Privatdetektive (16 Romane in einem Band)
schenkte ihm ein entzückendes Lächeln. "Und warum jetzt?"
"Ich suche einen Mörder."
"Wissen Sie was? Jetzt glaube ich Ihnen nicht!"
"Die Gedanken sind frei, Miss March!"
Ein breitschultriger Mann in den mittleren Jahren tauchte jetzt hinter Sally auf. Er hatte eine hohe Stirn und einen kräftigen, schwarzen Haarkranz. Eine modische Brille mit rotem Gestell gab seinem Gesicht etwas Markantes.
Er nahm Jo zunächst überhaupt nicht zur Kenntnis, sondern wandte sich an Sally.
"Miss March, ich muß Sie dringend sprechen, wenn Sie gleich mal in mein Büro kommen könnten."
"Natürlich."
"Gehen Sie schon einmal vor, ich komme gleich nach." Sie nickte, wechselte einen letzten Blick mit Jo und ging dann. Währenddessen unterzog der Mann Jo einer sekundenschnellen, aber sehr kritischen Musterung.
"Ich habe Sie noch nie hier gesehen!" bekannte er.
"Ich bin Jo Walker..."
"Ach so! Ja, der Sender macht eine Menge Wirbel wegen dem Mord an Mister Gardner... Aber ich glaube nicht, daß Sie mehr herausbekommen, als die Polizei." Er zuckte die Achseln. "Ein Verrückter, so meinte der Mann von der Polizei, als er hier war. Ein Psychopath, der es auf Prominente abgesehen hat." Plötzlich hielt er Jo die Hand hin. "Entschuldigung, ich bin ziemlich unhöflich, was? Mein Name ist Sussman. Jerry Sussman. Ich bin für die Buchhaltung der Stiftung zuständig." Er lachte heiser. "Ich könnte es auch anders ausdrücken: Ich bin eine gut bezahlte Sekretärin zum ordentlichen Abheften von Belegen!"
"Das klingt sehr bitter!" stellte Jo fest.
"Na, ich hoffe, daß wenigstens Sie einen interessanten Job haben, Mister Walker."
Und damit war er auch schon weg.
Walker brauchte nicht lange zu warten, dann schneite Saul Enright doch noch herein, begrüßte Jo mit etwas übertrieben wirkender Freundlichkeit und führte ihn dann in sein Büro.
Zwischen den Fingern hatte er dabei eine Zigarette, an der er ziemlich regelmäßig alle zwei bis drei Sekunden zog. Er hatte ein blasses Gesicht, aber in seinen Augen funkelte es jetzt. Er wirkte irgendwie ziemlich aufgekratzt.
"Setzen Sie sich!" sagte er und bot Jo einen Platz an. Dabei fiel der Blick des Privatdetektivs auf ein Türschild, das man irgendwo abgelegt hatte. 'Moss Gardner' stand darauf.
"War dies früher Mister Gardners Büro?"
"Ja. Aber jetzt habe ich seine Funktionen übernommen. Und auch sein Büro. Obwohl..."
"Obwohl was?"
"Nun, im Grunde, habe ich schon lange die Arbeit gemacht, wissen Sie? Moss hatte das Charisma. Die Ausstrahlung, die Wirkung auf Menschen. Mit dem, was sich hier unten auf der Erde abspielte, hatte er nicht viel zu tun. Die Kleinigkeiten interessierten ihn nicht. Er schwebte immer ein bißchen über den Wolken, wenn Sie verstehen, was ich meine."
"Ich denke schon."
"Tja, wir kommen natürlich jetzt in einige Schwierigkeiten."
"Weil keiner Moss Gardner bei seinen Fernsehauftritten ersetzen kann?"
"So ist es. Wir verhandeln mit Thomas Hogan. Vielleicht kennen Sie ihn, er hatte eine religiöse Sendung auf demselben Kanal, bevor es Moss Gardners Show gab. Hogans Sendung wurde dann abgesetzt, weil Moss einfach besser war. Jetzt verhandele ich gerade mit Hogan. Aber der ist auch allenfalls eine Übergangslösung..."
Jo lehnte sich zurück und nahm eine von seinen eigenen Zigaretten, um sie sich in den Mund zu stecken und anzuzünden. Dabei fiel sein Blick auf das kleine Kreuz, das Enright als Anstecknadel unübersehbar am Revers seines Jacketts trug.
Es war aus Rotgold und wirkte fast wie ein Erkennungszeichen. Hier trug jemand seine Überzeugung sichtbar vor sich her, so daß sie ja von niemandem übersehen werden konnte.
"Gardner wurde in der Garderobe des Studios ermordet, nicht wahr?"
"Ja."
"Hatte denn da jeder Zutritt?"
"Im Prinzip nein."
"Was heißt im Prinzip?"
"Die Garderobe war Moss' Heiligtum. Da durfte ihn niemand stören. Jeder hat das respektiert."
"Der Mörder nicht."
Enright beugte sich etwas vor. Der Zug, den er jetzt von seiner Zigarette nahm, verriet ein wenig Nervosität. "Hören Sie, Mister Walker. Jeder konnte in diese Garderobe hinein! Nach so einer Sendung, entsteht immer ein großer Tumult. Da laufen Dutzende von Menschen auf den Fluren herum. Der eine will dies, der andere das. Außerdem haben wir immer mit Publikum gedreht. Manche der Leute verlaufen sich einfach und benutzen die falsche Tür, weil sie denken, daß sie zum Ausgang gelangen..."
"Ein Mann, der so in der Öffentlichkeit steht, wie Mister Gardner... Sorgt der
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