Bücher online kostenlos Kostenlos Online Lesen

Olympos

Titel: Olympos Kostenlos Bücher Online Lesen
Autoren: Dan Simmons
Vom Netzwerk:
Daten kommunizieren.
    Wie das wohl wäre, mit Ada verbunden zu sein, während wir uns li e ben?, fragte sich Harman und tadelte sich dann, weil er ein alter Bock war. Ein geiler alter Bock, verbesserte er sich.
    Neben der Logosphärenfunktion gab es eine weitere Funkt i on, die eine komplizierte sensorische Schnittstelle zur Biosphäre bot. Da sie von Satelliten abhing und im Moment gesperrt war, konnte er nur vermuten, wie sie arbeitete und wie es sich a n fühlte. War es wie ein Schwatz mit Ariel, oder wurde man plötzlich eins mit dem Löwenzahn und den Kolibris? Konnte man auf diese Weise direkt und aus der Ferne mit den Kleinen Grünen Männchen kommunizieren? Harman wurde wieder ernst. Ihm fielen Pro s peros Worte ein, dass Ariel die KGMs zur Abwehr der Aberta u sende angreifender Calibani an den südl i chen Rändern des alten Europa einsetzte, und er sah sofort, dass er die Zeks mittels einer solchen Verbindung bitten konnte, ihnen im Kampf gegen die Voynixe beizustehen.
    Diese ganze Funktionssuche verschlimmerte Harmans Kop f schmerzen. Eher zufällig prüfte er seine medizinische Überw a chungsfunktion und sah, dass sowohl sein Adrenalinspiegel als auch sein Blutdruck hoch genug waren, um ihm die Kopfschme r zen zu bescheren, unter denen er nun seit zwei Wochen litt. Er aktivierte eine andere medizinische Funktion, die nicht nur reine Überwachungsaufgaben erfüllte, und erlaubte ihr versuchsweise, ein paar Chemikalien in seinem Körper freiz u setzen. Blutgefäße in seinem Hals weiteten und entspannten sich. Wärme strömte wi e der in seine eiskalten Fingerspitzen. Die Kopfschmerzen ließen nach.
    Für einen Jungen im Teenageralter wäre diese Funktion sehr nüt z lich – er könnte mit ihrer Hilfe unerwünschte Erektionen unterbinden, dac h te Harman. Er merkte, dass er wirklich ein geiler alter Bock war.
    Eigentlich gar nicht so alt, dachte er. Die medizinische Überw a chung hatte ihm erklärt, dass sein körperlicher Zustand dem eines durchschnittlichen Einunddreißigjährigen entsprach, der etwas außer Form war.
    Andere Funktionen schwebten auf seine mentale Checkliste: Verstärkung der Figur-Hintergrund-Differenzierung, gesteige r tes Einfühlungsvermögen, eine andere, die er als »Berserker-Funktion« apostrophierte – ein kurzfristige, enorme Steigerung des Adrenalinspiegels und aller anderen körperlichen und die Kräfte vervielfachenden Fähigkeiten, wahrscheinlich als letztes Mittel in einem Kampf oder wenn man einen tonnenschweren Gegenstand von seinem Kind herunterheben musste. Harman sah, dass er neben der bereits ge- und missbrauchten Erinn e rungs-Wiederholungsfunktion auch Daten wieder aufrufen konnte, die ihm jemand anders mittels der Weitergabe-Funktion übertragen hatte. Es gab eine Funktion, mit deren Hi l fe er seinen Körper in eine Art Winterschlaf versetzen konnte, eine zeitweilige Verlan g samung sämtlicher Lebensfunktionen bis zum Punkt des Stil l stands. Er erkannte, dass sie nicht für ein schnelles Nickerchen gedacht war, sondern beispielsweise für einen längeren Aufen t halt in dem gläsernen Sarg im Taj Moira, wenn man lange Zeit – in Moiras Fall sehr lange Zeit – am L e ben bleiben musste, ohne sich rühren zu können, damit man sich nicht wundlag oder sich Muskelatrophie, Morgenatem und die anderen Nebenwirkungen normaler menschlicher Bewusstlosigkeit zuzog. Harman sah s o fort, dass die echte Savi diese Funktion in ihrer Zeitkrippe auf der Golden Gate bei Machu Picchu und woanders häufig benutzt ha t te, um die vierzehn Jahrhunderte, in denen sie sich vor den Vo y nixen und den Nachmenschen versteckt hatte, zu überleben und dabei nicht zu verfallen.
    Es gab noch viele weitere, teilweise unsagbar faszinierende Funktionen, aber die Konzentration, die er benötigte, um sie zu erforschen, brachte seine Kopfschmerzen zurück. Er schaltete di e sen Teil seines Gehirns für die Nacht ab.
    Sofort strömten stärkere sensorische Informationen herein. Das Wogen der Wellen oben. Ein fotolumineszent-phytophlanktonisches Leuchten in den oberen Schichten des A t lantiks, das für seine müden Augen wie ein Unterwasser-Polarlicht aussah.
    Auch am Himmel über dem Meer wetterleuchtete es – die s mal keine Blitze aus der Luft zum Wasser, sondern Blitze in den Wo l ken, lautlose Explosionen, die die fraktale Komplexität der br o delnden Wolken zeigten, wenn sie von innen erhellt wurden. Di e ses Lichtgeflacker war lautlos – nicht die leiseste A n deutung von Donner

Weitere Kostenlose Bücher