Orks vs. Zwerge
massiger Turm, der gleich einer einsamen Klippe im rot glühenden Nebel über ihnen verschwand. Einer von Gorotaks Kriegern stieß einen unterdrückten Fluch aus.
Das ist der heilige Ort der Wühler?, dachte Krendar. Warum sperren sie ihn hinter Mauern ein? Mitten in ihrem eigenen Nest?
Ragroth neben ihm lockerte die Schultern. »Das ist wieder mal typisch für die Wühler«, murmelte er. »Sie zäunen gern Land ein. Wir hätten damit rechnen können, dass sie ihre heiligen Orte selbst vor ihresgleichen abschirmen.«
»Hätten wir? Es ergibt überhaupt keinen Sinn«, knurrte Gorotak, und Krendar gab ihm im Stillen recht.
Ein Platz, an dem die Ahnen wohnten, musste doch offen sein, damit jene jederzeit kommen und gehen und alles Leben im Dorf sehen konnten. Aber vielleicht waren die Götter der Zwerge ja nicht besonders erpicht darauf, allzu viel Besuch von Wühlern zu bekommen. Man konnte es ihnen nicht verdenken. »Dieser Ort sieht düster aus«, murmelte er. »Vielleicht haben die Wühler ihn ja schon verlassen?«
Ragroth schüttelte den Kopf. »Seht euch den Nebel an«, gab er zurück.
Die Krieger drehten den Kopf und musterten die wallenden Massen über dem Tempel.
»Joh«, brummte Grahul und kratzte sich den Nacken. »Dick wie Narrga-Kotze. Und?«
»Er leuchtet«, sagte Ragroth. »Fackelschein. Oder Feuer oder Lampen. Sie sind noch drin.«
Gorotak grinste. »Das bedeutet, das Gold ist ebenfalls noch dort. Gibt keinen vernünftigen Grund, ’ne leere Festung zu beleuchten.«
»Hm. Vernunft und Wühler in einem Satz passen nicht gut zusammen. Aber ich denke, du hast recht.«
»Und wie kommen wir da rein?«
Krendar räusperte sich. »Vielleicht hat der Echsengesichtige eine Ahnung. Er wohnt ja schließlich hier.« Er nickte zu dem Menschen hinüber.
Der Echsenmann zuckte mit den Schultern und spuckte auf den Boden, als Ragroth die Frage weitergab. Er zischelte etwas, und Ragroth schüttelte den Kopf. »Er weiß es nicht. Er war noch nie da drin. Sie lassen keine Menschen in ihren Tempel.«
»Möchte wissen, wieso wir das Arschloch überhaupt mitschleppen«, murmelte Grahul.
»Das ist eine Frage, die man nicht nur über ihn stellen könnte«, murmelte Modrath, und Krendar zuckte zusammen, als Ordruk hinter ihm hämisch kicherte.
Auch Ragroth schien ein Grinsen zu unterdrücken. »Also gut, ihr Witzbolde – irgendwelche hilfreichen Vorschläge?«, fragte er.
Krendar musterte das massive Tor und die Mauer, in die es eingelassen war. Die Torflügel waren mit Eisenbändern beschlagen und hielten wahrscheinlich sogar einem Oger stand. Zumindest für eine Weile. Auf jeden Fall aber lange genug, um jeden auf sie aufmerksam zu machen, der sich dahinterbefand. Wenn es in diesem Fall Wühler mit Pfeilwerfern waren, standen ihre Chancen nicht gut. »Wie wäre es mit Leitern?«, schlug er unsicher vor.
»Oder wir könnten eure beiden Waldaffen über die Mauer schicken, damit sie das Tor öffnen«, warf der Ohrensammler ein.
Ragroth schüttelte den Kopf. »Vergesst es. Wenn die da drin Pfeilwerfer haben, wovon wir ausgehen müssen, wäre jeder, der über die Mauer kommt, ein leichtes Ziel.« Er schnaubte. »Außerdem vermute ich, dass die Wühler dieses Tor nicht mit einem einfachen Balken verschlossen haben. Sie neigen dazu, einfache Sachen kompliziert zu machen. Und Schlösser sind nicht gerade die Stärke der Skrag.«
Gorotak bleckte die Zähne. »Und dieses Tor brechen wir nicht so schnell auf, so viel steht fest. Also gut. Verteilt euch. Wir suchen einen anderen Eingang.«
»Gute Idee«, flüsterte der Linke. »Oder aber, wir könnten einfach …«
»… durch das Tor gehen, wenn es offen ist«, ergänzte der Rechte.
»Was?« Die Aerc starrten die Zwillinge an.
Die beiden Korrach grinsten synchron und streckten die Zeigefinger aus.
Die Köpfe der Truppe fuhren herum.
Mit offenem Mund starrte Krendar auf den schmalen Streifen Licht, der jetzt durch das Tor bis direkt vor ihre Füße fiel.
»Oder so«, sagte Ragroth.
Der Ohrensammler stieß einen verblüfften Fluch aus.
D ie Tempeldiener hatten den vollgepackten Wagen in den Hof gezogen und die Ponys vorgespannt. Zwei der Wächter standen in der Nähe des Tors und machten sich über einen jungen Dalkar lustig, der erfolglos versuchte, das schwere Tor aufzuziehen. Ein älterer Dalkar mit Lederschür ze und einem dicken Schlüsselbund am Gürtel, Dion hatte ihn als den Hofmeister vorgestellt, stapfte fluchend zu ihm hinüber. Er deutete auf einen
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