Privatdetektive (16 Romane in einem Band)
ereiferte sich Hogan, der offenbar einen Teil des Dampfes, der eigentlich noch für Johnson bestimmt gewesen war, nun an Walker ausließ.
Kommissar X nahm das mit Gelassenheit hin.
"Ich darf", sagte er. "Ich habe die Erlaubnis, mich überall umzusehen. Fragen Sie nach!"
Hogan machte eine wegwerfende Geste.
"Macht doch alle, was ihr wollt!" schimpfte er und stampfte davon, ohne sich noch einmal umzudrehen.
Jo sah ihm einen Moment lang nach und wandte sich dann an Johnson. "Was ist denn mit dem los?"
"Kleine Meinungsverschiedenheit. Nichts, was Sie interessieren muß, Mister Walker."
"Ist das der Nachfolger von Gardner?"
"Ja. Vorausgesetzt, wir können uns mit der Mercy Foundation einigen."
"Das verstehe ich nicht."
"Die Stiftung besitzt alle Rechte am Sendekonzept und spricht auch bei der Besetzung mit. Das hat dieser Enright so arrangiert. Ein schlauer Fuchs, bei dem muß man immer zweimal hinsehen, bevor man irgendwo seinen Namen hinsetzt."
"Ich habe mit Enright gesprochen. Er schien mir nicht so begeistert von Hogan zu sein."
"Bin ich ebenfalls nicht. Aber mangels Alternative wird er es wohl so lange machen, bis ein besserer auftaucht. Er hatte früher schon einmal eine Sendung..."
"Aber dann kam Gardner!"
Johnson blickte auf und sah Jo direkt in die Augen. "Sie wissen aber schon ganz gut bescheid - dafür, daß Sie noch nicht lange an dieser Sache dran sind. Mir war übrigens von Anfang an bekannt, daß Sie derjenige sind, den die da oben engagiert haben!"
"In einem Laden wie diesem kann wohl nichts geheim halten, was?"
Johnson lachte. "Nein, Mister. Das braucht man gar nicht erst zu versuchen. Völlig zwecklos!"
"Ich bin eigentlich nur hier, um mir mal den Tatort anzusehen", erklärte Walker dann. "Vielleicht könnten Sie mir behilflich sein."
Johnson zuckte die Achseln.
"Warum nicht? Kommen Sie!"
Johnson ging voraus und Jo folgte ihm. Als sie durch den Flur zur Garderobe gingen, fragte Jo: "Was ist eigentlich Ihr Job?"
"Ich bin der Producer der Sendung. Mann kann auch sagen Mädchen für alles. Jedenfalls komme ich mir oft so vor. Aber ich bin stolz darauf, die einzige wirkliche Livesendung zu machen, die auf unserem Kanal läuft!"
Dann waren sie am Ziel. Johnson öffnete die Garderobentür und ging voran. "Natürlich ist hier alles umgeräumt haben. Das Studio wurde zwischenzeitlich für andere Produktionen benutzt." Er zuckte die Achseln. "Unser Geschäft ist schnellebig, Mister Walker. Wie heißt es doch so schön? The show must go on..."
"Sie arbeiten doch mit Publikum, nicht wahr?"
"Bei Gardners Sendung schon."
"Wenn die Sendung zu Ende ist, dann könnte jeder aus dem Publikum hier her kommen, ohne, daß es besonders auffällt, oder?"
"Wir bemühen uns, daß es nicht passiert, aber bei dem allgemeinen Trubel..."
"Ich verstehe", nickte Jo.
"Wirklich? Was glauben Sie, was hier dann los ist! In der Halle da draußen sind dann annähernd tausend Menschen."
"Könnte außer diesen Tausend noch jemand unbefugt hier her gelangt sein?"
"Nein. Also, ich will mich nicht für unsere Pförtner verbürgen, aber normalerweise braucht man eine ID-Karte, die sichtbar am Revers zu tragen ist." Er lächelte. "So wie das Ding, das man Ihnen gegeben hat, Mister Walker!"
"Und die Leute aus dem Publikum? Bekommen die auch solche Karten?"
Johnson schüttelte den Kopf.
"Nein. Aber die haben vorher eine Eintrittskarte erworben." Er grinste. "Ab hundert Dollar sind Sie dabei! Aber es ist ja für einen guten Zweck."
"Das heißt, wer immer Gardner umgebracht hat: Er gehörte entweder zum Publikum oder hatte hier im Sender an jenem Abend zu tun!"
Johnson hob die Augenbrauen.
"Sie sind der Detektiv!"
"Ich brauche eine Liste der Leute, die am Dreizehnten hier waren. Publikum, Angestellte. Einfach alle."
"Wenden Sie sich an Mrs. Gordon in der siebten Etage. Wenn man Sie wirklich von ganz oben her autorisiert hat, dann wird eine solche Liste keine Schwierigkeiten machen. Aber ich warne Sie: Es werden sehr, sehr viele Namen darauf stehen. Ob Sie damit etwas anfangen können."
"Irgendwo muß man ja anfangen..."
*
Barry Douglas' Rechte umschloß den Griff des Rasiermessers, als die Meldung im Radio kam. Darry Korz, der Broadway-Star war in der vergangenen Nacht ermordet worden. Und die Polizei vermutete, daß der sogenannte Prominenten-Killer für die Tat verantwortlich war.
Douglas verzog das Gesicht, als das Messer seine Haut ritzte. Der weiße Rasierschaum färbte sich an einer Stelle rot. Douglas
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