Privatdetektive (16 Romane in einem Band)
"Dann sind da immer noch die vielen, die er mit Drogen vollgepumpt damit ganz langsam getötet hat." Er zuckte mit seinen schmalen Schultern. "Jetzt hat es ihn selbst erwischt. Soll ich es etwa bedauern?"
Rowland machte eine hilflose Handbewegung.
"Es verlangt ja keiner von uns, daß wir vor Trauer zerfließen. Man erwartet nur, daß wir Arnie Gonellas Mörder finden."
Browne verzog das Gesicht in einer Art und Weise, die Rowland gar nicht gefiel.
"In diesem Fall hätte ich nichts dagegen, wenn wir ihn nicht fänden!" knurrte Browne grimmig. In seinen Augen blitzte es.
Der Captain runzelte die Stirn.
"Browne! So kenne ich Sie ja gar nicht! Sie steigern sich ja richtig in die Sache hinein!"
Browne schluckte und atmete dann tief durch. Seine Hände waren zu Fäusten geballt.
"Ich mag es nicht, wenn wir Cops als Zielscheiben für solche Halunken herhalten müssen..."
"Geschenkt!"
Jemand gab Rowland Gonellas Brieftasche. Rowland öffnete sie und zog ein paar Sekunden später einen zusammengefalteten, aus Zeitungsüberschriften aneinandergeklebten Brief hervor. Unterzeichnet mit: DIE WAHRE POLIZEI.
Rowland hielt das Papier Browne hin und meinte: "Ich mag es auch nicht, wenn auf Cops geschossen wird, aber ich kann es genauso wenig leiden, wenn einer aus unserem Verein durch die Straßen zieht und in eigener Regie Richter und Henker zugleich spielt!"
Etwas abseits stand noch ein weiterer Beamter. Er schaute sich die Szene nur stumm an und schien fast etwas abwesend. Sein Blick war starr auf Arnie Gonella gerichtet.
"Hey, Marvin, träumst du? Hast du gar keine Meinung dazu?" rief Browne, der Lockenkopf, unwirsch. "Gestern beim Bier warst du noch derselben Meinung wie ich!"
Marvin hob leicht den Blick.
Mag sein", murmelte er auf eine Art und Weise, die sein Gegenüber spüren ließ, daß er noch immer nicht ganz da war.
Browne zuckte mit den Achseln und machte eine wegwerfende Handbewegung.
*
"Schon die Zeitung gelesen, Jo?"
"Nein, bin noch nicht dazu gekommen."
"Dieser Killer-Cop hat wieder zugeschlagen. Das elfte Opfer. langsam blamiert sich unser gemeinsamer Freund Rowland mit seiner Truppe in Grund und Boden!"
"Tom wird schon wieder auf die Füße fallen, April. Verlaß dich drauf, er kriegt den Kerl schon!"
Jo Walker, der bekannte New Yorker Privatdetektiv, lehnte sich erst einmal im Schreibtischsessel zurück und studierte die kurvenreiche Figur von April Bondy, seiner attraktiven Assistentin.
April war eine einzige schwindelerregende Silhouette - aber leider wußte Jo ihre Reize nicht so zu würdigen, wie sie das gerne gehabt hätte.
"Du solltest wirklich mal einen Blick riskieren, Jo!" meinte sie, schenkte sich auf eine unnachahmliche Weise einen Kaffee ein, um sich dann auf Jos Schreibtisch zu setzen und gekonnt die Beine übereinander zu schlagen.
Jo grinste unverschämt.
"Tu ich doch!"
April hob die Augenbrauen und widmete Jo einen schmachtenden Blick ihrer unglaublich blauen Augen.
"Eigentlich meinte ich ja die Zeitung!" konterte sie kokett. "Aber gegen das andere habe ich auch nichts!"
"Nun, was ich im Augenblick sehe ist auf jeden Fall um vieles erfreulicher, als alles, was man in der Zeitung lesen kann..."
"Das will ich hoffen!"
Und damit machte April sich wiegenden Schrittes in Richtung Tür davon. Bevor sie Jo allein ließ, drehte sie sich allerdings noch einmal um und meinte: "Übrigens - ist dir bewußt, daß du in etwa fünf Minuten einen Termin hast, Jo? Ich weiß nicht, ob es auf Klienten einen besonders guten Eindruck macht, wenn man sie in einem verschwitzten Jogging-Anzug empfängt!"
Und dann war sie auch schon verschwunden.
Als Jo aufstand, um sich frisch zu machen, fiel sein Blick doch noch kurz auf die Zeitung. 'Wer wird das nächste Opfer des Killer-Cop?' stand dort in großen Lettern.
Armer Tom! dachte der Privatdetektiv mitfühlend. Du machst im Augenblick sicher eine Menge mit! Als Selbstständiger kann man sich seine Fälle in der Regel immerhin noch aussuchen.
*
"Es tut mir leid, daß ich Sie einen Moment habe warten lassen", entschuldigte sich Jo, als er wenig später jenem Klienten gegenüberstand, dessen Name in seinem Terminkalender eingetragen war.
Der Klient war eine äußerst attraktive, dunkelhaarige Schönheit, in deren braunen Augen ein seltsames Glitzern stand, das Jo unwillkürlich schlucken ließ.
"Aber das macht doch nichts, Mister Walker."
"Da war noch ein dringender Fall..." murmelte Jo, während er sich seine Krawatte zu Ende band.
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