Olympos
heimnisse diese verdammte Maschine aus dem U n tergegangenen Zeitalter barg, aber möglicherweise waren es tödliche Geheimni s se; er glaubte jedenfalls nicht, dass ihm i r gendetwas in dem Boot noch mehr neue Erkenntnisse verscha f fen konnte, als er bereits durch das Ertrinken im kristallenen Schrein gewonnen hatte.
Aber trotzdem …
Harman hatte nicht erst der Erleuchtung durch Ertrinken b e durft, um zu wissen, dass seine Gattung – so genetisch modif i ziert und nanozytisch verstärkt sie auch sein mochte – aus Schimpa n sen und Hominiden hervorgegangen war. Zwar hatte die Neugier unzählige dieser edlen, krummrückigen Vorfahren getötet, aber sie hatte sie auch vorwärts gebracht und ihren R ü cken begradigt.
Harman verstaute den Rucksack ein paar Meter vom Bug en t fernt – das Ding war wasserdicht, aber er wusste nicht, ob es auch druckfest war –, löste die alte Pistole von ihrem Haftfl i cken und nahm sie in die rechte Hand, aktivierte die beiden hellen Schei n werfer im oberen Brustbereich und zwängte sich an verbogenem Metall vorbei in die dunklen vorderen Gänge der toten Maschine.
73
Die Griechen werden nicht bis zum Einbruch der Dunkelheit durchhalten.
Wenn es in diesem Tempo weitergeht, werden sie nicht ei n mal bis Mittag durchhalten. Und ich auch nicht.
Die Achäer ziehen sich in einen immer engeren Halbkreis z u rück. Sie kämpfen wie die Dämonen, das Meer im Rücken, und die Brandung färbt sich rot, aber Hektors Angriff ist unerbit t lich. Mindestens fünftausend Achäer sind gefallen, seit der Angriff kurz nach Tagesanbruch begonnen hat. Auch den edlen Nestor hat es erwischt – er ist noch am Leben, aber man hat ihn bewuss t los in sein Zelt getragen. Eine Lanze hat seine Schulter durchst o ßen, Knochen zerschmettert und ihn von seinem Streitwagen g e holt. Der alte Held, der versucht hat, für die abwesenden oder t o ten Riesen einzuspringen – Achilles, Ag a memnon, Menelaos, den großen Ajax, den listenreichen Ody s seus –, hat sein Bestes getan, aber die Speerspitze hat ihn g e funden.
Nestors Sohn Antilochos, der tapferste der Achäer in diesen let z ten paar Tagen, ist tot; der gut platzierte Pfeil eines trojan i schen Bogenschützen hat ihm die Eingeweide durchbohrt. Nestors a n derer Sohn im Hauptmannsrang – Thrasymedes – gilt als ve r misst; er wurde schon früh in den Graben voller Trojaner hina b gezogen und in den drei Stunden seither nicht mehr ges e hen. Der Graben und die Befestigungsanlagen sind jetzt in Hektors blut i gen Händen.
Der kleine Ajax ist verwundet – ein hässlicher Schwerthieb g e gen beide Schienbeine direkt neben den Beinschienen – und wu r de vor ein paar Minuten vom Feld in die Nicht-Sicherheit der ve r brannten Schiffe getragen. Podaleirios, der kämpfende Haup t mann und erfahrene Heiler, Sohn des legendären A s klepios, ist tot – niedergemacht von einem Kreis von Killern, die zu Deiphobos ’ angreifenden Legionen gehören. Sie haben den Körper des brilla n ten Arztes in Stücke gehackt und seine blutbesudelte Rüstung nach Troja geschleift.
Alastor, Teukros ’ Freund, jener Truppenführer, der während des schrecklichen Gemetzels hinter den verlassenen Gräben Thras y medes ’ Kommando übernommen hatte, fiel vor seinen Männern – immer noch fluchend, wand er sich minutenlang mit einem Du t zend Pfeilen im Leib. Fünf Argeier kämpften sich zu ihm durch, um seinen Leichnam zu bergen, aber sie wurden alle von Hektors Vorhut niedergemetzelt. Teukros selbst schluchzte, als er Alastors Schlächter tötete; er feuerte ihnen einen Pfeil nach dem anderen in Augen und Bäuche, während er sich mit den langsam zurückwe i chenden Griechen zurüc k zog.
Nun gibt es keine weitere Rückzugsmöglichkeit mehr. Wir sind hier auf dem Sand zusammengedrängt, die auflaufende Flut plä t schert um unsere sandalenbewehrten Füße, und der Pfeilregen nimmt kein Ende. Alle Pferde der Griechen sind laut wiehernd gestorben, außer den wenigen, deren weinende Besitzer sie freig e lassen und mit Peitschenhieben auf die vorr ü ckenden feindlichen Linien zugetrieben haben. Weitere Tr o phäen für die Trojaner.
Wenn ich hier bleibe, kostet es mich das Leben. Als ich ein Sch o liker war, insbesondere Aphrodites Geheimagent-Scholiker, u m fassend ausgerüstet mit Schwebegeschirr, Stoßpanzerung, Mo r pharmband, Betäubungsstab, dem unsichtbar machenden Hades-Helm – und was ich damals sonst noch so mit mir herumschlep p te –, fühlte
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