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Ringwelt

Titel: Ringwelt Kostenlos Bücher Online Lesen
Autoren: Larry Niven
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Küche verwandelt. Solche Kücheneinrichtungen waren damals wohl schon überall im Gebrauch, weil keiner mehr die elektronischen Küchengeräte reparieren konnte. Die Nahrungsmittel für die Küche mußten von da an mit Flugzeugen angeliefert werden.
    Und als schließlich auch die Flugzeuge ausfielen?
    Louis fröstelte es. Er verließ rasch die Küche und suchte die einzige Nahrungsmittelquelle, die in diesem Schloß noch funktionierte. Er aß einen Riegel Preßnahrung, frisch gekocht von dem Küchenautomaten in seinem Flugrad.
    Louis suchte gerade die letzten Krümel zusammen, als der Kzin in den Bankettsaal kam. Er sah nicht mehr aus wie ein Nachtgespenst. Das Gesundheitsspray hatte seinen Zweck erfüllt und war von seinem Körper abgefallen. Jetzt zeigte sich der Dolmetscher in einem schimmernden orangefarbenen Flaum, durch den die rosige, gesunde Haut hindurchschimmerte, durchzogen von einem Netz violetter Adern.
    »Komm mit!« fauchte der Kzin aufgeregt, »ich habe ein Kartenzimmer entdeckt!«

16. Der Kartenraum
    Das Kartenzimmer befand sich in der mächtigen Kuppel auf dem Dach des Schlosses, wie das seiner Bedeutung zukam. Louis war ganz außer Atem, als er hinter dem Kzin die Treppen hinauf stürmte. Der Dolmetscher machte nur ganz gemächliche Schritte. Doch bei seiner Tigergröße konnte er mit einem Satz zehn Stufen auf einmal nehmen. Louis erreichte erst den obersten Treppenabsatz, als der Kzin schon längst hinter der Doppeltür verschwunden war.
    Sekunden später lehnte sich Louis erschöpft gegen den Türpfosten. Er wurde sofort wieder munter, als er das zwanzig Zentimeter breite Band vor sich in Hüfthöhe über dem Boden schweben sah.
    Louis blinzelte. Das war ein riesiger Reifen, der in dem kreisrunden Saal schwebte. Louis schätzte seinen Durchmesser auf vierzig Meter.
    An den blauen, rechteckigen Mustern an der Innenseite des Reifens erkannte Louis sofort, daß es sich hier um ein Modell der Ringwelt handeln mußte.
    Schweigend nahm Louis die Einzelheiten in sich auf.
    Im Mittelpunkt dieses Kartenmodells stand ein Projektionsschirm, der sich offenbar um seine Achse drehen ließ. Hoch oben an der Kuppelwand entdeckte Louis zehn sich drehende Weltkugeln. Sie waren verschieden groß und drehten sich gemessen mit unterschiedlicher Geschwindigkeit um ihre Achsen. Doch diese Globen hatten eines gemeinsam. Sie zeigten die typische Färbung eines erdähnlichen Planeten: Dunkelblau mit weißen Wolkenfeldern, als habe man sie mit Schlagsahne bespritzt. Unter jedem Globus befand sich eine Kegelschrift-Projektion.
    »Ich habe die ganze Nacht in diesem Raum verbracht und gearbeitet«, knurrte der Kzin. »Ich will dir etwas zeigen, was dich bestimmt interessieren wird.«
    Er winkte Louis von der Mitte des Ringes aus zu. Louis bückte sich, um unter dem Ring hindurchzukriechen. Doch mitten in der Bewegung hielt er inne. Der drahtige Mann mit der Adlernase, der unten über dem Bankettsaal schwebte, würde nie den Nacken gebeugt haben - nicht einmal hier in seiner Befehlszentrale. Louis ging also aufrecht auf den Ring zu und durch den schwebenden Kreis hindurch. Der Ring war eine Holoprojektion.
    Louis stellte sich neben den Kzin, der sich ächzend über eines der Schaltpulte beugte, die den Projektionsschirm in der Mitte einschlossen. Die Bedienungsknöpfe waren ungewöhnlich groß und offenbar aus massivem Silber gefertigt. Jeder Knopf stellte den Kopf irgendeines Tieres dar, und die Pulte waren mit Zierleisten und Mustern dekoriert. Symptome von Dekadenz, dachte Louis, ehe er die Anlage genauer studierte.
    Der Schirm in der Mitte leuchtete auf. Louis wähnte sich wieder im Raumschiff, als er an der Sichtluke stand und die Ringwelt von den Sonnenblenden aus beobachtete.
    »Ich hatte das Bild schon einmal eingestellt«, schnarrte der Kzin und berührte einen Knopf. »Wenn ich mich recht erinnere, muß es dieser gewesen sein ...« Das Bild dehnte sich so rasend schnell aus, daß Louis unwillkürlich nach einem Hebel tastete, der ihm als Bremse dienen konnte.
    »Ich möchte dir den oberen Rand der Ringmauer zeigen!«
    Der Kzin bediente einen andern Knopf, ein Monster mit aufgesperrtem Rachen. Das Bild kippte, schoß davon. Dann blickte Louis über den Rand der Ringwelt.
    Irgendwo mußten sich Teleskope befinden, die ihnen diese Projektionen vermittelten. Vielleicht waren sie auf den Sonnenblenden angebracht.
    Louis schaute jetzt auf einen tausend Meilen hohen Berg hinunter. Das Bild wuchs, zeigte immer mehr

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