Scepter und Hammer
und zwar sofort, er ist ein Meuchler; aber ich biete ihm mein Schach in das Gesicht.«
Er ging. Nachdem er über den Fluß gerudert war, passirte er das herzogliche Palais und sprang dann über die Gartenmauer. Er brauchte keine Vorsicht anzuwenden, da Helbig ja von Raumburg erwartet wurde. Er schritt offen zur Laube; in ihrer Nähe angekommen, griff er in die Tasche, in welcher er ein Phosphorlaternchen stecken hatte, deren Schein ihm jede Feindseligkeit von Seiten des Herzogs zeigen mußte.
»Helbig!« klang es ihm halblaut entgegen.
»Durchlaucht!« antwortete er ebenso.
»Schon! Ich hatte Dich viel später erwartet; es muß sehr günstig gestanden haben. Wie ist es abgelaufen?«
»Schnell und gut.«
»Sind sie todt?«
»Nein.«
»Alle Teufel; warum kommst Du dann?«
Jetzt öffnete Max die Laterne, deren genügend heller Schein auf den Herzog fiel.
»Um Ihnen zu sagen, Durchlaucht, daß Sie ein Schurke sind!« antwortete er mit fester, ruhiger Stimme.
»Ein Schur – – ah, wer ist das? Wer sind Sie? Was wollen Sie hier?«
Max ließ das Licht einen Augenblick lang auf sein Gesicht fallen.
»Sehen Sie her! Sie kennen mich ja wohl.«
»Brandauer! Hölle und Teufel! Mensch, was thun Sie in meinem Garten? Ich lasse Sie sofort arretiren!«
»Das werden Sie bleiben lassen, mein Herr! Ich komme nicht als Dieb und Einschleicher, denn ich wußte sehr genau, daß ich Sie hier treffen würde.«
»Nun, was wollen Sie?«
»Ich bitte sehr höflich um die Erlaubniß, mir einen Gegenstand holen zu dürfen, welcher sich gegenwärtig in Ihrem Garten befindet.«
»Welchen Gegenstand?«
»Die Kleidung eines gewissen Helbig.«
»Helbig? Kleidung? Wer ist das? Ich weiß von Nichts.«
»Lügen Sie nicht?«
»Herrrr – –!«
Er trat mit erhobenem Arme auf Max zu. Dieser jedoch wich keinen Zoll breit zurück, sondern antwortete:
»Herrrr – –! Sie sehen, Durchlaucht, mir stehen ganz dieselben Stimmmittel zur Verfügung wie Ihnen, die Vertheidigungswaffen ganz unerwähnt, welche ich gebrauchen würde, falls Sie Lust bekämen, den offenen Kampf mit mir aufzunehmen. Also bitte, darf ich mir die Kleider nehmen?«
»Ich verstehe Sie nicht. Sie reden wahrscheinlich irre!«
»Dann muß ich, um Sie von dem Gegentheile zu überzeugen, ausführlicher sein.«
»Nun? Ich befehle Ihnen das allerdings!«
»Seit wann steht Ihnen die Erlaubniß zu, mir irgend etwas zu befehlen? Jetzt reden wohl Ew. Hoheit irre, denn was ich Ihnen gegenüber thue, geschieht einzig und allein nur, weil es mir so beliebt. Sie erinnern sich wohl eines gewissen Helbig, welcher einst in Ihren Diensten stand?«
»Möglich. Weiter!«
»Er scheint von Ihnen vorzugsweise zu Missionen verwendet worden zu sein, welche nicht ganz heller Natur gewesen sind, denn – – –«
»Schweigen Sie!« herrschte ihn der Herzog an.
Das Innere desselben kochte förmlich vor Grimm. Er wußte jetzt, daß sein Anschlag gescheitert, daß Alles verrathen sei; er fühlte, in welcher Gestalt er seinem Gegner erscheinen müsse, und wenn ihm auch seine hohe Stellung eine gewisse Sicherheit gab, er war nicht nur besiegt, er war entlarvt von einem stolzen, unüberwindlich scheinenden Gegner, von einem – Schmiedesohne, der vor ihm stand und bereits schon vor ihm gestanden hatte so ruhig und hehr, wie der Löwe vor dem schmutzigen Gewürm, welches im Staube kriecht. Das steigerte seinen Grimm bis zum höchsten Grade, aber es war eine ohnmächtige Wuth, der lächelnden Ruhe gegenüber, mit welcher Max antwortete:»Wollen Sie nicht Ihre Stimme dämpfen, Durchlaucht? Es kann unmöglich in Ihrem Interesse liegen, unsere Unterredung für Andere hörbar werden zu lassen. Also ich sagte, diese Missionen können nicht ganz heller Natur gewesen sein, ebenso wie zum Beispiel der Auftrag, welchen er heut in Ihrem Interesse ausführen sollte.«
»Sie sprechen in Räthseln. Verlassen Sie meinen Garten!«
»Das Erstere ist nicht wahr, und das Letztere ist nicht Ihr Wunsch, denn es muß Ihnen sehr daran liegen zu erfahren, warum ich an Stelle dieses Helbig komme. Er läßt sich nämlich durch mich entschuldigen, da es ihm unmöglich ist, Ihnen seinen Bericht selbst abzustatten. Er liegt gebunden bei mir; Ihr Messer und Revolver wurde ihm abgenommen und ebenso das Geld, welches er zum Gratial für die Gesellen meines Vaters verwenden sollte.«
»Elender Verräther!«
»Sie irren wieder, Durchlaucht. Helbig hat Sie nicht verrathen; er hat sogar nicht einen einzigen Laut von sich
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