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Olympos

Titel: Olympos Kostenlos Bücher Online Lesen
Autoren: Dan Simmons
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und ich erkenne General Beh bin Adee, den umherhuschenden Spinnen-Vec – sein Name fällt mir gerade nicht ein –, den sel t sam aussehenden Navigator Cho Li und den Hauptintegrator Asteague/Che.
    Der Hauptintegrator kickt sich mühelos durch den schwerel o sen Brückenraum zu mir herüber, während die beiden Soldaten mich auf einen Netzstuhl drücken und festbinden, sodass ich nicht en t kommen kann. Nein, erkenne ich, sie fesseln mich nicht wie einen Gefangenen, sondern bringen nur Masche n netzgurte an, die mich halten. Es hilft – allein schon dadurch, dass ich stationär bin, b e komme ich ein Gefühl für oben und unten.
    »Dr. Hockenberry, wir haben Sie nicht zurückerwartet«, sagt der kleine Moravec, der ungefähr dieselbe Gestalt und Größe wie Mahnmut hat, aber aus andersfarbigen Kunststoffen, M e tallen und Polymerisaten besteht. »Ich bitte Sie, die fehlende Schwe r kraft zu entschuldigen. Gegenwärtig wird keine Schu b kraft auf das Schiff ausgeübt. Ich könnte dafür sorgen, dass die inneren Kraftfelder ein Druckdifferenzial aufweisen, das für Sie eine halbwegs brauchbare Schwerkraft simuliert, aber die Wahrheit ist, wir halten eine bestimmte Position in der Nähe des Polarrings um die Erde und wollen nicht, dass man bei uns eine größere Verä n derung im internen Energieeinsatz registriert, wenn es nicht u n bedingt sein muss.«
    »Es geht mir gut«, sage ich in der Hoffnung, dass sie meine Schreie im Fahrstuhlschacht nicht gehört haben. »Ich muss mit Odysseus sprechen.«
    »Odysseus ist … äh … momentan indisponiert«, erwidert Aste a gue/Che.
    »Ich muss trotzdem mit ihm sprechen.«
    »Ich fürchte, das wird nicht möglich sein«, sagt der Moravec, der ungefähr so groß ist wie mein Freund Mahnmut, jedoch so anders aussieht und spricht. Seine Stimme hat tatsächlich etwas Beruh i gendes.
    »Aber es ist unbedingt nötig, dass ich … « Ich unterbreche mich mitten im Satz. Sie haben Odysseus umgebracht. Irgendetwas Schreckliches haben diese halben Roboterwesen dem ei n zigen Menschen auf ihrem Schiff angetan, gar keine Frage. Ich weiß zwar nicht, weshalb sie den Achäer getötet haben sol l ten, aber zwei Drittel der Dinge, die diese Moravecs tun oder nicht tun, h a be ich sowieso nie verstanden. »Wo ist er?« Ich g e be mir Mühe, meiner Stimme einen gebieterischen Klang zu verleihen, als wäre ich Herr der Lage, während ich auf meinem kleinen Stuhl festg e schnallt bin. »Was habt ihr mit ihm g e macht?«
    »Wir haben dem Sohn des Laertes nichts angetan«, sagt Aste a gue/Che.
    »Weshalb sollten wir unserem Gast etwas zuleide tun?«, fragt der schachtelartige, spinnenbeinige Vec, an dessen Namen ich mich nicht erinnern kann … doch, jetzt fällt er mir wieder ein, Re t rograde Jorgenson oder Gunderson oder irgendwas Skandinav i sches.
    »Dann bringt Odysseus hierher.«
    »Das geht nicht«, wiederholt Hauptintegrator Asteague/Che. »Er ist nicht im Schiff.«
    »Nicht im Schiff?« Mein Blick fällt auf eines der holograf i schen Displays, die in eine Nische in der Hülle eingelassen sind, wo ein Fenster sein sollte. Zum Teufel, nach allem, was ich weiß, ist es ein Fenster. Das runde Blau-Weiß dreht sich unten und füllt den Bil d schirm.
    »Odysseus ist auf diese Erde hinuntergegangen? Auf meine E r de?« Ist es meine Erde? Ich habe dort gelebt und bin dort gesto r ben, ja, aber vor Tausenden von Jahren, wenn man den Gö t tern und Moravecs Glauben schenken kann.
    »Nein, Odysseus ist nicht wieder auf die Erdoberfläche hinu n tergegangen«, sagt Asteague/Che. »Er besucht die Stimme, die während unseres Transits mit dem Schiff Kontakt aufgeno m men hat … die Stimme, die namentlich nach ihm verlangt hat.«
    »Zeigt es Dr. Hockenberry«, sagt General Beh bin Adee. »Er wird verstehen, weshalb er jetzt nicht mit Odysseus reden kann.«
    Asteague/Che scheint über seinen Vorschlag nachzudenken. Dann dreht sich der europasche Moravec zu Navigator Cho Li um – vermutlich haben sie per Funk kommuniziert –, und Cho Li b e wegt einen Tentakelarm. Ein knapp zwei Meter breites dreid i mensionales holografisches Fenster öffnet sich ungefähr einen halben Meter vor mir.
    Odysseus schläft gerade mit der sinnlichsten Frau, die ich je im Leben gesehen habe – außer vielleicht Helena von Troja, n a türlich. Mein männliches Ego hatte geglaubt, mein Liebesakt – nun ja, mein Geschlechtsverkehr – mit Helena wäre energieg e laden und fantasievoll gewesen. Aber nachdem ich dreißig S

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