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Runlandsaga - Die Schicksalsfestung

Runlandsaga - Die Schicksalsfestung

Titel: Runlandsaga - Die Schicksalsfestung Kostenlos Bücher Online Lesen
Autoren: Robin Gates
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Haltung an!
    Alcarasán kannte diese Stimme gut. Sie gehörte Felagarin, dem er befohlen hatte, dem Angriff standzuhalten, bis der Zauber fertig gewoben war. Auf seine Anordnung hin bildete das Heer der Serephin nun einen weitläufigen Kreis. In mehreren Reihen stellten sich die Krieger dicht an dicht. Alcarasán und die Frau neben ihm kamen in der vordersten Reihe zum Stehen.
    »Es wird gleich losgehen«, sagte er leise an sie gewandt. »Denk daran, keiner der Maugrim darf bis in die Mitte unseres Verbandes durchdringen – dort haben die Krieger Stellung bezogen, die mit ihrer Magie ein Loch in diesen Ort reißen werden. Wir müssen ihnen so lange Zeit verschaffen, bis die Falle offensteht. Wenn der Riss erst auseinanderklafft, werden wir alle mit hineingezogen, und der größte Teil des Maugrimheeres ebenfalls. Mit dem Rest werden unsere Kameraden dann hoffentlich fertig werden.«
    »Das weiß ich alles«, sagte die Kriegerin. Sie klang gereizt. »Ich habe mir Euren Plan bei der letzten Besprechung mit unseren Anführern genau gemerkt.«
    Unvermittelt rissen die Kriegstrompeten ab. Alcarasán und die Frau neben ihm wechselten einen angespannten Blick, während der vielstimmige schrille Klang noch eine Weile als Echo in der kühlen Morgenluft hing und dann verflog.
    Eine drückende Stille trat ein, die bleiern und düster über der Hügelkuppe hing. Niemand in dem Heer der Serephin sprach mehr ein Wort. Ein plötzlicher Windstoß, der über den Hügel fegte, war das einzige Geräusch, das die Stille kurz durchbrach, bevor sie sich wieder auf die Kämpfer in der Mitte der grasüberwachsenen Hochebene senkte, die reglos mit gezogenen Waffen standen und abwarteten.
    Von ihrem Standort aus konnten Alcarasán und die Kriegerin das Heer der Maugrim sehen. Die riesigen gepanzerten Käfer rannten weiterhin hektisch und mit aller Wucht ihrer massigen Körper gegen die unsichtbare Barriere an. Hinter ihnen jedoch erkannte er noch etwas anderes. Zuerst war es seinen Augen entgangen, wie etwas, das sich hartnäckig weigerte, gesehen zu werden. Doch dann richtete er seine Aufmerksamkeit fast gänzlich auf die dunklen Rücken der Maugrimkäfer und sah nur am Rande seines Blickfelds auf das Blau des Himmels. Das, was sich dort wie schmutziggraue Wolken ausnahm, bildete schnell die Umrisse von etwas Lebendigem, noch riesiger als die Käfer am Boden, aber formlos, beinahe unsichtbar, wenn man direkt auf sie blickte. Eine siedende Bösartigkeit ging von ihnen aus. Sie ließ die Luft vor ihnen flimmern, als befände sich die Hügelkuppe in der backenden Hitze einer Wüste. Ihm wurde kalt. Der Kriegerin neben ihm war nicht entgangen, wohin er gestarrt hatte.
    Beim Drachen der Erde, was ist das? Das habe ich noch nie gesehen!
    Ich auch nicht, entgegnete Alcarasán grimmig. Und ich glaube nicht, dass wir deswegen etwas vermisst haben.
    Bevor ihm die Kriegerin antworten konnte, ertönte ein dumpfer Schlag, so tief und gewaltig, dass der Boden unter den Füssen der Serephin erzitterte. Es knackte in Alcarasáns Ohren. Der Schmerz war so heftig, dass er sich unwillkürlich zusammenkrümmte. Um ein Haar hätte er sein Schwert fallen lassen. Er war nicht der Einzige.
    Viele der Krieger neben ihm stöhnten mit schmerzverzerrten Gesichtern auf. Einigen glitten ihre Waffen aus den Händen, so dass sie sich bücken mussten, um sie wieder aufzuheben. Und noch immer rollte der mächtige Schlag dumpf grollend über die Hochebene. Von einen Moment auf den anderen war die Anwesenheit der Maugrim noch um ein Vielfaches deutlicher spürbar, als wäre ein Schleier zwischen ihnen und den Serephin, die sie erwarteten, zurückgezogen worden. Heiße Übelkeit begann in Alcarasáns Hals zu brennen. Er schluckte angestrengt. Eine Vielzahl von Stimmen brüllten in seinem Geist auf. Sie alle kreisten um den einen Satz, den auch die Kriegerin neben ihm hervorstieß, wenn auch laut ausgesprochen: »Der Schutzwall ist gefallen!«
    Die Maugrimkäfer bewegten sich nun nicht mehr auf der Stelle, sondern stürmten mit derselben unheimlichen Zielstrebigkeit über das Grasland auf das Heer der Serephin zu, mit der sie eben noch gegen den Schutzwall angerannt waren. Über ihnen schwirrten Wolken von Clar’catt. Im Näherkommen verdunkelten sie den aschgrauen Morgenhimmel. Ihr wütendes Summen eilte ihnen mit dem aufkommenden Wind voran, der den Kriegern heiß in die Gesichter peitschte. Es war der Gennáharis, der nun ungehindert von irgendeiner magischen Barriere über

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