Pfad der Schatten reiter4
und das wäre eine Katastrophe für das Bündnis mit dem Klan von Coutre, für das ganze Land und vor allem für seine eigenen ehrgeizigen Pläne. Diese Grüne Reiterin stellte eine Bedrohung dar.
Wenn diese bestimmte Grüne Reiterin tatsächlich die Expedition in den Schwarzschleierwald begleitete, bestand durchaus die Möglichkeit, dass sie nicht überleben würde, und das würde jedes mögliche Problem lösen.
Andererseits war es auch möglich, dass sie lebendig und bei bester Gesundheit zurückkehrte. Er musste dafür sorgen, dass diese Möglichkeit nicht eintrat. Er lächelte und beschleunigte seine Schritte, um seinen Plan sofort in die Tat umzusetzen. Schließlich entsprach dies genau den Wünschen Lord Coutres, oder etwa nicht? Er sollte dafür sorgen, dass die Heirat ungehindert stattfand. Er würde seine Pflicht seinem Klan und seinem Land gegenüber erfüllen und jegliche Bedrohung für diese Eheschließung beseitigen.
SELTSAME SITTEN
Erschöpft und durchnässt von Schlamm und Schweiß hinkte Karigan vom Übungsfeld. Flogger hatte dafür gesorgt, dass sie bitter für den Todespunkt bezahlte, den sie gegen ihn gewonnen hatte. Zumindest hatte sie sich nicht vor den Augen des Königs lächerlich gemacht.
Ihr kam der Gedanke, dass König Zacharias gar nicht zum Übungsfeld gekommen war, um ihr zuzusehen, sondern dass er nur zufällig vorbeigekommen war, als sie gerade trainierte. Vielleicht war er nur lang genug geblieben, um ihr einen flüchtigen Blick zuzuwerfen, vielleicht nicht einmal das.
Sie strich sich ihre wirren Haarsträhnen aus der Stirn. Wollte sie überhaupt, dass er sie beobachtete, wenn sie so aussah? Leider sehnte sie sich allzu sehr danach, dass er sie überhaupt ansah, aber sogar nach ihren Erlebnissen in den Grüften und sogar, nachdem sie zum Ritter geschlagen worden war, hatte er sie nie zu sich berufen.
Das ist auch besser so , entschied sie, aber solche vernünftigen Gedanken trösteten sie nicht, sondern bewirkten lediglich, dass sie noch mutloser wurde.
Sie war so tief in Gedanken versunken, dass sie beinahe mit jemandem zusammengestoßen wäre. Mit jemandem, der elegant gekleidet und sauber war.
»Tut mir leid, Herr«, murmelte sie und wich zur Seite aus, um an ihm vorbeizugehen.
Er stellte sich ihr jedoch in den Weg und hinderte sie daran. Sie sah erschrocken auf.
»Sieh mal an«, sagte er. »Wenn das nicht die verschwindende Dame ist.«
Es dauerte einen Augenblick, bevor Karigan den Mann erkannte, denn er trug einen guten Frackmantel und elegante Hosen, ein makelloses Seidenhemd und eine Krawatte. Sein rabenschwarzes Haar war zurückgebunden, und seine hellgrauen Augen funkelten amüsiert. Das letzte Mal, als sie Lord Amberhill gesehen hatte, war er von der Reise gezeichnet gewesen und hatte zerrissene Kleider getragen.
»Wenn ich es nicht besser wüsste«, sagte er, »könnte man meinen, Sie wollten mit mir tanzen.«
»Kaum«, murmelte sie, irritiert von seinem spöttischen Ton. »Ich habe Euch überhaupt nicht gesehen.«
»Ich bin nicht allzu überrascht, dass Sie durch all den Schlamm nichts sehen können.«
Karigan errötete und fühlte sich noch verdreckter, als sie wahrscheinlich aussah.
Lord Amberhill stemmte seine Hand in die Hüfte und schob seinen Frack beiseite, als wollte ihr er zeigen, wie eng seine Hose saß.
Karigan errötete noch tiefer. »Entschuldigt mich«, sagte sie. Als sie zum Gehen ansetzte, wirbelte er schnell herum und stellte sich ihr erneut in den Weg.
»Wie? Kein freundliches Worte für einen, der Sie in einer schrecklichen Nacht in den Hügeln von Teligmar gerettet hat?«
»Das hatte ich ganz vergessen«, antwortete Karigan, obwohl das nicht stimmte.
Amberhill legte eine Hand auf sein Herz. »Ich bin zutiefst verletzt, dass Sie das vergessen konnten. Schließlich wäre Ihre Hand nicht länger an Ihrem Handgelenk befestigt, wenn ich nicht gewesen wäre.«
Es war nicht gerade eine Erinnerung, an die Karigan gern zurückdachte: ihre Hand auf dem Hackklotz, und Immerez, der mit erhobenem Beil über ihr stand, um ihr das zu nehmen, was sie ihm einst genommen hatte. Ja, Amberhill hatte sie gerettet, aber sie hatte ihm bereits dafür gedankt. Vielleicht erwartete er, dass sie ihm zu Füßen fiel und ihm sagte, wie wunderbar er sei. Möglicherweise war er das von anderen Frauen gewohnt, aber sie würde ihn nicht so behandeln.
»Guten Tag, Herr«, sagte sie in abschließendem Ton. Diesmal machte sie eine Finte nach rechts, wandte sich
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