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Olympos

Titel: Olympos Kostenlos Bücher Online Lesen
Autoren: Dan Simmons
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man lesen konnte – den verstre u ten Überlebenden beibrachten, wie man auch alten Büchern l e benswichtige Informationen entnahm. Ardis hatte zudem Tauschhandel mit Waffen getrieben und die He r stellungspläne für Armbrüste, Bolzen, Bogen, Pfeile, Lanzen, Pfeil- und Spee r spitzen, Messer und andere Waffen ve r schenkt. Glücklicherweise hatten die meisten Altmenschen die Turin-Tücher seit einem ha l ben Zwanziger zur Unterhaltung genutzt und waren darum ve r traut mit allem, was weniger kompliziert war als eine Armbrust. Schließlich hatte Harman Bewohner von Ardis zu all den etwas über dreihundert Knoten geschickt und jeden Überlebenden um Hilfe bei der Suche nach den legendären Roboterfabriken und Ausgabestellen gebeten. Er führte den Leuten immer wieder eine der wenigen Schus s waffen vor, die er von seinem zweiten Besuch im Museum auf der Golden Gate bei Machu Picchu mitgebracht hatte, und e r klärte ihnen, dass die menschlichen Gemeinschaften Tausende solcher Waffen bräuchten, wenn sie gegen die Voynixe best e hen wollten.
    Während Daeman nun durch den Regen und das herunterla u fende Wasser in die Dunkelheit hinausstarrte, wurde ihm klar, dass es schwierig gewesen wäre, alle Faxknoten dieser Stadt zu bewachen; noch vor acht Monaten war Paris-Krater eine der grö ß ten Städte auf dem Planeten gewesen, mit fünfundzwanzigta u send Einwohnern und einem Dutzend funktionierender Faxport a le. Wenn man den Freunden seiner Mutter Glauben schenken konnte, lebten hier nun keine dreitausend Männer und Frauen mehr. Die Voynixe streiften durch die Straßen und huschten und krabbelten über die alten Verbindungsbrücken und Wohntürme, wie es ihnen gefiel. Er hätte seine Mutter schon längst aus dieser Stadt herausholen sollen.
    Nur seine lebenslange – fast zwei Zwanziger währende – G e wohnheit, allen Neigungen und Launen seiner Mutter nachzug e ben, hatte Daeman dazu gebracht, sich ihrem hartnäckigen Wunsch, hier zu bleiben, zu fügen.
    Dennoch schien sie halbwegs in Sicherheit zu sein. Mehr als hundert Überlebende, größtenteils Männer, schützten den Hoc h hauskomplex am westlichen Rand des Kraters, in dem Marina, Daemans Mutter, ihre weitläufigen Domi-Wohnungen hatte. Dank der Regensammler, die sich von einem Dach zum anderen erstreckten – und es regnete meistens in Paris-Krater –, verfügten sie über Wasser. Ihre Nahrung stammte von den te r rassenförmig angelegten Gärten und dem Vieh, das sie von den alten, von den Voynixen bewirtschafteten Gehöften hergetri e ben und dann in Gehegen auf den Rasenflächen um den Krater herum unterg e bracht hatten. Mitte jeder Woche fand auf den nahe gelegenen Champs Ulysses ein Straßenmarkt statt; dort gaben sich die B e wohner sämtlicher Flüchtlingslager im westl i chen Paris-Krater ein Stelldichein, um Tauschhandel mit Na h rungsmitteln, Kleidung und anderen überlebenswichtigen Di n gen zu treiben. Sie ließen sich sogar Wein von den weit entfer n ten Weingüter-Gemeinschaften herfaxen. Und sie besaßen Waffen – darunter auch in Ardis Hall erstandene Armbrüste, ein paar Flechette-Gewehre und einen Energiestrahl-Projektor, den einer der Männer in einem nach dem Absturz entdeckten, aufgegebenen unterird i schen Museum zutage gefördert hatte. Erstaunlicherweise funkt i onierte die Energiestrahl-Waffe.
    Aber Daeman wusste, dass Marina in Wirklichkeit wegen e i nes alten Mistkerls namens Goman in Paris-Krater blieb, der seit fast einem ganzen Zwanziger ihr Hauptliebhaber war. D a eman hatte Goman noch nie leiden können.
     
    Paris-Krater hatte immer »Stadt des Lichts« geheißen – und so hatte Daeman sie als Heranwachsender auch erlebt, mit schw e benden Leuchtkugeln in jeder Straße und auf jedem Boulevard, von elektrischem Licht erhellten Hochhäusern, Tausenden von Laternen und dem über dreihundert Meter hohen, alles überr a genden, beleuchteten Gebilde, das die Stadt symbolisierte – doch nun waren die Leuchtkugeln abgestürzt und erloschen, das Stromnetz war ausgefallen, es brannten nur noch wenige Late r nen, die sich zudem meist hinter verschlossenen Fensterläden verbargen, und die Riesige Hure war zum ersten Mal seit zwe i tausend Jahren oder mehr dunkel und inaktiv. Daeman schaute im Laufen flüchtig zu ihr hinauf, aber ihr Kopf und ihre Brüste – für gewöhnlich mit einer strudelnden, fotoluminesze n ten roten Flüssigkeit gefüllt – waren vor oder vielleicht in den dunklen G e witterwolken nicht zu sehen, und die

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