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Pfad der Schatten reiter4

Pfad der Schatten reiter4

Titel: Pfad der Schatten reiter4 Kostenlos Bücher Online Lesen
Autoren: britain
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Hatte er gewusst, dass Karigan gerade jetzt trainieren würde?
    Dumme Frage, dachte sie. Natürlich hatte er es gewusst.
    Sie richtete den Blick wieder auf Karigan, die immer noch in ihrem Tanz versunken war und auf deren Gesicht ein Ausdruck tiefer Konzentration lag. Bestimmt nahm sie die Zuschauer überhaupt nicht wahr. Schlamm spritzte unter ihren Füßen empor, und Schweiß tropfte ihr vom Gesicht. Ihr Zopf peitschte über ihren Rücken.
    Karigan mochte nicht bemerkt haben, wer ihr da zuschaute, aber schon nach einem kurzen Blick auf Zacharias wusste
Laren, dass er keineswegs nur halbherzig zusah. Er verfolgte den Kampf mit der Leidenschaft des Schwertmeisters – oder eines stolzen Vaters beziehungsweise eines äußerst wachsamen Vormundes.
    Oder mit der Leidenschaft eines Liebhabers.
    Sie seufzte. Sie hatte diesen Ausdruck schon öfter bei ihm gesehen, diese Veränderung seiner Haltung, sobald Karigan in der Nähe war. Sie hatte seine Intensität gespürt. Andere würden es vielleicht nicht bemerken, aber sie und Zacharias standen einander sehr nah – sie hatte ihn seit seiner Kindheit gekannt und war ihm eine Art ältere Schwester gewesen, als er aufwuchs. Deshalb konnte sie seine Gefühle genau erfassen und hatte schnell erkannt, dass das Objekt seiner Sehnsucht eine ihrer Reiterinnen war.
    Sie hatte gedacht, dass seine Liebe zu Karigan mit der Zeit nachlassen würde. Sie hatte Karigan auf Botengänge ausgeschickt, um die beiden voneinander fernzuhalten, und gehofft, er würde sein Interesse Lady Estora zuwenden und Karigan vielleicht sogar vergessen. Aber die Art, mit der er nun jede ihrer Bewegungen studierte, bewies Laren, dass ihre Bemühungen vergeblich gewesen waren.
    Laren bemühte sich keineswegs aus Boshaftigkeit darum, ein aufkeimendes Liebesverhältnis zwischen den beiden zu unterbinden. Im Gegenteil: Sie wünschte sich von Herzen, dass Zacharias glücklich wurde, aber als König war sein persönliches Glück weniger wichtig als die Bedürfnisse des Reiches, und sein Reich verlangte, dass er Lady Estora heiratete, weil diese Ehe seinem Reich Stabilität und Kontinuität versprach  – ganz abgesehen davon, dass sie ihm die Loyalität der östlichen Provinzen sicherte.
    Falls Zacharias Lady Estora zurückwies und stattdessen eine Bürgerliche wählte, würde der gebrochene Verlobungsvertrag ungeahnte Konflikte auslösen, bis hin zum Bürgerkrieg,
und dies war das Letzte, das sie jetzt, da das Zweite Reich seine Streitkräfte mobilisierte, brauchen konnten. Es war lebenswichtig, dass Sacoridien einig und stark blieb.
    Überdies sorgte sich Laren um die potenzielle Bedrohung für Karigan. Für manche Fraktionen hing so viel von der Verlobung ab, dass sie alles tun würden, um die Hochzeit zu fördern. Alles. Falls man in Karigan eine Gefahr sah, die vielleicht verhinderte, dass Zacharias sein Verlöbnis mit Lady Estora erfüllte … Nein, das konnte Laren nicht zulassen.
    Elgin berührte ihren Ärmel. »Schau!«
    Laren riss ihren Blick von Zacharias los. Im Übungsring bewegte sich Karigans Gegner jetzt gegen den Rhythmus, den sie etabliert hatten. Er hieb sein Schwert gegen Karigans Knie.
    Fast schneller, als Larens Augen folgen konnten, sprang Karigan zurück und schlug ihm das Schwert aus der Hand.
    »Ha!«, rief Laren und applaudierte.
    Drent blickte zuerst überrascht und dann erfreut drein. »Sieh mal einer an«, sagte er und wandte seine Aufmerksamkeit einem anderen trainierenden Paar zu.
    Karigan selbst schien verblüfft zu sein, und ihr Gegner war offensichtlich schockiert, als er auf seine leere Hand starrte.
    Zacharias entfernte sich bereits mit wehendem Umhang, dicht gefolgt von einer Waffe.
    »Ich glaube, es ist Zeit, dass ich zu meiner Beratung gehe«, sagte Laren. Kaum hatte sie die Worte ausgesprochen, begann die Glocke unten in der Stadt die elfte Stunde zu schlagen. Rasch entfernte sie sich vom Übungsfeld, und Elgin hetzte neben ihr her. »Ist noch etwas?«, fragte sie ihn.
    »Ich wollte schon seit einiger Zeit mit dir über die Ausbildung der Jüngeren reden …«
    »Ich glaube, Mara und Ty können dir damit am besten helfen.«
    »Gerade über Ty wollte ich mit dir sprechen.«

    Laren blieb stehen. »Ty? Was ist mit ihm?«
    »Zu viel Förmlichkeit.«
    »Zu viel …?« Fast hätte Laren gelacht, aber Elgin machte ein ernstes Gesicht.
    »Zu wenig Kampfgeist und Reiten«, sagte er.
    Der letzte Schlag der elften Stunde verklang. Sie war spät dran. »Chef, bitte besprich das

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