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Olympos

Titel: Olympos Kostenlos Bücher Online Lesen
Autoren: Dan Simmons
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erreichte seinen kleinen Schlafsack auf dem Boden des atlantischen Bruchs –, sodass Harman die Hä n de hinter dem Kopf verschränkte und das Schauspiel einfach genoss, wobei er auch an den Effekten Gefallen fand, welche die Wolkenblitze auf der noch immer aufgewühlten Meere s oberfläche erzeugten.
    Muster. Überall Muster. Die gesamte Natur und das Unive r sum tanzten am Rande des Chaos, für eine gewisse Zeit geschützt durch fraktale Grenzen und eine Milliarde verborgener algorit h mischer Protokolle, die ein struktureller Bestandteil a l ler Dinge und jeder Interaktion, aber nichtsdestrotz schön w a ren – wirklich wunderschön. Er stellte fest, dass es mindestens eine Funktion gab, die er noch nicht richtig erforscht hatte; sie konnte die mei s ten dieser Muster weitaus besser analysieren als bloße menschl i che Sinne und Gefühle, die sich im Rahmen der Evolution herau s gebildet hatten, aber es war vermutlich eine gesperrte Funktion, die Verbindung zu den Ringen benötigte, und außerdem … Harman brauchte keine genetisch verstärkte Funktion, um die reine Schönheit dieses lautlosen Schauspiels mitten im Atlantik zu würdigen, das nur für ihn stattfand.
    Er lag auf dem Boden des Bruchs, die Hände hinter dem Kopf, und sprach ein Gebet für Ada und seinen eventuellen Sohn o der seine eventuelle Tochter. (Wenn Adas Funktionen aktiviert waren, würden sie ihr sagen, was es war.) Er wünschte, er könnte jetzt bei ihr sein. Er betete zu dem Gott, über den er nie wirklich nachg e dacht hatte – zu dem ruhigen Gott, den Setebos und sein Lakai Caliban den Worten des Ungeheuers auf Pro s peros Insel zufolge mehr fürchteten als alles andere –, und er bat nur darum, dass seine geliebte Ada gesund und am Leben blieb und so glücklich war, wie es die schrecklichen Umstände dieser Zeiten und ihrer räumlichen Trennung zuließen.
    Beim Einschlafen hörte Harman das Raspeln und Sägen von Moiras Schnarchen. Er lächelte, während er langsam in den Schlaf sank. Tausend Jahre ausgeklügeltster nachmenschlicher Nanoz y ten- und DNA-Rekombination hatten sie nicht vom Schnarchen kuriert. Aber es war natürlich Savis menschlicher Körper, der …
    Mitten in diesem Gedanken schlief Harman ein.
     

71
    Achilles wünscht, er wäre tot.
    Die Luft hier im Tartaros stinkt so bestialisch und ist so dick, seine Lungen brennen so mörderisch, seine Augen tränen und schmerzen so sehr, seine Haut und sein Gedärm fühlen sich an, als wären sie bereit, unter dem Druck gleichzeitig zu implodi e ren und zu explodieren, die okeanidische Monster-Frau bricht ihm beinahe die Rippen, so fest hält sie ihn in ihrer Faust mit den schenkeldicken Fingern gepackt, und seine Aussichten für die Zukunft sind so verdammt trübe, dass er am liebsten einfach ste r ben und das alles hinter sich bringen würde.
    Aber die Quanten-Schicksalsgöttinnen verweigern ihm diese Möglichkeit. Diese Hündin von seiner Göttinnen-Mutter, diese Schlampe Thetis, die seinem Vater – dem Mann, den er immer als seinen Vater anerkannt hat, Peleus – ihre Liebe gestanden und dann mit Zeus das Lager geteilt hat wie die aquatische Ficknudel, die sie ist, hat ihn ins himmlische Feuer gehalten und einen Qua n tensingularitätspunkt für seinen Tod gescha f fen – einen Punkt, der nur durch die Handlungen des nunmehr toten und verbran n ten Paris aus Ilium hätte erreicht werden können –, und damit basta.
    Deshalb leidet er und versucht, sich darauf zu konzentrieren, was außerhalb dieser kleinen, rasant implodierenden Sphäre von Schmerz und Qual vorgeht.
    Die drei titanengroßen Töchter des Okeanos – Asia, Panthea und Ione – marschieren mit schnellen Schritten durch das giftige Halbdunkel auf einen helleren Lichtschein zu, bei dem es sich um einen Vulkanausbruch handeln könnte. Asia hält Achilles in ihrer riesigen, verschwitzten Faust. Als es Achilles gelingt, seine bre n nenden Augen zu öffnen und durch die Tränen – erzeugt von t o xischen Chemikalien in der Luft, nicht von seinen Gefühlen – ein paar kurze Blicke auf die Umgebung zu erhaschen, sieht er eine verschwommene Szenerie aus hohen, felsigen Bergkämmen wie demjenigen, auf dem die drei Okeaniden jetzt entlangmarschi e ren, donnernden Vulkanen, tiefen Spalten voller Lava und seltsam geformten Ungeheuern – eine Eskorte der riesigen Tausendfü ß lerwesen, die mit dem Heiler auf dem Olymp verwandt sein mü s sen –, und hin und wieder streift sein Blick schemenhafte Silho u etten,

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