Bücher online kostenlos Kostenlos Online Lesen

Olympos

Titel: Olympos Kostenlos Bücher Online Lesen
Autoren: Dan Simmons
Vom Netzwerk:
übers Geländer und sah ihm nach, während er zu dem roten Auge hinunterfiel, bis der winzige weiße Punkt ve r schwunden war.
    Er hob die Armbrust auf und wandte sich zum Gehen – z u rück durch den Speiseraum, den Wohnbereich, die Diele –, dann hielt er inne.
    Es war kein Geräusch gewesen. Der Regen rauschte so laut, dass er nicht einmal einen Allosaurier drei Meter hinter ihm gehört hätte. Er hatte etwas vergessen. Was?
    Daeman ging ins Speisezimmer zurück, wich dem anklage n den Blick der vielen Dutzend Schädel aus – Was hätte ich tun können?, fragte er wortlos. Mit uns sterben, antworteten sie stumm – und hob das Turin-Tuch auf.
    Er – es – hatte das Tuch aus einem bestimmten Grund hier gela s sen. Das Tuch und der Tisch waren die einzigen Dinge im Domi-Komplex, die nicht mit menschlichem Blut beschmiert und b e spritzt waren. Daeman stopfte es in die Seitentasche seines An o raks und verließ die Wohnung.
    Es war dunkel im Treppenhaus bis hinunter zur Esplanade, und noch dunkler in dem fensterlosen, fünfzehn Stockwerke tiefen Treppenschacht unter der Esplanade. Daeman hob nicht einmal seine Armbrust an die Schulter. Wenn es – er – hier auf ihn wart e te, so sei es. Dann würde sich zeigen, wessen Zähne, Fingernägel und Zorn stärker waren.
    Nichts wartete dort.
    Daeman war schon auf halbem Wege zum Invalidenhotel-Faxpavillon – er ging im strömenden Regen gleichmütig mitten auf dem Boulevard entlang –, als hinter ihm ein Knistern und Krachen ertönte.
    Er drehte sich um, ging auf ein Knie und hob die schwere Waffe an die Schulter. Dieses Geräusch stammte nicht von ihm. Es b e wegte sich lautlos auf seinen Schwimmfüßen mit den ve r hornten Ballen und gelben Klauen.
    Daemans Blick wanderte immer höher, und ihm fiel die Kinnl a de herunter. In Richtung des Kraters, irgendwo zwischen ihm und dem Domi-Turm seiner Mutter, war ein wirbelndes Gebilde e r schienen. Das Ding hatte einen Durchmesser von mehreren hu n dert Metern und rotierte mit rasender Geschwindigkeit. Blitze umzuckten die Kugel wie eine elektrische Dornenkrone, und aus ihrem Innern stachen scheinbar wahllos Lichtstrahlen hervor. Die nasse Luft war von dumpfen, grollenden Gerä u schen erfüllt, die das Trottoir erbeben ließen. In permanenter Veränderung begri f fene fraktale Muster überzogen die Kugel, bis sie zu einem Kreis wurde. Dann sank der Kreis herab und zerriss ein Gebäude, als er auf den Boden traf und ein Stück einsank.
    Sonnenlicht flutete aus dem Kreis, aber es war ein Sonne n licht, wie man es auf der Erde nicht kannte. Als ein Viertel des Kreises in den Boden gesunken war, hörte die Bewegung auf, und der Rest stand wie ein riesiges Portal in der Luft. Nur zwei Blocks en t fernt, füllte es den Osthimmel aus. Hinter Daeman kam ein stü r mischer Wind auf, der mit fast hurrikanartiger G e schwindigkeit heulend und brausend zu dem Loch strömte und ihn beinahe zu Boden warf.
    Durch den immer noch vibrierenden Dreiviertelkreis war eine taghelle Welt zu sehen – eine Welt mit einem träge plätscher n den blauen Meer, rotem Erdreich, Felsen und einem Berg – nein, e i nem Vulkan, der sich vor einem rötlich-blauen Himmel in u n glaubliche Höhen erhob. Etwas sehr Großes, Rosa-Graues und Nasses kam aus diesem trägen Meer hervor und schien auf ta u sendfüßlerschnellen Füßen, die für Daemans Augen wie ri e sige Hände aussahen, auf das offene Loch zuzuhasten. Dann füllte sich die Luft vor diesem Bild mit Schutt und Staub, als die tobenden Winde sich vermischten, absorbiert wurden und sich legten.
    Daeman blieb noch einen Moment lang stehen und spähte in den alles verbergenden Staub; er hob die Hand, um seine A u gen vor dem diffusen, aber dennoch blendenden Sonnenlicht zu b e schirmen, das durch das Loch hereinströmte. Die Gebäude von Paris-Krater westlich des Lochs, aber auch die eisenb e wehrten Schenkel und der leere Bauch der Riesigen Hure glitzerten im ka l ten, fremdartigen Sonnenlicht und verschwanden dann in der Staubwolke, die aus dem Loch hervorbrodelte. A n dere Teile der Stadt blieben unsichtbar und nass in Dunkelheit gehüllt.
    Aus Straßen im Norden und Süden drangen die scharrenden Laute der Voynixe – eilig, von vielen Klauen erzeugt.
    Zwei Voynixe schossen aus einem dunklen Eingang auf D a emans Boulevard hervor und gingen auf allen vieren auf ihn los. Ihre Tötungsklingen klapperten.
    Er visierte sie mit seiner Armbrust an, folgte ihnen einen M o ment, feuerte den ersten

Weitere Kostenlose Bücher