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Purpurfalter

Purpurfalter

Titel: Purpurfalter Kostenlos Bücher Online Lesen
Autoren: Sandra Henke
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in ihr Fleisch bohren. Ihre böse Vorahnung bestätigte sich. Sie musste Blut lassen. Die Vampire führten den Bewohnern Ingrimms ihre Überlegenheit vor Augen, sodass diese sich unterordneten. Doch es geschah nichts. Sie öffnete die Lider. Schomul schnupperte an ihrem Hals und kitzelte Loreena. Dann tauchte sein Gesicht neben ihrem auf. Hass schlug ihr entgegen, aber sie sah auch Enttäuschung.
    „Was...?“ Verstört hob sie die Schultern und versuchte Schomul fortzudrücken. Aussichtslos. Er hielt ihre Hüfte mit beiden Armen fest umschlungen.
    „Wie konntet Ihr mir das antun?“, knurrte er leise. „Gerade Ihr.“
    „Ich verstehe nicht.“
    „Ich habe Euch Freiheiten erlaubt, die kein anderer Vampir Euch zugestanden hätte, und Ihr fallt mir in den Rücken. Euer Leben ist verwirkt.“ Er flüsterte in ihr Ohr: „Und Eure Hinrichtung wird mich mehr schmerzen als Euch.“
    „Graf Schomul, bitte...“
    Grob stieß er sie fort. Die Tanzenden blieben stehen. Einige schauten erschrocken, andere belustigt auf das Spektakel, das sich ihnen bot. Das Orchester verstummte. König Wor, Amorgene und Lomas stürzten herbei, Klavorn und Mogall ebenfalls.
    „Was geht hier vor?“ Wors Stimme wetterte durch den Saal.
    Spöttisch lächelnd stand Amorgene neben ihm, die Hände in die Hüften gestemmt. „Die Kleine hat ihren Gönner erzürnt. Eine Todsünde“, zischte sie gerade so laut, dass Loreena es verstand.
    „Schweigt! Alle!“ Graf Schomul hob die Hände, um den Gästen Einhalt zu gebieten. „Die Situation ist zu ernsthaft, um Mutmaßungen anzustellen.“
    König Wor ließ sich nicht einschüchtern. „Ich erwarte eine Erklärung“, wandte er sich an seine Tochter.
    „Ich weiß es nicht…“, begann Loreena. Ihre Gedanken und Gefühle waren durcheinander. Etwas Schreckliches geschah - mit ihr - und sie wusste nicht einmal, was es war.
    „Ihr…“, Graf Schomul zeigte mit dem Finger auf Loreena, „…habt meine Fürsprache missbraucht, habt ausgenutzt, dass ich Küstenmark nicht unterjochte, wie Wölfing es von mir verlangt. Einen Narren machtet Ihr aus mir. Doch das werdet Ihr und das gesamte Reich nun bitter büßen.“
    „Erklärt Euch“, forderte Lomas.
    Ängstlich schaute Loreena ihren Bruder an. Konnte es sein, dass der Geheimbund etwas mit Schomuls Zorn zu tun hatte? Sie schaute zu Amorgene, die sichtlich zufrieden grinste. Vielleicht war dies erneut ein Plan der Vampirin, um Loreena auszuschalten. Hilfesuchend sah Loreena sich um. Niemand amüsierte sich mehr, nicht einmal die Blutsauger, obwohl sie sich über den Streit hätten freuen müssen. Loreena betrachtete Mogall, der ihrem Blick auswich. Der spitzbärtige Vampir starrte auf den Boden der Tanzfläche. War Schomuls Rage sein Werk? Loreena verwarf den Gedanken. Er besaß ebenso wenig einen Grund, wie Klavorn und Wolweer neben ihm. Glöckchen erklangen. Roter Samt schob sich zwischen den Gästen hindurch. Mit gerunzelter Stirn beobachtete Bortlam, wie der Graf nach Loreena griff. Der füllige Vampir faltete die tellergroßen Händen zusammen und hob sein rundliches Kinn an. War das alles vielleicht Schomuls eigenes Werk und kam sein Diener, um ihm zu sekundieren? Oder steckte Bortlam mit Amorgene unter einer Decke?
    Sie schrak aus ihren Gedanken hoch, als der Graf ihre Oberarme umfasste. In diesem Augenblick sah er wie ein gebrochener Mann aus.
    Loreena fühlte sich plötzlich schuldig. „Ich habe nichts Unrechtes getan“, wisperte sie. Obwohl sein Griff schmerzte, schwieg sie darüber.
    „Ihr unterschätzt meine Macht.“
    Sie schüttelte das Haupt, blieb jedoch stumm. Erneut im Mittelpunkt zu stehen und Ärger heraufzubeschwören, beschämte sie.
    Schomul zog sie so nah heran, dass sie seinen Atem auf der Stirn spürte. „Weshalb behaltet ihr Eure Maske weiterhin auf?“ Sein Griff wurde stärker. „Es ist vorbei. Gesteht Eure Niederlage ein, obwohl es Euch nichts nützen wird. Ich muss ein Exempel statuieren, so oder so.“
    „Ein Exempel?“
    „Ihr habt Ingrimm ins Unglück gestürzt, nicht nur Euch selbst. Wie konntet Ihr so dumm sein? Ihr müsst Valkenhorst wohl sehr verabscheuen.“
    „Ich empfinde keinen Hass.“
    „Gut versteckt habt Ihr Eure Ablehnung. Ihr seid in der Tat eine ausgezeichnete Schauspielerin. Doch dieses Mal seid Ihr zu weit gegangen. Sagt mir warum?“
    „Ich habe Euch zu keiner Zeit etwas vorgespielt.“
    „Wolltet Ihr mich provozieren, sehen wie weit Ihr es treiben könnt? Wollt Ihr auf diese Weise einen

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