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Schokoherz

Schokoherz

Titel: Schokoherz Kostenlos Bücher Online Lesen
Autoren: Alice Castle
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nicht. Und es war auch keine Selbstverleugnung, oder? Nein. Lauter, bitte. NEIN.

6

    Tom war offensichtlich etwas überrascht, dass ich mental bereits nach Brüssel gezogen war, als er abends nach Hause kam. Er hatte sich abgehetzt, in der Annahme, ich sei am Boden zerstört, weil man mich gefeuert und öffentlich gedemütigt hatte. Außerdem stand ich ja praktisch unter Hausarrest, weil meine Kollegen vor der Tür lauerten und anscheinend nicht vorhatten, sich jemals wieder wegzubewegen, um zum Beispiel über eine wichtigere Story zu berichten. Ich war jedoch weit davon entfernt, ein Häufchen Elend zu sein, sondern saß mit Penny am Küchentisch, lachte über das ganze Gesicht und stieß auf mein neues Leben im Ausland an, als ob ich es mir schon seit Ewigkeiten gewünscht hätte.
    Tom ließ die Schlüssel klappernd auf die marmorne Arbeitsplatte fallen, wechselte einen fragenden Blick mit Penny und schenkte sich den Rest Weißwein in ein Glas. »So«, sagte er vorsichtig und küsste mich auf die Stirn. »Guter Tag? Kinder im Bett?«
    »Ehrlich gesagt ein komischer Tag«, erwiderte ich. »Die Kinder sind schon ewig im Bett. Anscheinend hat es sie total erschöpft, dass ich die ganze Zeit da war«, scherzte ich, während sich Tom und Penny erneut mit gerunzelterStirn ansahen. Dieses Mal würde ich das nicht ignorieren.
    »Was habt ihr denn? Ihr solltet froh sein, dass ich mir nicht die Pulsadern aufschlitze oder in Tränen aufgelöst bin. Ich glaube einfach allmählich, dass es das Beste war, was ich je getan habe, die Zeitung zu verlassen«, sagte ich fröhlich.
    »Und was ist mit Jane Champion? Das beschäftigt dich gar nicht?«, fragte Penny vorsichtig. Prompt verschluckte sich Tom an seinem Wein. Bis ich die Spritzer aufgewischt und ihm ein Taschentuch gereicht hatte, damit er sich die tränenden Augen trocknen konnte, hatte ich auch schon eine Antwort parat.
    »Ja, sie ist eine gemeine Lügnerin, aber wie Tom schon sagte, sie ist eben eine Politikerin wie alle anderen. Es ist nichts Persönliches.«
    Penny riss die Augen auf und wollte etwas sagen, aber Tom schnitt ihr förmlich das Wort ab. »Wirklich schön, dich zu sehen, Penny. Aber du bist sicher schrecklich müde. Möchtest du dich nicht langsam auf den Heimweg machen?«
    Verblüfft starrte ich Tom an. Das klang aber gar nicht nach dem perfekten Gastgeber. »Aber es ist so schön, Penny auch mal unter der Woche zu sehen. Sonst treffen wir uns immer nur am Wochenende. Penny, du musst unbedingt öfter vorbeikommen«, sagte ich unbekümmert. »Ich meine, solange wir noch da sind.«
    »Penny, es ist wirklich nett von dir, wo du doch so viel anderes zu tun hast: die Hausaufgaben der Kinder, bestimmt schrecklich viele Korrekturen, John natürlich, und nicht zu vergessen die furchtbar lange Heimfahrt«, fiel Tom mir hastig ins Wort, während er Pennys Mantel vom Hakenim Flur holte und ihn wie ein Stierkämpfer schwang.
    »Ich bin ja froh, wenn ich euch in dieser Jane Champion-Angelegenheit beistehen kann. Diese Frau ...«, erwiderte Penny, als Tom bereits nervös mit dem Fuß klopfte. »Äh, Tom hat recht. Ich mach mich besser auf den Weg. Lucien muss heute Abend noch Mathehausaufgaben machen, und ich sag's euch, jetzt, wo er dreizehn ist, muss ich mich mehr um ihn kümmern als damals mit drei. Genießt eure Kinder, solange sie noch klein und süß sind.«
    »Wenn sie in Luciens Alter sind, sprechen sie wahrscheinlich schon fließend Französisch. Sollten sie eigentlich«, überlegte ich laut. »Das heißt, wenn wir sie in eine französische Schule schicken ...«
    Penny leerte ihr Glas und stellte es auf die Theke. »Also, dann lass ich euch mal allein, damit ihr das alles in Ruhe besprechen könnt. Es ist eine große Entscheidung. Was immer ihr tut, überstürzt nichts. Denkt daran, dass eure Freunde euch ganz schrecklich vermissen würden. Ich hoffe, ihr bleibt da.«
    Geistesabwesend lächelte ich Penny an. Mental war ich bereits Hunderte von Kilometern entfernt und führte mir gerade eine große Tafel köstlicher belgischer Schokolade zu Gemüte. Penny legte mir die Hände auf die Schultern und küsste mich herzlich auf die Wange. »Also, Kopf hoch, Bella. Denk dran, wir können jederzeit telefonieren. Schreib mir einfach eine SMS. Ich kann sogar während des Unterrichts mal fünf Minuten weg. Ich ruf dich gerne an, auch wenn es offiziell ein Kündigungsgrund ist«, meinte sie. Bei der Erwähnung des »K«-Wortes erstarrte sie und schien erstaunt, dass

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