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Saemtliche Werke von Karl May - Band 01

Saemtliche Werke von Karl May - Band 01

Titel: Saemtliche Werke von Karl May - Band 01 Kostenlos Bücher Online Lesen
Autoren: Karl May
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gestand, heilen ließ. Setze dich nieder, und erzähle, wie deine ferneren Tage bis auf den heutigen verlaufen sind!«
    Es gab keinen, welcher gemeint hätte, daß jetzt der Gedanke an die Tramps weit notwendiger sei als die Erzählung der Erlebnisse des Schichtmeisters. Was Winnetou that, war gewiß richtig; wenn er die Aufmerksamkeit von dem eigentlichen Grunde der Anwesenheit so vieler Menschen auf die eine Person, den Schichtmeister, lenkte, so hatte er sicher seine gute Absicht dabei und hatte sich auf seiner Rekognoszierung überzeugt, daß man sich vollständig in Sicherheit befinde und ganz ruhig von etwas anderm als den Tramps sprechen könne.
    Natürlich waren alle gespannt auf die Erzählung eines Mannes, welchem Winnetou das Leben gerettet hatte, und man hörte fast keinen lauten Atemzug, als Watson jetzt sein Abenteuer so berichtete, wie er es Old Firehand und dem Ingenieur erzählt hatte. Als er zu Ende war, zögerte er keinen Augenblick, zu fragen: »Und Ihr, Master Droll, könnt mir also sagen, was aus meinem Kameraden geworden ist?«
    »Ja, das kann ich,« antwortete der Dicke. »Ein toter Mann ist aus ihm geworden.«
    »So hat der Cornel ihn ermordet?«
    »Nein, aber verwundet, grad’ so wie Euch, und daran ist der arme Teufel gestorben.«
    »Erzählt, erzählt, Sir!«
    »Das ist schnell berichtet; ich brauche gar nicht viele Worte zu machen. Als der Cornel Euch vom Lagerplatze fortgelockt hatte; begann Engel darüber nachzudenken, daß Ihr als waffenloser Mann dem Roten bei der Jagd doch gar nichts nützen könntet. Warum hatte er Euch mitgenommen? Er mußte eine besondere Absicht, welche mit der Jagd gar nichts zu thun hatte, dabei verfolgen. Ihr beide hattet dem Cornel nicht getraut, und nun wurde es Engel, der Euch sehr lieb gewonnen hatte, angst um Euch. Diese Angst ließ ihm keine Ruhe, und so machte er sich auf, um Euren Spuren, welche sehr deutlich waren, nachzufolgen. Die Sorge verdoppelte seine Schritte, und so hatte er Euch nach Verlauf von vielleicht einer Stunde soweit eingeholt, daß er Euch sehen konnte. Er trat eben um die Ecke eines Gebüsches, als er Euch erblickte; aber was er sah, riß ihn wieder hinter dieselbe zurück. Vor Entsetzen fast starr, sah er durch die Zweige. Der Rote stach Euch nieder und kniete dann über Euch, um sich zu überzeugen, ob die Wunde tödlich sei. Dann stand er wieder auf und blieb, wie sich besinnend, eine Weile stehen. Was sollte nun Engel thun? Den wohlbewaffneten Mörder angreifen, um Euch zu rächen, er, der keine einzige Waffe besaß? Das wäre Wahnsinn gewesen. Oder sollte er warten, bis der Cornel sich entfernt hatte und dann zu Euch gehen um nachzusehen, ob vielleicht noch Leben vorhanden sei? Auch das nicht! Ihr waret ja sicher tot, sonst hätte der Kerl gewiß mit einem nochmaligen Stiche nachgeholfen, und sodann wäre der Rote unbedingt auf Engels Spur getroffen und hätte ihn verfolgt und auch kalt gemacht. Nein; hatte der Schurke Euch ermordet, so sollte jedenfalls die Reihe nun an Engel kommen, und so erkannte dieser, daß die schleunigste Flucht das einzige sei, was er zu unternehmen habe. Er wendete sich also zurück und eilte davon, erst auf der bisherigen Spur zurück und dann, als das Terrain günstig war, ostwärts ab. Aber nur zu bald sollte er den Beweis bekommen, daß der Mörder sich nicht lange an der Stelle seiner That aufgehalten, sondern zurückgekehrt, die Fährte gefunden habe und derselben nachgegangen sei. Engel hatte eine Höhe erstiegen und sah, als er da zurückblickte, den Roten hinter sich herkommen, zwar noch im Thale unten, aber doch nur in einer Entfernung von höchstens zehn Minuten. Jenseits der Höhe gab es eine ebene Prairie. Engel rannte hinab und dann weiter, immer geradeaus, so schnell er konnte. Erst nach einer Viertelstunde wagte er es, für einen Augenblick stehen zu bleiben und sich umzublicken. Er sah den Verfolger viel näher hinter sich als vorher und rannte weiter. Die Hetze ging wohl eine Stunde lang fort, bis Engel Büsche vor sich sah; er glaubte sich gerettet; aber die Büsche standen weit auseinander, und dazwischen gab es fettes Gras, welches die Spuren der Füße in größter Deutlichkeit aufnahm. Der Flüchtige war eigentlich ein guter Läufer; aber die Entbehrungen des harten Winters hatten ihn doch entkräftet; der Verfolger kam ihm immer näher. Als er sich wieder umblickte, sah er ihn in einer Entfernung von höchstens hundert Schritten hinter sich. Das spornte seine Kräfte zur

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