Olympos
Bolzen in die ledrige Haube des zwe i ten Voynix – er fiel – und jagte seinen zweiten Bolzen dann dem vo r deren Voynix in die Brust. Er stürzte zu Boden, zog sich jedoch immer näher heran.
Daeman holte bedachtsam zwei mit Widerhaken versehene E i senbolzen aus dem Beutel, den er sich über die Schulter geschlu n gen hatte, lud nach, legte an und schoss beide Bolzen aus einer Entfernung von drei Metern in das höckerartige Nerve n zentrum des Wesens. Es sackte zusammen und lag still.
Weitere scharrende Geräusche im Westen und Süden. Das rötl i che Tageslicht aus dem Loch riss die ganze Straße aus dem Du n keln, und Daeman stand schutzlos da. In der emporste i genden Staubwolke ertönte ein Gebrüll – Laute, wie Daeman sie noch nie gehört hatte, tiefer und bösartiger, unverständliche Knurrlaute, wie rückwärts gebrüllte Wörter einer schrecklichen Sprache.
Ohne jede Hast lud Daeman erneut nach, schaute sich ein letztes Mal zu dem roten Berg um, der durch das Loch im Himmel und in der Stadtlandschaft von Paris-Krater zu sehen war, und lief dann, ohne in Panik zu geraten, nach Westen, zum Invalidenhotel.
25
Noman lag im Sterben.
Harman schaute in regelmäßigen Abständen in das kleine Zi m mer im Erdgeschoss von Ardis Hall hinein, das in eine provisor i sche – und weitgehend nutzlose – Krankenstube umg e wandelt worden war. Es enthielt Bücher, aus denen sie Anat o mietafeln und Anweisungen für einfache Operationen wie die Heilung g e brochener Knochen und dergleichen sigln konnten, aber niemand außer Noman war imstande gewesen, schwerere Verletzungen zu behandeln. Zwei von denen, die auf dem ne u en Friedhof nahe der nordwestlichen Ecke der Palisade begr a ben lagen, waren nach mehreren qualvollen Tagen in dieser Krankenstube gestorben.
Ada war Harman nicht mehr von der Seite gewichen, seit er vor über einer Stunde durchs Nordtor hereingetaumelt war; sie b e rührte ihn immer wieder am Arm oder nahm seine Hand, als wollte sie sich vergewissern, dass er wirklich da war. Harmans Wunden waren auf der Liege neben Nomans jetziger Bettstatt versorgt worden – tiefe Kratzer, von denen einige wenige mit ein paar schmerzhaften Stichen genäht werden mussten, die jedoch alle eine noch schmerzhaftere Anwendung ihrer prim i tiven, selbst gemachten Antiseptika – darunter unverdünnter Alkohol – erfo r derten. Die schrecklichen Arm- und Kopfhau t verletzungen des bewusstlosen Noman hingegen waren zu ernst, als dass man sie nur mit diesen wenigen unangemess e nen Maßnahmen behandeln konnte. Sie hatten ihn gesäubert, so gut es ging, die Kopfhaut g e näht und ihre Antiseptika auf die offenen Wunden aufgetragen – Noman erwachte nicht einmal zu Bewusstsein, als der Alkohol darübergegossen wurde –, aber der Arm war zu übel zugerichtet; er war nur noch durch ein paar ausgefranste Bänder, Gewebefe t zen und zertrümmerte Knochen mit dem Oberkörper verbunden. Sie hatten gekla m mert und bandagiert, aber die Verbände waren schon wieder blutgetränkt.
»Er wird sterben, nicht wahr?«, fragte Hannah, die die Kranke n stube nicht einmal verlassen hatte, um ihre blutigen Kleider zu wechseln. Sie hatten die Schnittwunden an ihrer linken Schulter genäht und Antiseptika aufgetragen, ohne dass sie auch nur ei n mal den Blick von Noman abgewandt hätte.
»Ja, ich glaube schon«, sagte Petyr. »Er wird wohl nicht überl e ben.«
»Weshalb ist er immer noch bewusstlos?«, fragte die junge Frau.
»Ich glaube, das kommt von der Gehirnerschütterung, die er d a vongetragen hat«, sagte Harman, »nicht von den Schnit t wunden.« Harman hätte am liebsten die simple Tatsache verflucht, dass e i nem auch das Sigln von hundert Büchern über Neuroanatomie nicht beibrachte, wie man einen Schädel öffnete und den Druck aufs Gehirn linderte. Wenn sie es mit ihren g e genwärtigen groben Instrumenten und ihrem fast nicht vo r handenen Fachwissen als Chirurgen versuchten, würde Noman mit Sicherheit früher ste r ben, als wenn sie den Dingen ihren natürlichen Lauf ließen. Ste r ben würde Noman-Odysseus a l lerdings so oder so.
Ferman, der normalerweise für die Krankenstube zuständig war und mehr Bücher über das Thema gesiglt hatte als Harman, schaute von der Säge und dem Beil auf, die er gerade schärfte, falls sie beschlossen, Noman den Arm abzunehmen. »Wir müssen bald eine Entscheidung in Bezug auf den Arm treffen«, sagte er leise und wandte sich wieder seiner Arbeit mit dem Wetzstein
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