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Paperweight: Literarische Snacks (German Edition)

Paperweight: Literarische Snacks (German Edition)

Titel: Paperweight: Literarische Snacks (German Edition) Kostenlos Bücher Online Lesen
Autoren: Stephen Fry
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Snooker, Baseball, Autorennen und Badminton. Ich treibe sogar Kraftsport. Doch, ist echt wahr. Zweimal die Woche grunze und schwitze ich unter Aufsicht eines Trainers. Früher bin ich beim Anblick einesSuspensoriums in Ohnmacht gefallen, und heute schwatze ich von Deltamuskeln und anaeroben Phasen. Was ist bloß
los
?
    Ich möchte mich bestimmt nicht als Allround-Helden à la Hemingway präsentieren, zugleich männlich und sensibel. Sie wissen schon: um sechs aufstehen, zehn flotte Runden Ringen mit dem Saufkumpan vom Vorabend; leichtes Frühstück aus Mescal und gegrilltem Stier, den Band Swinburne-Sonette gegen den Pfefferstreuer gelehnt; eine Stunde Ballhaustennis, während man einen Aufsatz über dänisches Email diktiert, danach Mittagessen aus Absinth und rohem Narwalfilet, begleitet von einem Streichquartett, das späten Couperin spielt. Steh’ ich nicht drauf. Dennoch habe ich mein jugendliches Ich verraten, das geschworen hatte, sich eines Tages an den forschen Sportsfreunden zu rächen.
    Im Gegensatz zu den meisten Sportfans empfinde ich eine Art perverses Vergnügen, wann immer ich der
Hooligani Inglesi
ansichtig werde, so abstoßend, wie die sind. Das liegt an der Vorfreude. Jedesmal, wenn ich Berichte sehe, wie die italienische Polizei mit unseren ekelerregenden Landsleuten umspringt, versuche ich mir vorzustellen, was wohl 1994 los sein wird, wenn die Weltmeisterschaft in den USA stattfindet.
    Bei der Behandlung von Vietnamkriegsgegnern zeichneten sich die amerikanische Polizei und die Nationalgarde ja nicht gerade durch Zartgefühl aus. Wenn die die Gelegenheit erhalten, im Umgang mit erstklassigen englischen Fußballfans mal so richtig auf Touren zu kommen, Fans, wie sie ihnen noch nie über den Weg gelaufen sind, dann bin ich sicher, werden sie über sich selbst hinauswachsen.
    Den Anblick eines in den Union Jack gehüllten Flegels, der mit hochrotem Kopf zu den grimmigen, unbarmherzigen Zügen eines Inspector »Dirty« Harry Callahan vomSan Francisco Police Department hochblickt, möchte ich um nichts in der Welt verpassen.
    »Tja, jetzt überlegst du, ob da nun sechs Schüsse raus sind oder nur fünf. Wenn ich ehrlich sein soll, ich hab in der Aufregung selbst nicht mitgezählt. Weißt du, das ist ne 44er Magnum, der Ballermann ist außerordentlich gefährlich. Ich brauch bloß zu drücken, und er reißt dir den Arsch ab. Nun frag dich doch mal, ob du n Glückskind bist. Ist noch ne Kugel drin? Was denkst du, Bruder?«
    »’ere we go, ’ere we go, ’ere we go. En-ger-land!«
    Kawumm!
    Sogar mein junges, sensibles Selbst hätte lernen können, einen solchen Sport zu lieben.

Eine Frage der Zuschreibung
     
    Man erzählt sich die Geschichte, wie F. E. Smith jeden Morgen von seiner Wohnung in St James zur Arbeit spazierte. Der Weg führte ihn an Pall Mall und der Reihe aristokratischer Clubs vorbei, dem diese Durchgangsstraße ihren Ruf verdankt, zum Trafalgar Square, durch die Strand und dann zu den Law Courts, die seine natürliche Domäne und sein Lehen abgaben. Als Mann von ehernen Gewohnheiten, sorgfältig auf die regelmäßige Zufuhr von Backpflaumen bedacht und unerschütterlich in seiner Hingabe zu Haferflocken, fand er es allmorgendlich unumgänglich, beim Athenaeum Halt einzulegen, obgleich er eigentlich kein Mitglied war, um von den ausgezeichneten Örtlichkeiten Gebrauch zu machen, die diese bemerkenswerte Institution auszeichnen.
    Nach mehrjähriger gewissenhafter Observanz und Deduktion kam ein luchsäugiger Portier zu dem Schluß, daßer diesen illustren Gentleman immer nur dann erblickte, wenn dieser sich zu dem genötigt sah, was Lord Byron als morgendliche Opfergabe am Schreine der Cloaca, Göttin der Gedärme, bezeichnet hätte. Eines Tages faßte sich der wackere Portier ein Herz und trat F. E. tatsächlich in den Weg, als dieser soeben Zutritt suchte. »Entschuldigen Sie, Sir«, sagte er, »aber sind Sie eigentlich Mitglied in diesem Club?« – »Gute Güte!« sagte Smith, »wollen Sie mir etwa erzählen, daß es auch ein
Club
ist?«
    Letzte Woche mußte ich an dieses Aperçu denken, als ich Wimbledon als Gast der BBC besuchte, deren unverhohlen und eindeutig marxistische Berichterstattung über das Turnier im Lauf der letzten vierzehn Tage zweifellos viele rechtschaffene Menschen erbost hat, die ich jedoch, sündiger Mensch, der ich bin, so lobenswert und effizient finde. Viele drängten sich dort in den Festzelten der Sponsoren und vermaßen den Nachmittag mit Hilfe von

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