Olympos
Wunden.
Ada erzählte ihrer jungen Freundin Hannah – die irgendwie nicht mehr so jung wirkte – und dem schweigenden Noman rasch die Geschichte des Ardis-Massakers, der Tage und Näc h te auf dem Hungerstein, der nicht funktionierenden Faxknoten, des V o ynix-Aufmarschs und des geschlüpften und eingesperrten Set e bos-Babys.
»Ich habe das Wesen schon vor der Landung in meinem Geist gespürt«, sagte Noman leise. Während Hannah mit ihrer G e schichte begann, ging der graubärtige Grieche mit der gewöl b ten Brust, der selbst in diesem eiskalten Wetter nur seinen groben Ki t tel trug, zur Grube hinüber und schaute auf den Gefangenen hi n unter.
»Drei Tage, nachdem Ariel mit Harman verschwunden war, ist Odysseus seiner Genesungskrippe entstiegen«, berichtete die dunkelhaarige junge Frau mit den glänzenden Augen. »Die Vo y nixe haben weiterhin hereinzugelangen versucht, aber Odysseus hat mir versichert, dass ihnen das nicht gelingen würde, solange das Nullfriktionsfeld eingeschaltet war. Wir haben gegessen, g e schlafen … « Hannah senkte einen Moment lang den Blick, und Ada wusste, dass die beiden auch noch andere Dinge getan ha t ten. »Wir haben darauf gewartet, dass Petyr zurückkommen wü r de, um uns zu holen, wie er es ve r sprochen hatte, aber nach einer Woche hat Odysseus angefangen, Einzelteile von Sonies und a n deren Flugmaschinen zusammenzuba u en, die wir in der Garage – dem Hangar, oder wie immer man es nennen soll – gesehen ha t ten. Ich habe den größten Teil der Schweißarbeiten erledigt. Ody s seus hat die Arbeit an der Bordelektronik und am Antriebssystem übe r nommen. Als uns die erforderlichen Teile ausgingen, habe ich die restlichen Blasen und Geheimräume an der Golden Gate durchstöbert.
Odysseus hat es geschafft, das Ding im Hangar zum Schw e ben und ein Stück weit zum Fliegen zu bringen – es besteht haup t sächlich aus zwei servitorartigen Fluggeräten, so genannten Himmelsflößen, die nicht für weite Reisen gedacht sind –, aber wir hatten Probleme mit den Lenkungs- und Kontrollsy s temen. Schließlich musste Odysseus eine kleinere KI zerlegen, die einen Teil der Brückenküche betrieb. Er hat die Koch- und Rezeptel e mente dringelassen, die KI aber lobotomisiert, damit sie die Nav i gation und Fluglageregelung des Floßes überne h men konnte. Sie ist nicht glücklich darüber, dass sie diese u n beholfene Maschine fliegen muss – sie will uns immer Frühstück machen und Rezep t vorschläge unterbreiten.«
Ada und einige der anderen lachten darüber. Mehr als ein Du t zend Leute hörten zu, darunter Greogi, der einhändige L a man, Ella, Edide, Boman und die beiden Heilkundigen. Die fünf ve r letzten Neuankömmlinge aßen ihren heißen Eintopf und lausc h ten schweigend. Der Schnee, den Ada vor Stunden gerochen ha t te, rieselte jetzt leicht herab, blieb jedoch nicht li e gen. Sogar die Sonne lugte kurz durch die schnell ziehenden Wolken.
»Als wir schließlich sicher waren, dass Ariel Harman nicht z u rückbringen und weder Petyr noch jemand anders von euch kommen würde, um uns abzuholen, haben wir das Floß mit Vo r räten beladen – wir haben weitere Waffen mitgebracht, die ich in einem anderen Geheimraum gefunden habe –, das Hangartor g e öffnet und sind nach Norden geflogen. Wir hofften, dass die R e peller uns in der Luft halten würden und dass uns das primitive Navigationssystem in die Nähe von Ardis bri n gen würde.«
»War das gestern?«, fragte Ada.
»Das war vor neun Tagen«, sagte Hannah.
Als die jüngere Frau Adas schockierte Reaktion sah, fuhr sie fort: »Dieses Ding fliegt langsam, Ada, höchstens neunzig bis hundert Stundenkilometer. Und es gab Probleme damit. Wir haben den größten Teil der Nahrungsmittelvorräte verloren, als wir im Meer wassern mussten, dort, wo Odysseus zufolge fr ü her einmal der Isthmus von Panama war. Zu unserem Glück hatte er das Floß mit Auftriebskörpern ausgestattet, sodass es ein paar Stunden lang wie ein richtiges Floß fungieren konnte, während wir Gewicht a b warfen und Odysseus die Flugsysteme reparierte.«
»Hattet ihr Elian und die anderen da schon dabei?«, fragte B o man.
Hannah schüttelte den Kopf, trank noch einen Schluck Kaffee und beugte sich über die warme Blechtasse, als gäbe sie ihr dri n gend benötigte Wärme. »Wir mussten an der Küste einen Zw i schenstopp einlegen, nachdem wir das Isthmusmeer übe r quert hatten. Dort gab es eine Faxknoten-Gemeinschaft – ich glaube, du
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