Privatdetektive (16 Romane in einem Band)
gefallen.
Der Captain vom Morddezernat wechselte einen grimmigen blick mit Jo.
"Halb so wild!" knurrte er.
"Die Schulter?"
"Glaube, ja. Das geht schon!"
Sobald die Schüsse verebbt waren, die ihr Gegner einfach so aufs Geratewohl abgefeuert hatte, rappelte Jo sich hoch. Mit der Automatic im Anschlag trat er die Tür ein.
Er erwartete das Schlimmste aber da war nur ein offenes Fenster. Die schmuddeligen Gardinen wurden vom Wind hin und her geweht und für den Bruchteil einer Sekunde kam Jo Walker sich wie ein Idiot vor.
Schließlich hatte er die Fassade von außen gesehen. Da gab es kein Herunterklettern. Robert Dionne mußte ein gerissener Kerl sein, aber fliegen konnte er sicher nicht.
Gerade noch rechtzeitig wirbelte Jo herum und blickte in die aufblitzende Mündung eines 38er. Im selben Moment ließ er sich seitwärts fallen und feuerte seinerseits.
Der Killer hatte in der Ecke hinter der Tür gelauert. Er schrie auf.
Jo hatte ihn am rechten Arm erwischt und die Wucht des Geschosses riß ihn ein Stück zur Seite. Ein unkontrollierter Schuß wurde aus dem 38er auf die Reise geschickt und pfiff als gefährlicher Irrläufer durch das Zimmer.
Und dann war Jo schon wieder hoch und kickte Dionne die Waffe aus der Hand, die dieser mit schmerzverzerrtem Gesicht noch einmal hochzureißen versucht hatte.
Jo setzte ihm die Automatic vor die Nase und Dionne erstarrte.
"Das Spiel ist aus, Mister Dionne - oder ist es Ihnen lieber, wenn ich Sie Ballard nenne?"
Inzwischen hatte sich auch Rowland soweit erholt, daß er wieder auf den Beinen war. Er wankte ins Zimmer, wobei er sich ächzend die Schulter hielt.
Grimmig knurrte er in Dionnes Richtung: "Sie sind verhaftet, Mister Dionne. Und Ihre Rechte kriege ich auch noch auf die Reihe." Er japste nach Luft. "Warten Sie..."
*
Zwei Abende später saßen sie alle zusammen in einer Bar in der 5th Avenue: Jo, April, Rowland und auch der inzwischen wieder auf freiem Fuß befindliche Lieutenant Cole Marvin. Rowlands rechte Schulter war dick bandagiert, was es für ihn jetzt völlig aussichtslos machte, sein Jackett zu schließen. Er hob sein Glas und wandte sich an Marvin.
"Ich habe es Ihnen bis jetzt noch nicht gesagt, Marvin, aber..." Er druckste etwas herum.
Marvin nickte. "Ich nehme Ihre Entschuldigung an, Captain!"
Tom Rowland blickte zur Seite. Die Sache war ihm peinlich.
"Ich danke Ihnen, daß Sie mir nichts nachtragen, Lieutenant."
Marvin lachte. "Wer sagt das?"
"Aber..."
"Ich dachte, Sie zahlen meine Rechnung heute Abend!"
Rowlands Gesicht entspannte sich. "Aber bedenken Sie, was ein Captain am Monatsende in der Tasche hat!"
"Jedenfalls mehr als ein Lieutenant!"
Jo klopfte Rowland auf die Schulter. "Keine Sorge, Tom! Ich werde mich zur Hälfte an Marvins Zeche beteiligen! Schließlich habe ja auch eine für eine Weile geglaubt, Marvin sei der Killer-Cop."
"Übrigens die Ballistik-Tests mit Dionnes Waffe haben die Sache so gut wie sicher gemacht", berichtete Rowland. "Sein 38er und das Spezialgewehr, das sich unter dem Bett befand waren die Waffen, mit denen der Killer-Cop seiner Opfer tötete. Das steht fest."
Der Captain bestellte noch einen Drink.
"Dann wird er also verurteilt werden?" meinte April.
Rowland lachte heiser.
"Das ist noch gar nicht so sicher."
"Was?" April machte ein empörtes Gesicht. "Ich dachte, die Beweise wären stichhaltig? Was soll da schief gehen?"
"Nun", meinte Rowland gedehnt. "Es ist nichts Offizielles und ich wäre äußerst sauer, wenn einer von euch damit hausieren geht. Ich habe es selbst nur aus zweiter Hand..."
Jo schlug mit der flachen Hand auf den Schanktisch.
"Raus damit, Tom! Du willst uns doch nicht erst den Mund wässerig, um uns dann verhungern zu lassen!"
Rowland atmete tief durch. Der Mixer stellte ihm seinen Drink vor die Nase und so nahm der Dicke erst einmal einen Schluck. Dann sagte er: "Ich habe läuten hören, daß Dionnes Verteidigung darauf hinauslaufen wird, daß es sich bei ihm um einen gestörten Psychopathen handelt. Er hat keine schlechten Chancen. Wahrscheinlich wird die Dauerunterbringung in einer Anstalt das Ende vom Lied sein."
"Na ja", meinte Jo. "Jedenfalls kann er sicher sein, daß ihm auf dem Weg dorthin nicht ein durchgedrehter Ex-Cop auflauert, um ihm eine Kugel Kaliber 38 in den Kopf zu jagen!"
Kommissar X - Der Tod des Predigers
Neal Chadwick
"Jesus lebt!" rief die sonore, angenehm klingende Stimme von Moss Gardner durch das Mikrofon, während im Hintergrund der Gospel-
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