harman. Bei dem Gedanken biss er sich auf die Lippen.
    »Möglich«, sagte Noman. »Es könnte aber auch sein, dass die Voynixe das Wild töten und die Rinder forttreiben, um uns au s zuhungern.«
    »Sind die Voynixe so klug?«, fragte Hannah. Die Altmenschen hatten immer auf die organisch-mechanischen Wesen herabg e blickt und sie als Sklavenarbeiter betrachtet – stumm und taub, außer wenn sie Befehle bekamen, wie die Servitoren darauf pr o grammiert, für die Menschen zu sorgen, ihre Anweisungen zu befolgen und sie zu beschützen. Aber die Servitor en waren am Tag des Absturzes allesamt zu Boden gefallen, und die V o ynixe waren geflohen und zu einer tödlichen Gefahr gewo r den.
    Noman zuckte erneut die Achseln. »Obwohl die Voynixe aus e i gener Kraft funktionieren können, sind sie Befehlsempfänger. Das waren sie schon immer. Ich weiß allerdings nicht genau, von wem oder wovon sie ihre Befehle bekommen.«
    »Jedenfalls nicht von Prospero«, sagte Harman leise. »Nac h dem wir in der Stadt namens Jerusalem waren, in der es von Voynixen nur so wimmelte, sagte Savi, das Noosphären-Wesen namens Prospero habe Caliban und die Calibani zum Schutz vor den Vo y nixen geschaffen. Sie seien nicht von dieser Welt.«
    »Savi«, knurrte Noman. »Ich kann nicht glauben, dass die alte Frau tot ist.«
    »Ist sie aber«, sagte Harman. Er und Daeman hatten oben auf der Orbitalinsel gesehen, wie das Ungeheuer Caliban sie e r mordet und ihren Leichnam weggeschleift hatte. »Wie lange kanntest du sie eigentlich schon, Odysseus … Noman?«
    Der ältere Mann rieb sich den kurzen, grauen Bart. »Wie lange ich Savi kannte? Nur ein paar Echtzeit-Monate … aber verteilt über mehr als ein Jahrtausend. Manchmal haben wir zusammen geschlafen.«
    Hannah machte ein schockiertes Gesicht und blieb stehen.
    Noman lachte. »Sie in ihrer Kryo-Krippe, ich in meinem Zeitsarg auf der Golden Gate. Es war alles ganz tugendhaft und parallel. Zwei Babys in getrennten Bettchen. Wenn ich den Namen eines meiner Landsleute missbrauchen darf, dann wü r de ich sagen, es war eine platonische Beziehung.« Noman lachte herzlich, obwohl niemand einstimmte. Doch als er ausgelacht hatte, sagte er: »Glaub nicht alles, was dieses alte Weib dir e r zählt hat, Harman.«
    »Sie war die klügste Frau, der ich je begegnet bin«, erwiderte Harman. »Ich werde nie wieder jemanden wie sie kennen le r nen.«
    Noman bedachte ihn mit seinem unfreundlichen Lächeln. »Let z teres stimmt.«
    Sie stießen auf einen Bach, der in den größeren Fluss unten mündete, und überquerten ihn in einem waghalsigen Balanc e akt auf Steinen und umgestürzten Baumstämmen. Es war zu kalt, um sich die Füße und Kleider nass zu machen, wenn es nicht unb e dingt sein musste. Der Ochse trottete durch das eis i ge Wasser, und der leere Karren hüpfte hinter ihm her. Petyr überquerte den Bach als Erster und hielt mit dem Flechette-Gewehr im Anschlag Wache, während die anderen drei herüberkamen. Auf dem Rückweg folgten sie nicht denselben Ri n derspuren wie auf dem Hinweg, waren aber höchstens ein paar hundert Meter von ihnen entfernt. Sie wussten, dass sie vor A r dis Hall ’ Wärme, Nahrung und relativer Sicherheit noch eine sanft wogende, bewaldete H ü gelkette, dann eine lange, steinige Wiese und ein weiteres Stück Wiese überqu e ren mussten.
    Die Sonne war hinter der dunklen Wolkenbank im Südwesten untergegangen. Innerhalb von Minuten war es so dunkel, dass die Ringe das meiste Licht lieferten. Im Karren lagen zwei L a ternen, und Harman hatte Kerzen in seinem Rucksack, aber die würden sie nur brauchen, wenn die Wolken heraufzogen und die Ringe und Sterne verdeckten.
    »Ich möchte

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