Bücher online kostenlos Kostenlos Online Lesen
Saemtliche Werke von Karl May - Band 01

Saemtliche Werke von Karl May - Band 01

Titel: Saemtliche Werke von Karl May - Band 01 Kostenlos Bücher Online Lesen
Autoren: Karl May
Vom Netzwerk:
Zeit meiner Vergangenheit aber es hat noch nicht die Gelegenheit gegeben, über dieselbe zu reden.«
    »So hole das jetzt nach. Von uns allen andern weißt du, was wir sind und was wir waren. Wir haben alle während des Rittes hieher Brüderschaft gemacht und müssen uns also kennen; nur von dir und über dich wissen wir nichts, fast gar nichts.«
    »Weil es überhaupt nicht viel ist, was ihr erfahren könnt. Übrigens meinen Heimatsort kennt ihr bereits.«
    »Ja, Langenleuba im Altenburgischen. Was war dein Vater? Dürfen wir es wissen?«
    »Warum nicht!« lächelte Droll. »Er war mehr, weit mehr als der Vater manches andern Mannes gewesen ist. Wir haben bis früh drei Uhr auf die Tramps zu warten, und so gibt es Zeit genug, euch alle seine Ehren und Würden zu nennen. Er war Glöckner, Kellner, Kirchner und Totengräber, Kindtaufs-, Hochzeits- und Leichenbitter, Sensenschleifer, Obsthüter und Bürgergardenfeldwebel. Da habt ihr es!«
    Man sah ihn forschend an, um zu erkennen, ob er im Scherze oder im Ernste spreche.
    »Glaubt’s nur immerhin!« versicherte er. »Er ist das gewiß und wirklich gewesen, und wer die Verhältnisse da drüben kennt, der weiß nun, daß mein Vater ein blutarmer Teufel war, und aber trotzdem in Ehren stand und die Achtung seiner Mitbürger genossen hat. Wir waren fast ein Dutzend Kinder und haben gehungert und gekummert, um ehrlich durch die Welt zu kommen, und ich kann euch später wohl erzählen – – –«
    »Halt, bitte!« unterbrach ihn da der Schichtmeister. »Ihr achtet nur auf den Wunsch der andern, aber nicht darauf, Sir, daß ich nach Euch gefragt habe. Old Firehand hat mir Euren Namen sagen lassen – – –«
    »Ja, er ist der einzige, welcher weiß, daß ich so heiße.«
    »Damit,« fuhr Watson fort, »ich von Euch erfahren möge, was aus Eurem Landsmann Engel geworden ist.«
    »Engel? Welchen Engel meint Ihr?«
    »Den Jäger und Fallensteller, welcher droben am Silbersee gewesen ist.«
    »Den, den meint Ihr?« fuhr Droll auf. »Habt Ihr ihn gekannt?«
    »Wie mich selbst! Lebt er noch?«
    »Nein; er ist tot.«
    »Wißt Ihr das genau?«
    »Ganz genau. Wo habt Ihr ihn denn kennen gelernt?«
    »Eben droben am Silbersee. Wir haben einen ganzen Winter dort verbringen müssen, weil wir eingeschneit – – –«
    »So heißt Ihr Watson?« rief Droll, ihn unterbrechend.
    »Ja, Sir; so ist mein Name.«
    »Watson, Watson! Welch ein Zufall! Doch nein, es gibt ja keinen Zufall! Es ist Gottes Schickung! Master, ich kenne Euch, wie ich meine Tasche kenne, und habe Euch doch noch nie gesehen.«
    »So hat man Euch von mir erzählt? Wer ist das gewesen?«
    »Der Bruder Eures Kameraden Engel. Schaut her! Dieser Knabe heißt Fred Engel; er ist der Neffe Eures Gefährten vom Silbersee und mit mir ausgezogen, um den Mörder seines Vaters zu suchen.«
    »Ist sein Vater ermordet worden?« fragte Watson, indem er dem Knaben die Hand bot und ihm freundlich zunickte.
    »Ja, und zwar einer Zeichnung wegen, welche – – – «
    »Wieder die Zeichnung!« fiel der Schichtmeister ein. »Kennt Ihr den Mörder? Jedenfalls ist’s der rote Cornel!«
    »Ja, er ist’s, Sir. Aber – – er soll ja auch Euch ermordet haben!«
    »Nur verwundet, Sir, nur verwundet. Der Stich traf glücklicherweise nicht ins Herz. Dennoch wäre ich an Verblutung zu Grunde gegangen, wenn nicht ein Retter erschienen wäre, ein Indianer, welcher mich verband und dann zu andern Roten brachte, bei denen ich bleiben durfte, bis ich gesund geworden war. Dieser, mein Retter, ist der berühmteste der Indianer und heißt – – –«
    Er sprach den Satz nicht aus; er hielt mitten in demselben inne; richtete sich langsam empor und starrte nach dem Felsen, als ob er eine überirdische Erscheinung sähe. Von dorther kam Winnetou langsam gegangen. Er hatte sich entfernt, um zu rekognoszieren.
    »Da kommt er, da kommt er, Winnetou der Häuptling der Apachen!« schrie der Schichtmeister. »Er ist da, er ist hier! Welch ein Glück! Winnetou, Winnetou!«
    Er stürzte auf den Häuptling zu, faßte die Hände desselben und zog sie an seine Brust. Der Apache blickte ihm ins Angesicht, und seine Züge legten sich in ein weiches, freundliches Lächeln, als er antwortete: »Mein weißer Bruder Watson! Ich kam zu den Kriegern der Timbabatsch und erfuhr von ihnen, daß du wieder gesund geworden und nach dem Mississippi gegangen seist. Der gute Manitou muß dich sehr lieb gehabt haben, daß er deine Wunde, welche schlimmer war, als ich dir

Weitere Kostenlose Bücher