Privatdetektive (16 Romane in einem Band)
aber..."
"Enright stand immer im Schatten von Gardner. Und als ich gestern mit ihm sprach, schien er mir in einer geradezu enthusiastischen Stimmung zu sein. Er hat auch allen Grund dazu, schließlich sitzt er jetzt an dem Schreibtisch, an dem er schon immer sitzen wollte! Und es gibt noch jemanden mit passender Größe und stichhaltigem Motiv."
Tom hob die Augenbrauen. "So?"
"Thomas Hogan hat auf demselben Kanal früher eine ähnliche Sendung wie Gardner gemacht. Als Gardner auftauchte, war er weg vom Fenster, jetzt bekommt er eine neue Chance."
Rowland seufzte. "Auf jeden Fall wird es Zeit, daß endlich ein Täter präsentiert werden kann! Die Presse macht uns die Hölle heiß, Jo! Vom Staatsanwalt gar nicht zu reden!"
*
Am frühen Nachmittag machte sich Jo in Richtung Süden auf. Moss Gardner hatte ein Haus auf Long Island und Jo fand es an der Zeit, seiner Witwe Pearl einen Besuch abzustatten.
Jo brauchte etwas mehr als eine Stunde, bis er schließlich am Ziel war. Unterwegs aß er ein Sandwich, das er sich unterwegs an einer Ecke gekauft hatte. Das Knurren in seiner Magengegend mußte irgendwie zum Schweigen gebracht werden.
Als er bei Gardners Haus vorfuhr, seinen Wagen abstellte und ausstieg, sah er ein schmuckes, aber äußerlich schlichtes Anwesen vor sich. Zuviel Protz wäre für einen Mann wie Moss Gardner auch nur eine unnötige Angriffsfläche gewesen. Aber als armer Mann war er sicher nicht gestorben, das sagte einem schon ein flüchtiger Blick zur Seite, wo ein schwarzer Jaguar vor einer Garage stand.
Das Hausmädchen, das Walker die Tür öffnete, hatte das Gesicht voller Sommersprossen. Jo zeigte seine Lizenz, von der die junge Frau stark beeindruckt zu sein schien.
"Ich ermittle im Mordfall Gardner...", sagte er dazu. "Und ich hätte gerne kurz mit Mrs. Gardner gesprochen."
Das Mädchen nickte und murmelte: "Einen Moment bitte..."
Sie verschwand und kehrte wenige Augenblicke später zurück. Sie hob das Kinn und blickte Jo mit einem sehr entschlossen wirkenden Gesichtsausdruck an, als sie erklärte: "Mrs. Gardner möchte Sie nicht sprechen!"
"Hören Sie, mein Name ist Walker und ich..."
"Wie auch immer, Mister Walker. Mrs. Gardner möchte Sie nicht empfangen und ich möchte Sie bitten, das zu akzeptieren!"
"Sagen Sie ihr, daß mich der Sender beauftragt hat."
"Mister Walker..."
"Sagen sie ihr das, vielleicht ändert das ihre Meinung."
Die Sommersprossige seufzte. Eine Sekunde lang hing alles in der Schwebe, aber dann drehte sie doch ab, während ein knappes "Warten Sie!" zwischen ihren Lippen hindurchgepreßt wurde.
Und es dauerte nicht einmal eine Minute, dann führte das Hausmädchen Jo in ein schlichtes, aber geschmackvoll eingerichtetes Wohnzimmer. Das Kreuz an der Wand war wohl obligatorisch. Jedenfalls war es groß genug, um in keinem Fall übersehen zu werden.
Pearl Gardner hatte eine Frisur, die ihre strengen Gesichtszüge noch unterstrich. Sie unterzog Jo einer kühlen Musterung und meinte dann: "Sie sind vom Sender, sagen Sie?"
"Ja."
"Haben die kein Vertrauen in die Arbeit der Polizei?"
"Nun, ich glaube, man will, daß die Polizei etwas Unterstützung bekommt!"
Ihr Gesicht blieb völlig regungslos. Es war ihr beim besten Willen nicht anzusehen, was jetzt in ihrem Kopf vor sich ging. Jedenfalls bot sie Jo schließlich doch noch einen Platz an.
"Was wollen Sie wissen?" fragte sie. "Das ist doch Ihr Job, nicht wahr? In den Privatangelegenheiten anderer Leute herumzuwühlen!"
"Sie sagen das nicht sehr freundlich."
"Ich nenne die Dinge gerne beim Namen", meinte sie knapp.
"Immerhin hätten wir da etwas gemeinsam, Mrs. Gardner."
"Ach, ja?"
"Wußten Sie, daß ihr Mann ein Verhältnis hatte?"
Sie blickte auf, aber in ihrem Gesicht gab es nicht das geringste Anzeichen für so etwas wie Überraschung. Sie wußte Bescheid, das war Jo schon klar, bevor sie den Mund öffnete.
"Ja", sagte sie.
"Und wußten Sie auch, wer die Frau war?"
Sie zuckte die Achseln. "Ich weiß nicht, wer es zuletzt gewesen ist, wenn es das ist, was Sie meinen, Mister Walker. Er hatte dauernd irgendjemanden. Vorzugsweise Frauen, die fast seine Töchter hätten sein können."
"War das kein gefundenes Fressen für die Presse?"
Sie machte eine wegwerfende Geste. "Was glauben Sie, wie viel wir insgesamt dafür gezahlt haben, daß nichts an die Öffentlichkeit ging! Jetzt kann ich es ja sagen, schließlich ist Moss tot. Die Sache kann ihm nicht mehr schaden. Einmal, da haben wir es nicht
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