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Salomes siebter Schleier (German Edition)

Salomes siebter Schleier (German Edition)

Titel: Salomes siebter Schleier (German Edition) Kostenlos Bücher Online Lesen
Autoren: Tom Robbins
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für die Kakerlaken. «Wie lang solln wir denn noch warten?», fragte er.
    «So lang, bis der liebe Gott so weit is.»
    «Patsy hat recht», sagte Verlin. «Scheint mir nich ganz koscher, sich in Gottes Planungen einzumischen. Ihn zu was drängen. Is dir das denn völlig egal?»
    «Inzwischen ja. Irgendwann is mir ein Ausspruch eingefallen: ‹Hilf dir selbst, dann hilft dir Gott.› Vielleicht hat Jesus Christus deshalb so verflucht lang gebraucht. Er hat dagesessen und gewartet, dass wir unsere fetten Ärsche hochkriegen und loslegen. Immerhin ham sich die Juden mittlerweile Jerusalem geschnappt. Jedenfalls is es ihnen nich auf’m Silbertablett serviert worden. Und es wird allmählich Zeit, die Sache zu Ende zu bringen.»
    Verlin schüttelte den Kopf. «Ich weiß nich, Bud …»
    «Na, aber ich. Ich hab nämlich ’ne Vision gehabt. Klar und deutlich. Mitten in eurem Wohnzimmer. Und das is der einzige Grund, warum ich euch in unsre Pläne einweihe, ’türlich kann ich euch nich alles erzählen.» Wieder warf er einen misstrauischen Blick auf Ellen Cherry. «Und eigentlich sollte ich vor unserm durchtriebnen Zuckerpüppchen hier
kein Wort
sagen. Nich bei den Freunden, die sie hat.»
    «Nun mach aber mal halblang, Onkel Buddy.»
    «Wir ham Spike und Abu gestern Abend kennengelernt», sagte Patsy. «Es sind sehr nette Herren.»
    «Nette Werkzeuge des Teufels.»
    Verlin widersprach. «So übel waren sie nich, Bud.»
    «Ach nein? Na, dann will ich euch was sagen …»
    «Jetzt halt endlich den Rand! Du hast vielleicht Nerven! Du willst sie kritisieren, gerade du mit deinen hinterhältigen Plänen? Eine Moschee in die Luft jagen, damit Jesus wiederkommt. Was für eine Schnapsidee! Man sollte dich einsperren, bevor jemand dran glauben muss!»
    «Also wirklich, Ellen Cherry …», sagte Verlin.
    «Oh, ’ne Menge Leute wer’n dran glauben müssen», sagte Buddy grinsend. «Verlass dich drauf.»
    «Und is einer davon etwa Boomer Petway?», fragte Patsy. «Willst du etwa ihn damit beauftragen, den Felsendom in die Luft zu jagen?»
    «Soviel ich weiß, hat kein Mensch bisher irgendwas von In-die-Luft-Jagen gesagt. Und Boomer wird kein Härchen gekrümmt. Es sei denn, der Teufel hat dabei seine Finger im Spiel. Was unmöglich is, solang der gute Boomer seine Sünden anständig bereut. Ich hab einfach ’nen Mann in Jerusalem gebraucht, das is alles. Meine
yeshivas
sind mir treu ergeben, aber, na ja, ihr könnt euch denken, sie sind nich so wie ihr und ich. Irgendwie exotisch. Esoterisch. Wir ham da ein paar zuverlässige Christen in Jerusalem sitzen, aber ich hab das Gefühl, dass sie sich gelegentlich von Juden übers Ohr hauen lassen. Ich hab einfach ’nen eigenen Mann gebraucht da drüben, jemand, dem ich vertrauen kann für den Fall, dass ich den einen oder andern kleinen Auftrag hab, von dem die andern nich unbedingt was wissen müssen.»
    «Also is Boomer so was wie dein Botenjunge?»
    «Boomer is gar nichts, Patsy. Er is nichts, und er weiß nichts. Er is nur da für den Fall, dass der Herr und ich ihn brauchen.»
    «Pass lieber auf, in was du ihn da reinziehst!»
    «Mach ich, Patsy, mach ich.»
    «Könnten wir das Thema nich endlich beenden?», schlug Verlin vor. «Es is grad Halbzeit. Außerdem ham wir noch nich alle Geschenke ausgepackt.» Damit zog er ein großes, in buntes Weihnachtspapier verpacktes Päckchen unter Ellen Cherrys stoppeligem, aber kunstvoll geschmücktem Tannenbaum hervor. «Hier, Bud. Ich glaub, das hat der Weihnachtsmann für dich abgegeben.»
    «Oh, danke», sagte Buddy. «Vielen Dank auch.» Er zog an der grünen Schleife. «Mal sehn, was drin is.»
    «Ich hoffe, es passt», sagte Verlin.
    «Bestimmt», meinte Ellen Cherry. «Es is ’ne Zwangsjacke.»
    Der Prediger gab keine Antwort. Ganz langsam, ganz vorsichtig löste er die Schleife. Offenbar hatte er mit seinem Weihnachtsgeschenk mehr Geduld als mit dem Ende der Welt. Verlin warf unruhige, verstohlene Blicke auf den Fernseher, wo die Halbzeitshow lief, während Patsy den Tisch abwischte. Unter der Spüle hockten die Kaker und sahen ihr verzweifelt zu.
     
    Gegen halb elf ging das Familientreffen zu Ende. Als Ellen Cherry allein war, kehrten ihre Gedanken wieder und wieder zu Raoul zurück. Sie war kurz davor, ihn anzurufen und zu sich einzuladen, doch als sie pinkeln ging, entdeckte sie, dass sie ihre «Pünktlichen» hatte.
    Ach ja.
Sie seufzte. Und während sie sich widerwillig ein Tampon reinschob, sang sie alle drei Strophen von

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