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Schafkopf

Schafkopf

Titel: Schafkopf Kostenlos Bücher Online Lesen
Autoren: Tommie Goerz
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Alles natürlich legal und überprüfbar. Nur eine habe er sich damals aufgehoben. Und die habe die ganze Zeit über auf ihm gelastet. Er habe sie daher eines Nachts in einem Wald »entsorgt«, also gezündet. Es sei aber weit und breit kein Mensch in der Nähe gewesen. Ja, sicher, das sei eine Dummheit gewesen. Und jetzt … aber mit dem Mord habe er nichts zu tun … und so weiter und so fort … und bitte, das dürfe nicht an die Öffentlichkeit, das gefährde seine Stellung, seine berufliche Position …
    Windelweich wurde der Kerl da.
    Kommissar Behütuns blieb förmlich. Ob der so eklig aussah, eklig war, wie er ihn sich vorstellte?
    »Herr Plötz, ganz herzlichen Dank für Ihre Aussage. Es war sehr wichtig, dass Sie uns informiert haben. Ich muss Sie bitten, diese Aussage morgen hier bei uns vor Ort im Präsidium …«
    »Ach bitte, morgen ist bei mir ganz schlecht …«
    »Morgen! – Hier! – Bei! – Uns! zu wiederholen und zu Protokoll zu geben. Und wir werden das alles natürlich überprüfen müssen.«
    »Aber Sie werden Stillschweigen bewahren?«
    »Ich danke Ihnen für Ihre Aussage und erwarte Sie morgen um zehn. Auf Wiedersehen, Herr Plötz.«
    Und legte auf.
    Wie war das?, überlegte Behütuns. Wenn man jemanden nicht mag, kann der tun und machen, was er will. Man wird ihn trotzdem nicht mögen. Wen man nicht mag, der hat es bei einem schwer. Um fair zu sein, müsste ich jetzt eine Ethik strapazieren. Hab ich aber grad keine Lust dazu. Bis Morgen, Herr Plötz!
    Damit war die Sache mit den Kennzeichenfragmenten plötzlich rund. Tot zwar für den Fall, das war jetzt eine andere Baustelle, aber wenigstens erst einmal ohne weitere Fragen. Da würde er sich nicht mehr darum kümmern müssen. Aber sonst hatte sich der Weg ins Büro heute nicht gelohnt. Man sollte am Sonntag einfach nicht arbeiten.
    Behütuns blickte noch einmal quer durch den Raum, dann zuckte er die Schultern und gab auf.
    Er würde heute nicht weiterkommen. Halb drei. Ein letzter Blick um zu sehen, ob alles passte, dann ging er hinaus. Der Wachhabende unten an der Anmeldung – war das der mit der Sauklaue? – tippte nur kurz mit den Fingern an die Stirn, dann war Behütuns draußen.
    Eigentlich war das Ganze sehr frustrierend. Keinen Schritt weiter, zwei Schritte zurück. Oder drei. Trotzdem. Irgendetwas arbeitete in Behütuns. Er kannte diesen Zustand. Leichte Erregung, leichte Unzufriedenheit, kein Zustand zum Sitzenbleiben. Und doch war das dann meist das Beste. Sich hinsetzen und gar nichts tun. Nur Sitzen, Starren, nicht mal Grübeln. Schweigsam sein, den Kopf ausschalten. So wie die Alten – war das erst gestern gewesen? – im Schlössla, Tennenlohe. Die saßen Stunden lang. Saßen still. Nur ab und zu ein »Hmmpffhh …«
    Nicht selten fährt man automatisch Auto. Du denkst an alles andere, nur nicht ans Fahren selbst. War die Ampel gerade rot oder grün? Wer hatte Vorfahrt? Keine Ahnung. Behütuns fuhr so, aus der Stadt raus, übers Land. Er kam nach Eckental, nach Pettensiedel, Etlaswind. Ein Wirtshaus war hier angeschrieben, etwas abseits, das er bisher noch nicht kannte. So steuerte er dahin. Und als er eintrat, war es ihm sofort sympathisch.
    Draußen im Biergarten saßen die Fahrradfahrer, die Kinder lärmten, Sonntagsausflügler bei Kuchen und Kaffee, bei Spezi und Bier. Das war nicht seins. Heute musste er hinein. Und hier fand er, was er suchte und so gerne hatte: Drei Männer am Stammtisch. Er grüßte, einer hob langsam die Hand, und Behütuns setzte sich abseits.
    »Ein Bier!«

Denn scheinbar Nebensächliches summiert sich und
wird jährlich schwergewichtig.
Markus Werner
22. Kapitel
    Die Männer am Tisch sagten nichts.
    Staub tanzte in den Sonnenstrahlen.
    Blendende Sommersonnenhelle und Raumtiefendunkelheit: Licht und Schatten mit scharfen Kontrasten auf Tischen und Holzfußboden. Die Vorhänge waren kariert.
    Fliegen summten verzweifelt am Klebestreifen. Andere kreisten im Raum oder krabbelten auf den Tischen umher.
    An der Theke tropfte der Hahn.
    Manchmal kam der Wirt, eine valentinesk dürre Gestalt. Kinderschreispitzen von draußen. Die Wirtin war dick, die Gartenbedienung Studentin. In der Küche klapperte es. Es roch nach Braten und Kraut.
    Die drei Männer am Tisch sagten nichts. Staub tanzte in den Sonnenstrahlen. Das alles ist gut, so könnte es weitergehen. Oder bleiben. Kommissar Friedo Behütuns saß vor einem Glas Bier. Und vor einem Scherbenhaufen. Nein, dachte er, das ist falsch. Das Bier steht

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