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Olympos

Titel: Olympos Kostenlos Bücher Online Lesen
Autoren: Dan Simmons
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ich mich so gut wie unve r wundbar, selbst wenn ich verhältnismäßig nah am Kampfgeschehen war. Außer den Pfe i len, die auf erstaunliche Distanzen tödlich genug sind, gibt es in diesem Krieg nicht viele von ferne tötende Waffen. Die Männer riechen den Schweiß und den Atem ihres Feindes und werden mit seinem Blut, seiner Hirnmasse und seinem Speichel bespritzt, wenn sie ihm Stahl – oder in manchen Fällen Bronze – in die Ei n geweide rammen.
    Aber ich bin in den letzten zwei Stunden dreimal beinahe aufg e spießt worden: einmal von einem geworfenen Speer, der über die Linien der Verteidiger hinwegging und mir fast die Eier abriss – ich sprang in die Luft, um ihm auszuweichen, und als er in den nassen Sand fuhr und ich breitbeinig darauf heru n terkam, knallte mir der vibrierende Schaft in die Gonaden. Dann teilte mir ein Pfeil die Haare, und eine Minute später hä t te mich ein anderer Pfeil, einer von Tausenden, die den Himmel verdunkeln und wie ein Miniaturwald überall aus dem Sand ragen, voll in den Hals getroffen, wenn nicht ein Danaer, den ich nicht einmal kenne, se i nen runden Schild hochgerissen, sich herübergebeugt und den mit Wide r haken bewehrten, giftigen Schaft abgelenkt hätte.
    Ich muss von hier verschwinden.
    In den Stunden seit der Morgendämmerung hat meine Hand das QT-Medaillon hundertmal berührt, aber ich bin nicht we g teleportiert. Ich weiß nicht genau, warum.
    Doch, ich weiß es. Ich will diese Männer nicht im Stich lassen. Ich will nicht sicher in Helenas Badezimmer oder auf einem nahe gelegenen Hügel sitzen, in dem Wissen, dass diese Ach ä er, die ich zehn Jahre lang beobachtet, mit denen ich zehn Jahre lang gespr o chen, Brot gebrochen und Wein getrunken habe, auf diesem blu t trüben Stück Strand wie das sprichwörtliche Vieh abgeschlachtet werden.
    Aber ich kann sie nicht retten.
    Oder doch?
     
    Ich schließe die Hand um das Medaillon, konzentriere mich auf einen Ort, an dem ich bereits gewesen bin, versetze der gold e nen Scheibe eine halbe Umdrehung, öffne die Augen und stelle fest, dass ich einen sehr, sehr tiefen Fahrstuhlschacht hinabstü r ze.
    Nein, ich stürze nicht, stelle ich fest – zu spät, ich habe schon zweimal geschrien –, ich befinde mich im freien Fall im Hauptko r ridor auf dem Deck der Queen Mab, oder zumindest im Hauptko r ridor auf dem Deck, wo meine Kabine war. Aber d a mals hat es hier Schwerkraft gegeben. Jetzt gibt es nur dieses endlose Fallen – ich purzele durch den Raum, falle aber nicht wirklich, sondern versuche, strampelnd und um mich schl a gend zur Kabinentür oder zur Astrogationskuppel zwanzig Meter weiter vorn – oder unten – zu kommen.
    Zwei schwarze, chitinöse Gürtel-Moravecs, Soldaten, deren schwarze Rüstung, Widerhaken und maskenartiger Kopf feste Bestandteile ihres Körpers sind, stoßen sich aus einem nahe gel e genen Fahrstuhlschacht heraus – es ist kein Fahrstuhl darin – und packen mich an den Armen. Sie schießen zum Schacht z u rück, und ich erkenne, dass die Steinvecs sich nicht nur deshalb in di e ser Schwerelosigkeit bewegen können, weil sie daran g e wöhnt sind – sie muss nah an ihrem natürlichen Schwerkraftn i veau im Asteroidengürtel liegen –, sondern weil sie in ihre Panzer eing e baute, nahezu lautlose Düsenaggregate besitzen, die sich ausde h nende Stra h len – vielleicht einfach nur Wasser – verspritzen. Was immer es ist, sie können sich damit flüssig und schnell in dieser Schwerelosigkeit bewegen. Wortlos ziehen sie mich in den Schacht, der vom Bug bis zum Heck durch die ganze Queen Mab läuft – stellen Sie sich vor, Sie würden in einen leeren Fahrstuh l schacht von der Höhe des Empire State Building springen –, und darum tue ich das Einzige, was ein normaler Mensch tun würde: Ich schreie erneut.
    Die beiden Soldaten fliegen mit mir hundert oder mehr Meter diesen hallenden Schacht hinauf oder hinunter – er hallt nur von meinen eigenen Schreien wider – und ziehen mich dann durch eine Art Kraftfeld-Membran in einen geschäftigen Raum. Obwohl ich mit dem Kopf nach unten in der Luft hänge, erke n ne ich, dass es die Brücke des Schiffes ist. Ich bin während me i nes Aufenthalts nur ein einziges Mal auf der Brücke gewesen, aber die Funktion dieses Raums ist nicht zu verkennen – M o ravecs, die ich noch nie gesehen habe, sind damit beschäftigt, dreidimensionale virtuelle Kontrolltafeln zu überwachen, we i tere Steinvec-Soldaten stehen an holografischen Projektionen,

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