Privatdetektive (16 Romane in einem Band)
kann man es sagen. Aber Gardner hatte außergewöhnliches Talent. Wir hatten vorher schon eine ähnliche Sendung, aber Gardner war besser! Und zwar um Längen!"
"Woran lag das?" fragte Jo.
"An Gardner. Ganz allein an ihm. Sagen Sie bloß, Sie haben die Sendung nie gesehen, Mister Walker!"
Jo lächelte dünn.
"Nun, in meinem Job hat man keinen geregelten Feierabend. Wenn andere Leute vor der Glotze sitzen, habe ich oft noch was zu tun."
"Ich verstehe."
"Und was war nun so besonders an Gardner? Er ist ja schließlich nicht der einzige Prediger auf dem Schirm."
"Ja, und außerdem knöpfte er den Leuten noch Geld ab!" nickte Miss Conrad. "Aber das nahm einem Mann wie Moss Gardner niemand übel. Er hatte einfach das gewisse Etwas. Persönlichkeit, wenn Sie verstehen, was ich meine. Sein Tod stürzt unseren Sender natürlich in erhebliche Schwierigkeiten. Aber das ist nicht Ihr Problem, Mister Walker."
"Glücklicherweise. Ich frage mich, weshalb ein so beliebter Mann umgebracht wird. Hatte er vielleicht Feinde?"
"Nein. Er wurde von einer breiten Sympathiewelle getragen. Natürlich gibt es da immer die üblichen Rivalitäten." Sie machte eine Pause und meinte dann: "Wenn Sie keine Fragen mehr haben."
Sie erhob sich und Jo brachte sie noch zur Tür.
Als er zurückkam, sah er April in den Unterlagen blättern, die Miss Conrad zurückgelassen hatte.
"Die Halsschlagader aufgeschnitten. Kling ja ziemlich schlimm, Jo! Was hältst du davon?"
Jo Walker zuckte die Achseln.
"Ich weiß es noch nicht. Die Sache ist eine Woche her."
April strich sich die blonde Mähne zurück. "Zu lang, denkst du?"
"Ich will's nicht hoffen!"
*
Die Mercy Foundation hatte ihre Büros in einer piekfeinen Etage in Midtown Manhattan. Von Jo Walkers Residenz in der 7th Avenue aus war es nicht weit entfernt.
"Was kann ich für Sie tun?" lächelte ein entzückendes, braunäugiges Wesen Jo an, als er dort auftauchte. Die junge Frau hatte ein feingeschnittenes Gesicht. Ihre Haare waren genau in der richtigen Mischung aus Eleganz und Lässigkeit hochgesteckt.
Jo musterte ganz kurz die geschwungene Linie ihres grazilen Körpers und erwiderte dann ihr Lächeln.
"Mein Name ist Walker und ich..."
"Der Privatdetektiv?"
Jo hob die Augenbrauen. "Na sollte es wirklich wahr sein, daß ich schon so bekannt bin?" meinte er ironisch. "Sagen Sie mir, wie ich noch als Detektiv arbeiten soll, wenn mich jeder kennt?"
Sie zwinkerte ihm zu und gab zurück: "Ich hoffe nicht, daß ihre Eitelkeit allzu großen Schaden nimmt, wenn ich Ihnen verrate, daß ich nur deshalb erraten habe, wer Sie sind, weil es vorher hier die Runde gemacht hat, daß der Sender Sie engagiert hat!"
Jo zuckte die Achseln. "Ich hoffe, ich werde es überleben."
"Das hoffe ich allerdings auch."
Ihr Augenaufschlag war unnachahmlich.
"Eigentlich bin ich hier, weil ich mit Mister Enright sprechen möchte", erklärte Jo. "Er leitet doch jetzt die Stiftung, oder irre ich mich?"
"Nein, Sie irren sich nicht. Er war Moss Gardners Stellvertreter und nun... Es war irgendwie logisch, daß er den Posten übernimmt."
"Tritt er auch im Fernsehen auf?"
"Nein. Dazu hat er kein Talent."
"Ich verstehe. Wo ist Enrights Büro?
"Dahinten."
Walkers Blick folgte ihrem schlanken Arm. "Danke."
Jo wollte sich schon in Bewegung setzen, da hielt ihre Stimme ihn zurück.
"Er ist nicht dort!" meinte sie im Brustton vollkommener Überzeugung. Sie begegnete Jos Blick und sah ihm offen in die Augen. "Sie können mir ruhig glauben, Mister Walker!"
"Sehe ich so aus, als würde ich Ihnen mißtrauen, Miss..."
"March. Sally March. Und wenn Sie es genau wissen wollen: Sie sehen so aus, als würden Sie mir nicht ein einziges Wort glauben!"
Jo grinste und zuckte die Achseln. "Berufskrankheit, schätze ich. In meinem Job wird man ziemlich oft belogen, wissen Sie?"
"Sie Ärmster!"
"Wie wär's, wenn wir beide uns ein bißchen unterhalten? Schließlich ist Enright ja nicht da!"
"Liebend gerne, Mister Walker. Aber nicht während der Bürostunden. Ich habe jede Menge Arbeit, die darauf wartet, erledigt zu werden!"
"Was ist das denn für Arbeit?"
"Zum Beispiel überprüfe ich im Augenblick die Spesenabrechnungen unserer Mitarbeiter."
Jo lächelte charmant.
"Ich glaube, wir sollten uns nach Büroschluß mal treffen. Wenn Sie mehr Zeit haben!"
Sie lachte und zeigte dabei zwei Reihen strahlend weißer Zähne. "Setzen Sie immer alles so auf eine Karte?" gab sie den Ball zurück.
"Ab und zu schon", nickte Jo.
Sie
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