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Saemtliche Werke von Karl May - Band 01

Saemtliche Werke von Karl May - Band 01

Titel: Saemtliche Werke von Karl May - Band 01 Kostenlos Bücher Online Lesen
Autoren: Karl May
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Nacht« an den Ingenieur, welcher wohl bei den Karten sitzen wird, wenn Ihr dort angedampft kommt. Good road!«
    »Good night, Sir!«
    Einige schrille Pfiffe, und der Zug setzte sich in Bewegung. Als das Geräusch desselben verschollen war, meinte der eine der Späher: »Nun, weißt du, woran du mit dieser Lokomotive bist?«
    »Ja, ich bin beruhigt. Sie bringt leere Wagen nach Wallace, welche dort gebraucht werden. Mein Verdacht war unbegründet. Verdacht ist hier überhaupt Unsinn. Der Plan ist so gut angelegt, daß er unbedingt gelingen muß. Wir könnten eigentlich schon jetzt aufbrechen.«
    »Nein. Der Cornel hat uns befohlen, bis Mitternacht zu warten, und wir haben ihm zu gehorchen.«
    »Meinetwegen! Aber wenn ich bis dahin hier aushalten soll, so sehe ich nicht ein, wozu ich meine Augen unnütz anstrengen soll. Ich werde mich niederlegen und schlafen.«
    »Ich auch; das ist das gescheiteste. Später wird es keine Zeit und wohl auch keine Lust zur Ruhe geben.«
    Old Firehand zog sich schnell zurück, denn die beiden bewegten sich von ihren Stellen, um es sich möglichst bequem zu machen. Er kehrte zum Ingenieur zurück, um diesen wegen der Worte, welche er gerufen hatte, zu loben. Er begab sich mit ihm in das Innere des Hauses, wo sie bei Wein und Zigarren der Stunde des Aufbruches harrten. Es gab nur noch zwanzig Arbeiter im Orte, und das genügte vollkommen, da keine Feindseligkeit zu erwarten war.
    Die übrigen Leute hatten sich, dem ihnen erteilten Befehle gemäß, fortgeschlichen. Außerhalb Sheridans warteten sie aufeinander und folgten dann der Strecke, bis sie die gebotene Entfernung zurückgelegt hatten. Dort blieben sie halten, bis der Zug kam und sie aufnahm. Er brachte sie bis an den Eagle-tail, wo er anhielt. Daß die Tramps das nun Folgende beobachten würden, war gar nicht möglich, da dieselben jedenfalls schon aufgebrochen waren. Der Fluß zwang sie, sich bei ihrem Ritte in einer solchen Entfernung von der Bahn zu halten, daß sie gar nicht gewahren konnten, was auf derselben geschah.
    Old Firehand hatte mit seinem geübten Scharfblicke ein außerordentlich geeignetes Terrain ausgewählt. Die Bahn hatte den Fluß, welcher hier von hohen Ufern eingeengt wurde, zu überschreiten. Sie that dies damals mit Hilfe einer Interimsbrücke, über welche das Geleise führte, um drüben direkt in einen ungefähr siebzig Meter langen Tunnel zu treten. Wenige Schritte vor dieser Brücke hielt der Zug, welcher nicht, wie die beiden Späher gemeint hatten, aus lauter leeren Wagen bestand die zwei letzten waren vielmehr mit dürrem Holze und Kohlen beladen. Kaum war der Train zum Stehen gebracht, so trat aus dem ringsum herrschenden Dunkel der Nacht ein kleiner, dicker Kerl, welcher wie ein Frauenzimmer aussah, zur Lokomotive und fragte den Führer derselben mit hoher Fistelstimme »Sir, was wollt Ihr denn jetzt schon hier? Bringt Ihr etwa die Arbeiter?«
    »Ja,« antwortete der Gefragte, indem er die sonderbare Gestalt, welche gerade im Lichtschein der Feuerung stand, erstaunt betrachtete. »Wer seid denn Ihr?«
    »Ich?« lachte der Dicke. »Ich bin die Tante Droll.«
    »Eine Tante! Donner und Doria! Was haben wir denn mit Frauenzimmern und alten Tanten zu thun!«
    »Na, erschreckt nur nicht so heftig! Es könnte Euren Nerven schaden. Tante bin ich nur so nebenbei; man wird Euch das später erklären. Also warum kommt Ihr?«
    »Es geschieht auf Befehl Old Firehands, welcher zwei von den Tramps abgeschickte Spione belauscht hat. Diese hätten Verdacht geschöpft, wenn wir später aufgebrochen wären. Gehört Ihr zu den Leuten dieses berühmten Masters?«
    »Ja; aber reißt ja nicht aus vor Angst; es sind lauter Onkel, und ich bin die einzige Tante dabei.«
    »Fällt mir nicht ein, mich vor Euch zu fürchten, Miß oder Mistreß. Wo sind denn die Tramps?«
    »Fort, schon vor drei Viertelstunden aufgebrochen.«
    »So können wir also die Kohlen und das Holz abladen?«
    »Ja. Nehmt Eure Leute wieder auf, und ich werde zu Euch steigen, um Euch die nötigen Winke zu geben.«
    »Ihr? Winke geben? Man hat Euch doch nicht etwa zum General dieses Armeecorps gemacht?«
    »Jawohl bin ich das, mit Eurer gütigen Erlaubnis natürlich. So, da bin ich. Und nun laßt Euer Pferd hübsch langsam über die Brücke laufen und dann gerade so halten,daß die Kohlenwagen an den Eingang des Tunnels zu stehen kommen.«
    Droll war auf die Lokomotive gestiegen. Die Arbeiter hatten beim Halten des Zuges die Wagen verlassen, mußten aber

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