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Purpurfalter

Purpurfalter

Titel: Purpurfalter Kostenlos Bücher Online Lesen
Autoren: Sandra Henke
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in Schutt und Asche zu legen?“ Lomas zuckte mit den Achseln.
    Der blonde Heißsporn zeigte sich unnachgiebig. „Ihr messt der Liebe zuviel Macht bei. Aber gehen wir einen Moment davon aus, es wäre in der Tat an dem. Beunruhigt es Euch nicht, dass der Graf sich Amorgene zuwendet?“
    Ohne zu antworten kratzte Lomas sein Kinn.
    „Könntet Ihr bitte die Fesseln lösen?“ Loreena verdrehte die Augen. Ihre Handgelenke schmerzten. „Ich werde mich wohl kaum gegen zehn Männer zur Wehr setzen können, geschweige denn gegen meinen eigenen Bruder kämpfen.“
    Grimmig löste Artin den Strick. Dann lehnte er sich gegen die Tischplatte. Während er Loreena beobachtete, wickelte er den Strick um seine Hände und zog provozierend daran.
    „Du fragst dich, wer wir sind“, ergriff Lomas das Wort. „Nun, es wurde Zeit, den Geheimbund aufleben zu lassen.“
    „Den Geheimbund?“ Sie runzelte die Stirn, während sie sich die Handgelenke rieb.
    Ihr Bruder nickte. „Ich traue Graf Schomul nicht…“
    „Seine Versprechungen sind nicht den Dreck unter meinen Fingernägeln wert“, unterbrach Artin ihn.
    Lomas fuhr fort: „Die Zeit wird kommen, wo er die Menschen Ingrimms zur Ader lässt, weil die Quellen von Valkenhorst versiegen. Wir brauchen die Purpurne Schriftrolle zurück.“
    „Die Königsfamilie kennt die Rezeptur“, brachte Loreena zaghaft heraus.
    „Es geht weniger um die Rezeptur“, erklärte ihr Bruder. „Die Purpurne Schriftrolle ist vielmehr ein Symbol. Sie wird der südlichen Krisis Kraft geben, an ihre Freiheit zu glauben.“
    „Sie wird das Volk vor den Angriffen der Vampire schützen“, fügte Artin hinzu.
    „Erst wenn wir sie in unserem Besitz haben, werden wir die Rezeptur herstellen. Danach greifen wir an. Es ist wichtig, Schritt für Schritt vorzugehen.“ Lomas nickte ihr zu.
    „Dazu benötigen wir Eure Hilfe“, sagte er mürrisch.
    Loreena horchte auf. „Meine Hilfe?“
    Er brummte: „Nur des Nachts, wenn keine Vampire die Korridore Tides bevölkern, haben wir die Möglichkeit unentdeckt an Schomuls Gemach heranzuschleichen.“
    „Du musst ihn aus seinem Zimmer fortlocken“, fügte Lomas hinzu.
    Sie schreckte auf. „Ich?“
    Unbeirrt sprach ihr Bruder weiter: „Wir durchsuchen es nach der Schriftrolle. Ich bin mir sicher, dass er sie nicht auf der Wolfsburg zurückgelassen hat.“
    „Aber man sagt, er trägt sie stets bei sich“, wandte sie ein.
    „Wohl kaum nachts am Körper“, schnaubte Artin und warf das Seil in eine Ecke.
    Erneut stieg Wut in Loreena auf. Artin nahm sie nicht ernst, obwohl er selbst noch ein Knabe war. Aber sie würde ihm und allen anderen zeigen, was in ihr steckte.
    Sie reckte ihre Nase in die Luft. „In Ordnung.“
    Artin schnaubte, während Lomas sie freudestrahlend umarmte.
    „Ich wusste, du bist auf unserer Seite.“
    Ihr Bruder zog sie sanft auf die Beine. Sie hatte sich also in ihm getäuscht. Seine Gelassenheit war gespielt. Innerlich brodelte es in ihm, aber er hatte seine wahren Gefühle unter der Maske der Gleichgültigkeit versteckt. Er war also doch der Hoffnungsträger Ingrimms! Er ließ sie nicht im Stich.
    Sie fühlte sich auf einmal frisch und stark. Schließlich hatte sie den ganzen Tag geschlafen und durch den Geheimbund neue Zuversicht gewonnen.
    „Lass es uns sofort machen“, sagte sie keck.
    Lomas schob sie von sich fort. „Das ist zu früh. Die Vampire sind sicher in der ersten Nacht auf Tide in Alarmbereitschaft.“
    „Morgen Nacht ist das Bankett. Übermorgen reiten sie bestimmt zurück nach Wölfing. Uns läuft die Zeit davon.“ Aufmunternd lächelte sie ihn an.
    Ihr Bruder winkte ab. „Wir gehen davon aus, dass sie länger in der Festung verweilen werden.“
    „Sie haben das Schwert ins Fleisch gestoßen.“ Aufbrausend hielt Artin seine Faust hoch. „Als nächstes werden sie die Klinge herumdrehen, bis Tide blutet.“
    Welch leidenschaftlicher Hass! Loreena stemmte die Hände in die Hüften. „Ist das Reich erst geschwächt, wäre ein Angriff zu spät. Daher sollten wir so früh wie möglich die Purpurne Schriftrolle in unsere Finger bekommen.“
    „Sie hat Recht.“ Lomas ließ von seiner Schwester ab und winkte die Männer zu sich, die bisher in der Finsternis auf ein Zeichen gewartet hatten. Sie krochen aus den Ecken, allesamt Mitglieder des Heeres, und beäugten Loreena misstrauisch. „Ihr werdet Euch in den Gängen postieren. Artin und ich folgen ihr auf Schritt und Tritt, aber so, dass niemand uns sieht. Sobald

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