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Olympos

Titel: Olympos Kostenlos Bücher Online Lesen
Autoren: Dan Simmons
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offenbar andere Titanen, die brüllend durch das Halbdu n kel brechen, s o wie einen Himmel voller Wolken mit orangeroten Rändern, wilden Bli t zen und anderen elektrischen Schauspielen.
    Plötzlich spricht die riesige Titanin namens Panthea. »Ist das dort auf jenem schwarzen Thron die verschleierte Gestalt, die wir suchen?«
    Asia, deren scheußliche Stimme dröhnt wie Felsbrocken, die e i nen steinigen Hang hinunterpoltern (Achilles hat nicht die Kraft, sich mit seinen säureverätzten Händen die schmerzenden Ohren zuzuhalten): »Ja. Der Schleier fiel.«
    Panthea: »Ich seh ein mächtig Dunkel nun den Sitz der Macht e r füllen. Strahlen schießen blendend ringsum empor, wie Licht der Mittagssonne. – Doch bleibt der Demogorgon selbst gestal t los, weder Glied noch Form, noch Umriss – und doch fühlen wir alle drei, ‘ s ist ein lebend ’ ger Geist.«
    Dann spricht der Demogorgon, und im vergeblichen Versuch, den Infraschallschmerz dieser allumfassenden Stimme zu li n dern, begräbt Achilles sein Gesicht in Asias großer, rauer Hand. »FRAGT, WAS IHR WISSEN WOLLT, OKEANIDEN.«
    Asia hält ihm die offene Hand hin, auf der sich Achilles wi n det. »Kannst du uns sagen, welch ein Wesen wir hier gefangen haben? Es scheint eher ein Seestern als ein Mensch zu sein, aber es zappelt und quiekt wie ein solcher.«
    Wieder ertönt die brausende Stimme des Demogorgon. »ES IST LEDIGLICH EIN STERBLICHER, WENNGLEICH ES DURCH E I NEN FEHLER DES HIMMLISCHEN FEUERS UNSTERBLICH WURDE. ES HEISST ACHILLES UND IST SEHR WEIT WEG VON DAHEIM. BIS AUF DEN HEUTIGEN TAG IST NOCH NIE EIN STERBLICHER IN DEN TARTAROS GEKO M MEN.«
    »Aha.« Asia scheint das Interesse an ihrem Spielzeug zu verli e ren und setzt Achilles grob auf einen glühend heißen Fel s brocken.
    Achilles spürt die Hitze, die ihn von allen Seiten umgibt. Als er die Augen öffnet, hat sich sein Blickfeld dank der Lavaglut und der Eruptionen erweitert, aber er sieht zu seinem Entse t zen, dass zu beiden Seiten seines dampfenden Felsbrockens Lava vorbe i strömt. Als er den Blick zum Demogorgon auf se i nem Thron hebt – der Thron ein Berg, höher als die ausbrechenden Vulkane, die verhüllte und verschleierte Nichtgestalt auf diesem Thron kilom e tergroß, wie es scheint –, löst die Formlosigkeit des Demogo r gon in ihm einen Brechreiz aus, und er übergibt sich. Keine der Okeaniden scheint von seinem Wü r gen Notiz zu nehmen.
    Asia fragt die riesige Gestalt: »Was kannst du denn noch s a gen?«
    » WAS DU ZU FRAGEN WAGST«
    »Wer machte die lebend ’ ge Welt hier?«, will Asia wissen. Achi l les ist bereits zu dem Schluss gelangt, dass sie die redseligste, wenn nicht intelligenteste der drei strohdummen Okeaniden ist.
    »GOTT.«
    »Wer machte alles das, was sie enthält?«, setzt Asia nach. »G e danken? Leidenschaft? Vernunft und Willen? Einbildung?«
    »GOTT. DER ALLMÄCHTIGE GOTT«
    Achilles kommt zu dem Schluss, dass dieser Demogorgon nicht nur ein maulfaules, sondern auch ein ziemlich denkfaules Geis t wesen ist. Er würde alles dafür geben, wenn er aufstehen und sein Schwert aus dem Gürtel ziehen, seinen Schild vom Rücken ne h men könnte. Zuerst würde er den Demogorgon, dann die drei T i tanenschwestern töten … langsam und genüs s lich.
    »Wer ließ das Hochgefühl entstehn, das uns beim Wehn der Frühlingswinde, bei der Stimme der Liebe, die die Jugend hört allein«, fragt Asia mit ihrer krachenden, dröhnenden Stimme, »die Augen füllt mit einem Tränenstrom, der selbst den Stra h lenblick der Blumen trübt, und das die bevölkerte Welt verödet lässt, wenn ’ s nicht mehr wiederkehrt?«
    Achilles erbricht sich erneut. Diesmal ist es eher ein ästhet i sches Statement als eine Reaktion auf Sehschwindel. Er kommt zu dem Schluss, dass er die Okeaniden doch zuerst töten wird. Diese Hündin namens Asia würde er gern mehrmals töten. Er stellt sich vor, wie er ihren Schädel aushöhlt und als Haus benutzt, die A u genhöhlen als runde Fenster.
    »GOTT DER BARMHERZIGE«, intoniert der Demogorgon.
    Es gibt kein griechisches Wort für »dito«, aber Achilles findet, dass der Demogorgon eines prägen sollte. Es überrascht den Achäer nicht im Geringsten, dass die Okeaniden und der gestal t lose Geist im trüben Tartaros-Dunkel hier unten sich in se i nem Griechisch unterhalten. Sie sind fremdartige Geschöpfe, echte U n geheuer, aber nach Achilles ’ Erfahrung sprechen selbst Ungehe u er Griechisch. Wenigstens sind sie keine Barbaren.
    »Wer

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