Olympos
Während Daeman und ein paar andere bei dem Baby Wache hielten, würden sie Materi a lien und Menschen zu einer etwas mehr als fünfzig Kilometer flussabwärts von Ardis gelegenen Insel evakuieren, die sie e r kundet hatten. Es war nicht die paradiesische Insel irgendwo auf der anderen Seite der Welt, zu der Daeman hatte faxen wo l len, sondern ein kleines, felsiges Eiland mitten im Fluss; die Strömungen waren dort sehr stark, und, was am wichtigsten war, das Gelände ließ sich gut ve r teidigen.
Sie vermuteten alle, dass die Voynixe irgendwie und irgendw o her herbeifaxten – obwohl die tägliche Überprüfung des A r dis-Faxknotens ergab, dass er noch immer nicht funktionierte. Das bedeutete, dass die Voynixe ihnen mühelos folgen und vielleicht sogar auf die Insel faxen konnten. Aber die achtundvierzig Übe r lebenden konnten sich eng zusammenscharen und ihr Lager in einer grasbewachsenen Senke auf der zentralen Erhebung der I n sel aufschlagen – ihre Nahrung konnten sie weiterhin mit dem Sonie erjagen und herbeischaffen, so wie sie es auch jetzt taten –, und die Insel war so klein, dass es den V o ynixen schwer fallen würde, mehr als jeweils ein paar hundert dorthin zu faxen. Vie l leicht würde es ihnen gelingen, so viele zu töten oder zu vertre i ben.
Den letzten Männern und Frauen, die Ardis verließen – und Ada war fest entschlossen, die letzte Frau zu sein –, oblag es, die Setebos-Brut zu töten. Dann würden die Voynixe diesen alteh r würdigen Ort wie wildgewordene Heuschrecken überfl u ten, aber die restlichen Überlebenden würden auf der Insel in Sicherheit sein. Zumindest für ein paar Stunden, schätzte Ada.
Konnten Voynixe schwimmen? Ada und die anderen hatten ihr Gedächtnis durchforstet, ob sie in den alten Zeiten einen ihrer Voynix-Diener schwimmen gesehen hatten, damals, bevor der Himmel herabgestürzt war – vor zehn Monaten –, bevor Harman und Daeman die Klinik und Prosperos Insel zerstört hatten. Vor dem Ende ihrer törichten, sicheren Welt der Partys und des una b lässigen Faxens. Niemand wusste genau, ob er jemals einen Vo y nix schwimmen gesehen hatte.
Aber im tiefsten Innern war Ada sicher. Die Voynixe konnten schwimmen. Sie konnten in all diesem Wasser und trotz dieser starken Strömung auf dem Flussbett entlangmarschieren, wenn es sein musste. Sie würden an die Menschen auf deren kleinen Insel herankommen, sobald das Setebos-Baby tot war.
Und dann würden die Überlebenden, falls es welche gab, e r neut fliehen müssen – aber wohin? Ada war für die Golden G a te bei Machu Picchu, weil sie sich noch gut an Petyrs Worte e r innerte, dass die dort versammelten Voynixe außerstande g e wesen waren, in die Trauben der grünen Blasen an den Brückentürmen und Hängekabeln hineinzukommen. Aber die a n deren hatten in ihrer Mehrheit nicht zu der Brücke gewollt, die sie nie gesehen hatten – sie war zu weit weg, es würde zu lange dauern, dorthin zu gela n gen, sie würden in den Glasgebilden hoch über dem Nichts g e fangen sein, auf allen Seiten von Vo y nixen umzingelt.
Ada hatte ihnen erzählt, dass H arman, Petyr, Hannah und N o man/ Odysseus die Brücke in weniger als einer Stunde e r reicht hatten, indem sie in den Grenzbereich zum Weltraum hinaufg e schossen und dann über dem südlichen Kontinent wieder in die Atmosphäre hinabgesaust waren. Sie hatte e r klärt, das Sonie habe diesen Flugplan noch immer in seinem Speicher – die Reise zur Golden Gate bei Machu Picchu dauere nur ein paar Minuten lä n ger als der Transport über den Fluss auf die Felseninsel.
Aber sie wollten es trotzdem nicht versuchen. Noch nicht.
Ada und Daeman schmiedeten jedoch weiterhin ihre Pläne für diese weiträumige Evakuierung.
Plötzlich ertönte oberhalb der dunklen Baumreihe im Sü d westen ein Geräusch – ein Rasseln und Zischen.
Daeman nahm sein Flechette-Gewehr von der Schulter, hielt es schussbereit und entsicherte es. »Voynixe!«, rief er.
Ada biss sich auf die Lippe. Das Setebos-Wesen zu ihren F ü ßen war für den Augenblick vergessen; sein mentales Drängen wurde von echten Geräuschen übertönt. Beim zentralen Feuer läutete jemand die Alarmglocke. Leute taumelten aus dem großen Schuppen und den Zelten und weckten die anderen mit lautem Geschrei.
»Das glaube ich nicht.« Ada musste die Stimme erheben, d a mit Daeman sie bei dem Tohuwabohu verstehen konnte. »Vo y nixe hören sich anders an.«
Als die Glocke verstummte und das Geschrei erstarb,
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