Orks vs. Zwerge
zu, der eine Hand durch eine stählerne Prothese ersetzt hatte.
»Ay«, sagten der Henker und der Totengräber beinahe zeitgleich.
»Ay«, sagten die Viehhüter und Fronknechte, die Abdecker und Gassenkehrer und Hundsschläger.
Irgendjemand klopfte mit der Waffe auf seinen Schild, und andere stimmten mit ein.
Und damit war es entschieden. Auf Dalkar-Art.
Talus drehte den Kopf zu Dvergat, der grinsend wie ein Dachseber neben ihm stand.
»Ich habe ihm geraten, etwas Großes zu sagen, und er hat etwas Unsterbliches verkündet.« Der Unteroffizier wischte sich mit dem Handrücken über die Augen. »Das ist mein Heetmann.«
Fünfundzwanzig
G lond saß mit vor Entsetzen weit aufgerissenen Augen unter dem Birnbaum und starrte über den Hof. Es war einfach ungerecht. Im einen Augenblick war noch alles in bester Ordnung gewesen, Axt hatte ihn für seinen Mut gelobt, der Wagen stand vollgepackt im Hof, und die Dalkar waren bereit zum Abmarsch zurück in die Sicherheit der Südstadt.
Und im nächsten Augenblick quoll der Hof über vor blutgierigen Orks, die sich mit Klauen, Zähnen und den bösartigsten Waffen, die Glond je zu Gesicht bekommen hatte, über die Dalkar hermachten. Vier waren tot, ehe die anderen auch nur an Widerstand hatten denken können. Der Rest wurde von den heranstürmenden Angreifern ernsthaft bedrängt. Wäre der alte Tempelwächter nicht gewesen, hätte es schlecht ausgesehen. Seine Axt beschrieb tödliche Kreise und hielt die vordersten Orks auf Distanz, während ihm zwei einfache Wachleute die Flanken deckten.
Axt und Beryll bildeten mit gezückten Waffen eine zweite Verteidigungslinie vor dem Wagen.
Glond dachte daran, zu ihnen hinüberzurennen. Aber dazu hätte er den halben Hof überqueren müssen, mitten durch die Reihen der angreifenden Orks hindurch, die kurzen Prozess mit ihm gemacht hätten. Er sah sich selbst, wie er sich ihnen nur mit seinem winzigen Kurzschwert bewaffnet entgegenstellte. Allein bei dem Gedanken daran begann seine Hand wieder zu zittern. Also blieb er unter den Ästen des Birnbaums sitzen und presste den Rücken so dicht gegen den Stamm, wie es ihm möglich war.
Esse kam in Sichtweite, in der einen Hand die Armbrust, in der anderen sein Schwert. Von der anderen Seite des Baums stürmte ein dürrer Ork auf ihn zu. Esse drückte ab und erwischte ihn an der Schulter. Der Ork hielt nur kurz inne, zerrte knurrend an dem Bolzen und stürmte dann weiter – um direkt über Glonds Füße zu stürzen. Esse sprang auf ihn zu und gab ihm mit dem Schwert den Rest.
Er nickte Glond zu. »Gute Arbeit, Junge. Und jetzt sollten wir machen, dass wir von hier fortkommen. Irgendwelche Vorschläge?«
Glond zuckte mit den Schultern und schaute sich um. Sein Blick fiel auf den Turm des Tempels, keine zwanzig Schritt von ihnen entfernt. Es war ein Wehrturm alter Bauart. Aus schweren, dunklen Quadern zusammengesetzt, hatte er kaum etwas gemeinsam mit den kunstvoll behauenen, lichten Gebäuden, die Derok berühmt gemacht hatten. Er wirkte eher wie eine hässliche Kröte, die sich in einen idyllischen Teich gesetzt hatte, um alles, was ihr zu nahe kam, mit bösem Blick zu verscheuchen. Der Eingang befand sich mehr als sieben Schritt über dem Boden. Eine einzige schmale Holztreppe führte zu ihm hinauf. Im Notfall konnte sie mit wenig Aufwand zerstört werden, und der Turm wurde beinahe uneinnehmbar.
»Dort hinauf?« Er deutete nach oben.
»Gute Idee.« Esse warf Glond die zweite Armbrust zu, und sie rannten los.
Ein großer Schatten kreuzte ihren Weg. Glond konnte nicht erkennen, ob es ein Ork oder ein Mensch war oder etwas völlig anderes. Esse schien es sofort zu erkennen – oder es war ihm egal. Sein Kurzschwert schoss nach vorn, Blut spritzte. Die Gestalt stieß einen schrillen Schrei aus, wie ein Schwein auf der Schlachtbank, und stolperte in die Dunkelheit davon. Hastig kletterten sie die steilen Stufen zum Turm hinauf. Die Tür stand offen.
Esse warf einen vorsichtigen Blick durch den Eingang und fuhr so heftig zurück, dass er beinahe rückwärts über das Geländer gekippt wäre. Glond erwischte ihn gerade noch am Ärmel und zog ihn von der Brüstung fort.
Im Inneren des Turms, halb im Dunkel verborgen, stand Kearn.
Als erste Reaktion wäre Glond am liebsten die Treppe wieder hinuntergestürzt und geflohen. Doch unten warteten die Orks. Er konnte sich nicht entscheiden, was schlimmer war. Also blieb er einfach stehen.
In seinem Rücken ertönte das Brüllen von Orks.
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