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Saemtliche Werke von Karl May - Band 01

Saemtliche Werke von Karl May - Band 01

Titel: Saemtliche Werke von Karl May - Band 01 Kostenlos Bücher Online Lesen
Autoren: Karl May
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Abenteurer in seiner Ruhe gestört worden sei, und sich nun erhoben hatte, um an ihnen Rache zu nehmen.
    Er sah, daß drei von ihnen heftig erschraken, und nur der vierte, Diaz, sich so beherrschen konnte, daß man ihm seine Ueberraschung nicht anzumerken vermochte. Diaz hatte Bois-rosé schon am Salto de Agua gesehen und dann auch erfahren, daß er und sein Gefährte in einer Minute zwei Tiger getödtet hatten; ihre Namen aber kannte er nicht.
    Der Indianertödter gab Antwort und führte das Gespräch. Auch Fabian mußte sich erheben, und wurde von den Untenstehenden beinahe wie ein Gespenst angegestarrt. Als Arechiza der Aufforderung des Kanadiers, das Gold wieder abzuladen, nicht gehorchte, bedurfte es nur eines Winkes von Rosenholz, die Büchsen Pepe’s und Fabians krachten, Pepe hatte augenblicklich wieder geladen und abgedrückt, und unter den drei Kugeln waren die Pferde todt zur Erde gestürzt. Als Estevan nun sein Gewehr zu erheben wagte, konnte es Pepe nicht mehr in seiner zuwartenden Stellung aushalten; er sprang empor, und auf seine etwas zu schnelle Mahnung suchten Baraja und Oroche das Weite. Auch Don Estevan gelang es,   auf das Pferd Diaz’ zu kommen. Das war dem guten Miquelete von Elanchovi zu viel. Er erhob die Büchse und legte schon den Finger an den Drücker, um den Grafen de Mediana vom Thiere herabzuschießen, als Fabian noch zur rechten Zeit seinen Arm ergriff.
    »Halt, nicht schießen! Schont sie beide!«
    Der Kanadier lächelte wie Einer, dem die Ausführung einer großen Schwierigkeit nur Spaß und Unterhaltung gewährt.
    »Hab keine Sorge, mein Sohn; das Pferd gehört meiner Kugel. Lauft schnell, ihnen nach!«
    Fabian und Dormillon ließen sich sofort mit augenscheinlicher Lebensgefahr an den steilen Felsenwänden der Pyramide herabgleiten und sprangen den Fliehenden nach. Rosenholz aber folgte mit dem Laufe seiner langen, schweren Büchse, welche wie auf einer eisernen Gabel in seinen Händen ruhte, den Sprüngen des Pferdes auf der Ebene.
    Die zwei Reiter, welche in gerader Linie vor ihm flohen, schienen nur einen und denselben Körper zu bilden. Das Kreuz des Pferdes, die Schultern des Petro Diaz – das waren die einzigen Punkte, die seiner Kugel erreichbar schienen, und kaum kam einmal, von einem Augenblicke zum andern, eine Ohrenspitze des Pferdes zum Vorschein. Diaz opfern, hieß gegen den Willen Fabians handeln und einen unnützen Mord begehen, denn Don Estevan entkam dann dennoch – nur noch einen einzigen Augenblick, und die Flüchtlinge waren aus dem Bereiche des auf sie gerichteten Gewehres.
    Aber der Kanadier gehörte zu jener Klasse von Jägern, die eine Fischotter oder einen Biber in das Auge schießen, um das Fell nicht zu verderben, und es galt, den   Kopf des Pferdes zu treffen, da dieses, wenn es an einem andern Körpertheile nur verwundet wurde, seine Reiter aus dem Bereiche der drei Jäger noch fortgetragen hätte.
    Nur eine Sekunde lang wandte das Thier, dem Zügel gehorchend, den Kopf ein wenig zur Seite – dieser Augenblick genügte dem Kanadier. Er drückte ab, der Schuß krachte, und die Kugel pfiff so nahe an den Wangen von Estevan und Diaz vorbei, daß es sie kalt überlief.
    Im nächsten Momente stürzte das Pferd todt zu Boden und die beiden Reiter mit ihm.
    Der Sturz war so heftig, daß er die Abgeworfenen beinahe betäubte. Trotz der Dringlichkeit ihrer Lage vermochten sie sich nur langsam wieder aufzurichten, und da kamen auch schon Fabian und Pepe, die Büchse in den Fäusten, und die Messer zwischen den Zähnen, in weiten Sätzen auf sie zugesprungen.
    Weit hinter seinen beiden Freunden kam jetzt auch Bois-rosé mit Riesenschritten nach und lud während des Laufes seine Büchse wieder. Als er mit dem Laden fertig war, blieb er stehen, unbeweglich, wie ein aus der Erde gewachsener Eichenstamm. Er war sich gewiß, so die Situation beherrschen zu können.
    Der Karabiner von Petro Diaz war weit fortgeschleudert worden und hatte sich entladen; er konnte jetzt seinem Besitzer nichts nützen. Dieser bog sich nieder und zog aus dem Knieriemen seiner Reitgamaschen ein langes, scharf geschliffenes Messer hervor.
    Don Estevan hob seine englische Flinte, welche ihm auch entfallen war, wieder auf und schlug an. Er war unentschlossen, ob er mit dem ersten Schusse Fabian oder Pepe niederstrecken sollte, – aber der Kanadier beobachtete   jede seiner Bewegungen. Noch ehe er zu einem Entschlusse gekommen war, blitzte es aus der Büchse desselben auf, und die

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