Risse in der Mauer: Fünf Romane (German Edition)
Völlig kompakt. So kompakt wie ein Basaltfelsen.
Der Obergefreite streichelt wieder diensteifrig seinen Knopf.
Was jetzt erscheint, sieht aus wie das Röntgenkristallogramm eines Kristalls. Mehr oder weniger verschwommene Kreise mit genau demselben Abstand dazwischen.
– Viren in einen Basaltblock eingefroren?
– Ja, erwidert der Hauptgefreite und lächelt ein unfaßbar raffiniertes Lächeln, indem er ein paar blaßblaue Flimmerhärchen in eine entschlossene kleine Wellenbewegung versetzt, es sieht ganz so aus, als ob unsere Freunde es nicht besonders eilig hätten.
Man braucht auch ganz schön solide Sachen, um durch den intergalaktischen Raum zu reisen. Gravitationswellen, die ein paar einsam gelegene Sonnen ungefähr genauso leicht wegblasen wie Sie Ihren Pfeifenrauch, riesengroße dunkle Staubwolken, die weiß der Teufel was enthalten.
Ich meine, mit Ihrer Erlaubnis, daß dieses Flaggschiff ungefähr so vernünftig konstruiert ist, wie ein Flaggschiff dieser Art es sein sollte. Wie wäre es übrigens mit einer Tasse Tee? Wir pflegen nachmittags um diese Zeit immer ein wenig Tee zu trinken, um die Gedanken klar zu halten.
Haben Sie genug gesehen? Es ist, wie Sie aus der Kristallstruktur ersehen, ein einziger kompakter, ungeheuer harter Felsbrocken, ein Turm aus Basalt, wenn Sie so wollen, und irgendwas in diesem Felsen denkt und lebt und will etwas. Nehmen Sie Zucker? Wie viele Stücke? Ah, drei.
Er schlenkerte über das Kontrollpult, das Bild verschwand und wurde durch eine purpurrote, monotone Fläche ersetzt.
– Wissen Sie, das Interessante an der 15. Flotte ist nicht ihr Aussehen. Was uns verblüfft, ist ihr Verhalten. Sie sendet Signale zur Andromeda zurück. Passen Sie mal auf. Ein paar weitere Schlenker am Kontrollpult ließen nicht nur einen, sondern zwei, drei, vier Bildschirme aufleuchten. Auf dem ganz links erschien etwas, das wie ein wahnsinnig kompliziertes Kathodenstrahloszillogramm aussah, mit einer so hohen Frequenz und so dicht, daß es die gesamte Bildfläche mit seinen weißen, wahnwitzigen Linien füllte. Es hatte eine gewisse Ähnlichkeit mit der Stimme einer verrückten Amateursopranistin.
– Ja, sagte der Hauptgefreite Is-Izt, was Sie hier sehen, ist ein ziemlich dichtes Signal. Wir haben ausgerechnet, daß es eine Informationsdichte von etwa 148.000 BITs pro Sekunde hat. Für die Universitätsbibliothek von Uppsala würde es sicher nur ein paar Stunden brauchen. Das Signal ist ein Superpuls, der auf einen Gammastrahl gelegt ist, er ist etwa zehntausendmal schneller als die Lichtgeschwindigkeit. Natürlich existiert dieses Signal nicht in einem physischen Sinn, dann würde es ja nicht schneller sein können als das Licht, es existiert ungefähr auf dieselbe Weise wie die Bedeutung eines Gedichts von Gunnar Ekelöf existiert, ob man es nun in Fraktur druckt oder nicht.
Es ist eine für intergalaktische Verhältnisse ziemlich übliche Anordnung. Wir haben nur ein paar hundert Jahre gebraucht, um es zu dechiffrieren. Das meiste davon haben wir auf Band aufgenommen.
Auf den ersten Kilometern des Bandes befaßt sich die Flotte mit ganz selbstverständlichen Dingen. Je mehr sie sich den äußeren Spiralarmen unserer Galaxis nähert, desto mehr interessiert sie sich für die Masse und Spektralklasse der verschiedenen Sterne. Sie vermißt sie, kontrolliert ihr Spektrum, analysiert die Stoffe, die die Sonnen enthalten. Die Aufklärungsflotte bewegt sich auf eine Art, die plausibel wirkt, wenn man sich über solche Dinge informieren will.
Aber dann geschieht etwas ganz Sonderbares.
Und das macht uns jetzt Kopfzerbrechen.
– Was ist denn so sonderbar?
– Uns ist der Verdacht gekommen, daß sie einen Spion in den äußeren Regionen der Heimatgalaxis hat.
– Einen Spion?
– Ja, einen Spion.
Sie tauscht jetzt nämlich Signale mit einer Stelle in einem Feld, na ja, das spielt keine Rolle, jedenfalls liegt dieses Feld weit draußen. Wir haben es zuerst überhaupt nicht begriffen, weil wir uns nicht denken konnten, was für eine Signalquelle es dort draußen im Halbdunkel geben könnte, aber jetzt haben wir die Sache aufgeklärt.
Sehen Sie sich dieses Diagramm an – Es ist der Kurs der 15. Flotte bis, ja was ist das in Ihrer Zeitrechnung, es muß wohl 1632 sein, ja, 1632.
Nach 1632 schlägt sie dort draußen eine sonderbar elliptische Bahn ein, sehen Sie, es ist fast, als sei sie paralysiert , und zugleich empfängt sie ein neues Signal. So sieht das aus.
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