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Saemtliche Werke von Jean Paul

Saemtliche Werke von Jean Paul

Titel: Saemtliche Werke von Jean Paul Kostenlos Bücher Online Lesen
Autoren: Jean Paul
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entfernen. – Eh’ er sichs versieht, ist er faßlich und zu kopieren. Da er inzwischen wenig Gedanken hat: so möchte ihm doch vielleicht ihr Zusammendrängen leichter glücken, da viele der besten straffen Dichter nicht sowohl Gedanken als Worte lakonisch zusammenpressen und ihren leeren Versen durch die Kürze ein eignes Feuer geben, wie der kalten, leeren Luft durch Verdichten die Kraft des entzündeten Schießpulvers zuwächst, oder wie ein engeres Gefäß schales Bier zur geistigen Gärung treibt. – Inzwischen würde wenigen Kanzleiräten ein solcher Beweis, daß der Schulmeister ein poetischer Selbstzünder ist, genugtun, wenn ich nicht den wichtigern Umstand – den ich durch ein medizinisches Attestat bescheinigen kann – zum Beweise seines Talents aufzuführen hätte, daß er das hitzige Fieber hatte und einen kahlen Kopf noch. Häupter aber, die mit Feuer und poetischen Goldadern durchzogen sind, und Berge, in denen beide durchlaufen, sind oben kahl und ohne Gewächse; und eine Glatze ist, wie beim Cäsar, der wahre klassische Boden des Lorbeers. –
    Da jeder Supplikant, der Graf, Fürst usw. werden will, beweisen muß, daß er gräfliche oder fürstliche Einkünfte habe: so mach’ ich mich schon darauf gefaßt, daß die Reichs-Hof-Kanzlei Beweise von mir fodern wird, daß Schnäzler ein Mann von poetischen Einkünften sei und daß er entweder das Armenrecht habe, oder sonst aus der Almosenkasse Gelder erhebe. Dies wär’ an sich leicht darzutun; aber glücklicherweise wird mir der Erweis ungemein leicht dadurch gemacht, daß er zugleich ein Schulmann ist, dessen Verhungern ich bei der Kanzlei hoffentlich postulieren darf, da diesen Heiligen-Geistes-Tauben und den poetischen Singvögeln gleich wenig Hanf auf die Hanfmühle aufgeschüttet wird. Reichliches Futter macht aus Schwarzröcken Rotröcke, d. h. Kardinäle, anstatt daß umgekehrt rote Gimpel vom Hanfschmausen schwarze Federn kriegen. –
    Ich erwarte allerdings von der Billigkeit der Kanzlei, daß sie mir nicht mehr für die Kreation abfodert, als die Kurmainzische Reichs-Hof-Kanzlei-Taxe-Ordnung von 1659 den 6. Jan. ansetzt, nämlich 50 fl. Taxe und 20 fl. Kanzlei-Jura, zumal da ich die Schöpfungs-Kosten aus meinem Beutel bezahle. Der Tax für die poetische Laureatur scheint mir überhaupt schon 1659 ein wenig hoch geschraubt zu sein, besonders wenn ich bedenke, wie viele Laureaturen und Dichter-Patente oder poetische Wappenbriefe bei den Rezensenten, die damit die Messen beziehen, für diese 70 fl. zu erstehen wären, und wie wenig eine Laureatur abwirft: denn die Augen unsers Publikums werden schon lange nicht mehr mit dichterischen Illusionen hintergangen, so wie den klugen Blinden gemalte blinde Fenster oder Türen nichts weniger als verblenden und betören.
    Ich hoffe, daß Ew. noch im Hundsfottgäßchen wohnen und bin etc.«
     
     
    *
     
    Die Laureatin, Eva, stellte jetzt den Kaffeetopf neben das Dintenfaß, ohne im geringsten auf beider gelben Inhalt anzuspielen. Ich pries sie ins schöne Gesicht, daß sie sich einen solchen Sponsus ausgeklaubt, für den ich gerade nach Wien ein langes Schreiben erlassen hätte. Der Kronprinz und Großfürst Weyermann trat zu uns und sagte, zum Glück sei der Gerichtsdiener und Liktor angelangt – das Obersees muß sich bekanntlich mit einem geborgten Gericht behelfen –, und der Ranzenadvokat sei um 10 Uhr vorgeladen worden, sich zu sistieren. Alle Leute in praktischen Ämtern gewöhnen sich eine eigne, wenig schonende Härte gegen Gemeine an: er fuhr in Evens Beisein fort und meisterte sein zu hoch aufgeballtes Bette und referierte, er habe gegen 1 Uhr einen Fall daraus getan wie ein Quersack. Ich gestand, ich hätte mich leicht in meiner Bette-Empor und Montgolfiere erhalten, bloß dadurch, daß ich im Finstern die Nachtmütze statt eines Senkbleies in die Stube fallen lassen; – ich konnte aus der Zeit, die zwischen dem Loslassen und dem Auffalle der Mütze verstrich, leicht die ganze senkrechte Tiefe vom Kopfkissen zur Diele berechnen und mich dann aus Vorsicht an die Wand zurückziehen.
    Allmählich liefen die Untertanen zusammen, die Weyermannen heute ihre Hand geben und damit versprechen wollten, getreu unter seiner zu stehen. Aber er warf schon, eh’ er über die höchste Stufe zu seiner Thronspitze hinauf war, Privilegien und Permissionen aus, z. B. für Kirschen- und Pfeffernüsse-Weiber, denen er freies Feilhalten erlaubte. Dieser Ludwig XVIII. erließ an die

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