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Olympos

Titel: Olympos Kostenlos Bücher Online Lesen
Autoren: Dan Simmons
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Vollautomatik geschaltete Flechette-Gewehr klang, als würde jemand ein Holzpaddel zwischen die Blätter eines sich schnell drehenden Ventilators stecken. Die letzten drei V o ynixe wurden zwei Meter zurückgeschleudert. Mehr als zeh n tausend Glas-Flechettes, die im schwindenden Licht der Ringe wie ein Glasmosaik glitzerten, durchlöcherten ihre Pa n zer.
    »Heilige Mutter Gottes«, keuchte Harman.
    Hinter Hannah, auf der anderen Seite des Karrens, erhob sich der von ihr verwundete Voynix.
    Harman schleuderte seinen Speer mit jedem Quäntchen und j e dem Erg Kraft, die noch in ihm steckten. Der Voynix taumelte z u rück, riss sich den Speer heraus und zerbrach den Schaft.
    Harman sprang in den Karren und schnappte sich einen weit e ren Speer vom Boden des Fahrzeugs. Hannah feuerte zwei Bolzen in den Voynix. Einer wurde abgelenkt und zischte in die Dunke l heit unter den Bäumen, aber der andere drang tief ein. Harman sprang von dem Karren und trieb dem letzten Voynix den letzten Speer in die Brust. Zuckend taumelte die Kreatur einen weiteren Schritt zurück.
    Harman riss die Lanze heraus und stieß sie mit der puren G e walt des Wahnsinns noch einmal hinein, drehte die mit Widerh a ken bewehrte Spitze, zog sie heraus und trieb sie erneut hinein.
    Der Voynix fiel rücklings um und stürzte scheppernd auf die Wurzeln einer uralten Ulme.
    Harman setzte sich rittlings auf ihn, ohne auf seine noch i m mer zuckenden Arme und Klingen zu achten, hob den mit einer mi l chig blauen Flüssigkeit besudelten Speer senkrecht in die Höhe, rammte ihn dem Voynix in den Leib, drehte ihn, riss ihn heraus, hob ihn hoch, stieß ihn noch tiefer in den Panzer des Wesens, riss ihn heraus, stieß ihn dort hinein, wo bei einem Menschen der U n terleib gewesen wäre, drehte die Widerhaken, um größtmöglichen Schaden an den Weichteilen im Inneren anzurichten, zog ihn he r aus – ein Teil des Panzers löste sich – und trieb ihn erneut so he f tig hinein, dass er spürte, wie die Speerspitze sich in Erdreich und Wurzelholz grub. Er zog den Speer heraus, hob ihn hoch, stieß ihn tief hinein, hob ihn hoch …
    »Harman«, sagte Petyr und legte dem Älteren eine Hand auf die Schulter. »Er ist tot. Er ist tot.«
    Harman schaute sich um. Er erkannte Petyr nicht und bekam nicht genug Luft in die Lungen. Er hörte ein lautes Geräusch und erkannte, dass es sein eigener mühsamer Atem war.
    Verdammt noch mal, es war viel zu dunkel. Die Wolken w a ren vor die Ringe gezogen, und es war, verdammt noch mal, viel zu dunkel hier unter den Bäumen. In den Schatten konnten fünfzig weitere sprungbereite Voynixe lauern.
    Hannah zündete die Laterne an.
    In dem plötzlich entstehenden Lichtkreis waren keine weit e ren Voynixe zu sehen. Die gefallenen hatten aufgehört zu zucken. Odysseus lag noch immer am Boden; einer der Voynixe war über ihn gestürzt. Weder der Voynix noch der Mensch b e wegte sich.
    »Odysseus!« Hannah sprang mit der Laterne von dem Karren und stieß den Leichnam des Voynix mit einem Tritt beiseite.
    Petyr lief um den Karren und ging neben dem reglos Daliege n den auf ein Knie. Harman hinkte, auf seinen Speer gestützt, so rasch hinüber, wie er konnte. Die tiefen Schrammen an se i nem Rücken und seinen Beinen begannen gerade erst zu schmerzen.
    »Oh«, sagte Hannah. Sie lag auf den Knien und hielt die L a terne über Odysseus. Ihre Hand zitterte. »Oh«, sagte sie erneut.
    Odysseus-Noman hatte seinen Brustharnisch verloren; die L e derriemen waren zerschnitten. Seine breite Brust war ein Gitte r werk tiefer Wunden. Ein einzelner Hieb hatte ihm ein Stück des linken Ohres und der Kopfhaut abgerissen.
    Aber es waren die Verletzungen am rechten Arm des alten Mannes, bei deren Anblick Harman der Atem stockte.
    In ihrem wilden Versuch, Odysseus zu zwingen, das Circe-Schwert fallen zu lassen – was er nicht getan hatte, es summte noch in seiner Hand –, hatten die Voynixe ihm den Arm ze r schnetzelt und dann fast aus dem Körper gerissen. Blut und ze r fetztes Gewebe leuchteten im grellen Laternenschein. Harman sah weißen Knochen glänzen. »Du lieber Gott«, flü s terte er. In den acht Monaten seit dem Absturz hatte niemand in A r dis Hall oder einer der anderen Überlebenden-Gemeinschaften, den Harman kannte, solche Verletzungen e r litten und überlebt.
    Hannah schlug mit der Faust auf die Erde, während sie mit der offenen anderen Hand auf Odysseus ’ blutige Brust drückte. »Ich fühle keinen Herzschlag«, sagte sie beinahe

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